Donnerstag , 17. Oktober 2019
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Die Arbeiten am Audimax sind auf der Zielgeraden. Nach der Einweihung soll es auch für bestimmte Veranstaltungen von der Stadt genutzt werden können. Foto: t&w

Uni-Zentralgebäude: Rat segnet Nutzung ab

Lüneburg. In eineinhalb Monaten wird das Audimax eingeweiht. Die Stadt plant dort am 11. März ein internationales Konzert zur Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie. Praktisch auf den letzten Drücker hat der Rat der Stadt einem Rahmenvertrag zwischen der Uni und der Stadt zur Nutzung von Räumen des neuen Zentralgebäudes mehrheitlich zugestimmt. Die Linke und die AfD votierten dagegen.

Kostensteigerung Beleg für schlechten Umgang mit Geld

Schnell noch mal den Geldhahn zudrehen wollte die AfD. Die Stadt solle aus der Co-Finanzierung aussteigen und die fünf Millionen Euro in „sinnvollere politische Projekte“ wie zum Beispiel den Bau der Lüneburger Arena stecken, machte Fraktionschef Prof. Dr. Gunter Runkel deutlich. Denn die diskutierten Nutzungsrechte seien immer schlechter geworden und nicht mehr akzeptabel. Die immense Kostensteigerung beim Unibau habe gezeigt, dass die Hochschule nicht adäquat mit öffentlichem Geld umgehen könne, die Stadt solle sich deshalb an dem Millionengrab nicht beteiligen. „Wir sind gegen Abschluss eines Rahmenvertrags in der vorliegenden Form“, sagte Runkel.

Friedrich von Mansberg (SPD) machte deutlich, dass man sich aus gutem Grund vor Jahren entschieden habe, das Zentralgebäude mitzufinanzieren. Die Uni sei wichtig für Lüneburg, die Verbindung mit der Stadt von großer Bedeutung und man brauche Räume. Dr. Gerhard Scharf (CDU) beschwor: „Dieser Rat steht hinter der Uni. Die fünf Millionen Euro waren immer unbestritten. Die Verlässlichkeit spielt eine große Rolle.“ Birte Schellmann (FDP), deren Fraktion den Libeskind-Bau immer äußerst kritisch begleitet hatte, sagte: „Wir leben im Rechtsstaat. Beschlossene Verträge müssen eingehalten werden.“ Die AfD blieb mit ihrem Vorstoß, die fünf Millionen Euro zu streichen, allein auf weiter Flur.

Prof. Dr. Jörg Philipp Terhechte, Vizepräsident der Uni, und Christian Brei, Leiter Universitätsentwicklung, waren in den Rat geeilt, um für den Bau und die Nutzungsvereinbarung zu werben. Dabei hatten sie einen Zwei-Minuten-Film, der das stählerne Raumschiff an der Uelzener Straße von innen und außen zeigte. Und sie versprachen, die Politik solle noch spezielle Einblicke bekommen. Ungerührt erinnerte Michèl Pauly, Fraktionsvorsitzender der Linken, daran, dass es nicht nur unter den Studenten und Professoren Kritiker gegeben habe, „es gab auch im Rat Stimmen, die dagegen waren“. Inzwischen sei das Projekt nicht nur immer teurer geworden, sondern auch die Nutzungsvereinbarung für die Stadt immer schlechter. Diese dürfe die Räume nur für nicht-kommerzielle Veranstaltungen nutzen. „Warum lassen wir uns vorschreiben, was wir da machen?“

Bis zu 30 Veranstaltungen im Jahr sind möglich

Terhechte und Oberbürgermeister Ulrich Mädge erklärten, dass es nie um kommerzielle Veranstaltungen gegangen sei. Diese seien aufgrund der Förderrichtlinien für die Stadt ausgeschlossen. Bereits in der vorläufigen Vereinbarung vom 26. März 2013 hieß es: „Jede kommerzielle Nutzung … wird ausdrücklich ausgeschlossen.“ Zur Verfügung steht künftig ein Kontingent von bis zu 30 „eintägigen Einzelveranstaltungen, das die Hansestadt und der Landkreis nach interner Absprache in Anspruch nehmen können“. Dieses wolle man für Vereine, Verbände oder Veranstaltungen des Theaters nutzen, sagte Mädge.

Auch wenn man zu wenig bekomme, werde er für die Rahmenvereinbarung stimmen, „wir stehen zur Uni“, sagte Ulrich Blanck, Fraktionschef der Grünen. Scharf hob hervor: „Uns war wichtig, dass wir mit der Uni am Konzept stricken.“ Terhechte stellte in Richtung der Kritiker klar: „Wir hätten Ihnen einfach auch nur eine Satzung zukommen lassen können.“ Ulrich Löb (Grüne) zeigte sich überzeugt: „Ich bin guter Hoffnung, dass die Uni mit uns partnerschaftlich umgeht.“ Henrik Philipp Morgenstern (CDU) sah in der Diskussion um die Nutzung ein „Luxusproblem: Nutzen wir das Gebäude doch erst einmal.“ Nach zwei Jahren soll der Vertrag erneut auf den Prüfstand kommen.

Von Antje Schäfer

2 Kommentare

  1. Henrik Philipp Morgenstern (CDU) sah in der Diskussion um die Nutzung ein „Luxusproblem“.

    In der Existenz eines um ca. achtzig Millionen Euro überteuerten Gebäudes, dessen Finanzierung über viele Jahrzehnte hinweg noch ungeklärt ist, sah Henrik Philipp Morgenstern (CDU) kein „Luxusproblem“.

  2. Das Zentralratsgebäude, Lüneburgs Palazzo Prozzi, oder vielleicht Ullis Lampenladen?
    Welchen Namen werden wir zur Einweihung des Millionengrabes hören ?

    >Auch wenn man zu wenig bekomme, werde er für die Rahmenvereinbarung stimmen, „wir stehen zur Uni“, sagte Ulrich Blanck, Fraktionschef der Grünen. <
    Er muss es ja auch nicht bezahlen.

    Schauen wir also getrost in die Zukunft und warten auf das nächste Politikerdenkmal, die Mehrzweckhalle.