Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Die Samtgemeindebürgermeister Claudia Kalisch (Amelinghausen) und Josef Röttgers (Gellersen) fürchten, dass eine Schienenortsumfahrung für Lüneburg und Deutsch Evern wieder ihre Kommunen treffen könnte. Foto: t&w

Ortsumfahrungen: Westkreis-Kommunen sehen bedroht

Reppenstedt/Lüneburg. Die Diskussion um mögliche Ortsumfahrungen für die Schienenstrecke Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen treibt nun die Kommunen im Lüneburger Westkreis um: Dort keimt die Befürchtung, dass die ebenso umstrittenen Neubautrassen, die längst verworfen schienen, so unter neuem Namen wieder auf den Tisch kommen. So argwöhnen etwa die Samtgemeindebürgermeister aus Amelinghausen und Gellersen, dass doch eine Zerschneidung ihrer Kommunen durch eine neue Güterverkehrsstrecke für die deutschen Seehäfen droht anstelle des Ausbaus der Bestandsstrecke. Zumindest eines eint sie aber mit den Lüneburgern und Deutsch Evernern, die sich gegen den vom Bund vorgesehenen, dreigleisigen Ausbau der Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen wehren: Die Kritik am Vorgehen der Bahn, das den Schienen-Streit im Landkreis neu entfachen könnte.

Landrat warnt vor Streit zwischen den Kommunen

Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt ruft zur Geschlossenheit auf: „Wir der Landkreis und die betroffenen Kommunen mit der Hansestadt Lüneburg dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. In dieser Situation haben die Kommunen im Landkreis Lüneburg naturgemäß unterschiedliche Interessen. Das Schlimmste wäre es nun, wenn wir uns untereinander streiten, anstatt geschlossen aufzutreten. Der lachende Dritte wäre die Deutsche Bahn, und das wollen wir nicht.“ Dabei ist Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers und Amelinghausens Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch das Lachen längst vergangen.

Röttgers: „In gutem Glauben habe ich damals das Abschlussdokument des Dialogforums Schiene Nord für die Variante AlphaE mit unterschrieben.“ Er habe auch noch die Worte von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies im Ohr, der erklärt hatte, dass es keine Neubaustrecke geben werde. „Ausbau vor Neubau“ lautete die Devise. Röttgers: „Es kann doch nicht sein, dass das Ergebnis des Dialogforums im Nachhinein umdefiniert wird. Das wäre ein Etikettenschwindel.“ Das große Protestplakat „Hier nicht!“ gegen eine mögliche Neubautrasse wurde vor dem Reppenstedter Rathaus längst abgebaut. Röttgers: „Wir dachten, die Sache wäre für uns erledigt. Jetzt kann ich nur an alle Bürgerinitiativen appellieren, die Protestplakate wieder herauszuholen.“ Der Landkreis-Verwaltung wirft er zudem vor, sich in der Diskussion zu sehr auf die Seite von Lüneburg und Deutsch Evern geschlagen zu haben: „Der Landkreis hat alle seine Kommunen zu vertreten.“

Abschlussdokument des Dialogforums hinfällig?

Ähnlich sieht das Claudia Kalisch, kritisiert aber vor allem das Vorgehen der Bahn-Vertreter bei dem zurückliegenden Informationstreffen in der Lüneburger Ritterakademie (LZ berichtete): „Es geht um die Art und Weise. Es kann nicht sein, dass von uns Kommunen verlangt wird, selber Vorschläge für Ortsumfahrungen zu machen.“
Auch die Landkreisspitze hält von der Idee nichts, dass die Akteure nun selber Vorschläge für Ortsumfahrungen erarbeiten sollen. Dazu Nahrstedt: „Es ist Aufgabe von Bund und Deutscher Bahn zu erläutern, was eine Ortsumfahrung sein soll und wo sie verlaufen könnte. Bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit der Züge von 250 Kilometern pro Stunde wird es keine engen Kurven geben. Wir reden hier in Wahrheit von einer Neubaustrecke westlich oder östlich von Lüneburg. Manche sehen schon eine Strecke, die der alten Variante AshausenUnterlüß sehr nahe kommt. Dann wäre das Abschlussdokument des Dialogforums ad absurdum geführt. Der Beirat des Dialogforums müsste Sturm laufen, ist aber stattdessen froh, dass die Strecke nicht durch das Gebiet der Mitglieder des Beirates läuft.“

Außerdem stelle sich laut Landrat die Frage, ob die Ortsumgehung aus einem oder zwei Gleisen bestehen soll. Zu all diesen Fragen hat die Deutsche Bahn bei der Veranstaltung in Lüneburg keine Auskunft gegeben, obwohl danach gefragt worden sei.

Zu dem Vorhalt, dass die Kommunen nun selber Vorschläge für Ortsumfahrungen machen sollen, sagt Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn: „Das ist vielleicht nicht klar genug angekommen. Die Bahn plant, aber nicht im luftleeren Raum. Aber es ist auch nicht so, dass wir uns als Bahn zurücklehnen, und uns das Beste aus den Vorschläge heraussuchen.“ Die frühzeitige Beteiligung sei ein Angebot, Hinweise etwa auf Hindernisse oder andere Verkehrsströme zu geben. „Diese Hinweise wollen wir bei der folgenden Planung berücksichtigen.“ Auf die Frage, ob es denkbar ist, dass eine Ortsumfahrung ganz oder teilweise auf einer der verworfenen Neubautrassen entstehen könnte, sagt Skierlo: „Eine Aussage dazu wäre nicht seriös. Genaueres wird man im Verlauf der Planungen sehen, welche Spielräume die Formulierung im Bundesverkehrswegeplan ermöglicht und das wollen wir mit der Region ausloten.“

Von Dennis Thomas

Runder Tisch

Am 23. März soll die erste Sitzung des Runden Tischs in Deutsch Evern stattfinden. Der Landkreis zeigt sich gespannt, ob die Deutsche Bahn und der Bund dann Informationen über mögliche Trassenverläufe und dergleichen bereitstellen. „Wir erwarten, dass die Bahn ihre Hausaufgaben macht, und uns noch vor dem Termin die Umgehungsstrecken mitteilt, die sie vorsieht“, sagt Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt.

Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn muss ihn wohl enttäuschen. Er zieht einen Vergleich zum Prozess in Rotenburg: „Da ging es beim ersten Runden Tisch um eine Selbstfindung, ob alle relevanten Teilnehmer dabei sind und die Klärung erster grober Sachfragen.“ dth

3 Kommentare

  1. über eines darf sich die bahn schon mal freuen und zwar auf den widerstand. die menschen haben die schnauze voll, ihre gesundheit der wirtschaft zu opfern. der vermehrte güterverkehr wird bald aufhören. wer soll die güter in der zukunft noch bezahlen können, wenn maschinen immer mehr die arbeit machen und keine steuern dafür bezahlen müssen? der krug geht solange…………..die selbstbedienungs maschinerie wird zum erliegen kommen. die fetten bonizahlungen für dummes zeug garantiert auch. die hamburger werden es als erste merken. auch die chinesen werden nicht auf die dauer mit hungelöhne zufrieden sein. der gemolkene bürger wird zwangsweise hellwach.

    • Sie haben Themen wie Genmais, Eurozone, PETA u.v.m. vergessen.

      • Helga
        Mir hat hier jemand schon ein Elefantengedächnis nachgesagt. Mit Recht. Schmunzeln. Es geht hier um den Transport von Gütern. Oder hatten Sie eine satirische Anwandlung?