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bei diesem Foto handelt es sich um ein Symbolfoto. Weder Tier noch Stall stehen in Verbindung zum betreffenden landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Lüneburg. Von der Veröffentlichung der illegal aufgenommenen Fotos in dem Stall hat die Redaktion Abstand genommen. Foto: A/t&w

Missstände im Schweinestall

Lüneburg. Tierschutzwidrige Zustände in einem Schweinestall im Landkreis Lüneburg: Wie das Veterinäramt bestätigt, hat ein Landwirt aus der Region in seiner Schweinehaltung gegen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes verstoßen. Der Landwirt will sich auf Nachfrage dazu nicht äußern. Die Amtstierärztin hat Maßnahmen zum Tierschutz angeordnet, außerdem „wird geprüft, ob ein Strafverfahren eingeleitet wird“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Aufgedeckt hat den Fall eine junge Frau, die nach eigenen Aussagen zufällig den Stall betreten und von der Situation kurzentschlossen ein Video gedreht hat.

Fahrradtour mit Folgen

Bei einer Radtour sei ihr außerhalb des Ortes in der Nähe des Schweinestalls plötzlich schwindelig geworden, berichtet die Frau der LZ. Die Karte ihres Telefons sei leer gewesen. „Ich hatte die Hoffnung, jemanden in dem Stall zu treffen, der Hilfe holen könnte, klopfte und rief mehrfach, ob jemand da sei, dann betrat ich den Stall.“ Sie habe einen „furchtbaren Geruch“ wahrgenommen und sei ihm nachgegangen. Als sie auf die Schweine stieß, habe sie sich in der Lage gefühlt, ein Video zu drehen.

Darauf zu sehen ist eine Box in einem Schweinestall, es ist dunkel, in einer Ecke erscheint im Lichtkegel einer Taschenlampe ein totes Schwein. Der Bauch ist aufgedunsen. Kamera und Licht schwenken nach links auf ein weiteres Tier, die Stimme der Frau ist zu hören, sie sagt: „Hier werden lebende Schweine mit toten gemischt.“ Ein weiteres Tier ist zu sehen, liegt scheinbar leblos auf der Seite, davor stehen zwei weitere Schweine. „Das lebt noch“, sagt die Frau. „Das andere hat eine Verletzung am Bein.“ Man sieht ein abgeknicktes Bein und eine offene Wunde. Nur eins der vier Schweine bewegt sich in dem kurzen Videoausschnitt.

Unangekündigte Kontrolle im Schweinemastbetrieb

Zurück daheim informiert die Frau die Polizei Lüneburg über die Zustände in dem Schweinestall. Von dort aus machten sich laut Polizeisprecher Kai Richter zwei Kollegen auf den Weg, „konnten vor Ort aber nichts feststellen“. Am folgenden Tag hätten zwei Beamte erneut Kontakt mit der Frau aufgenommen. „Sie waren danach im Stall und haben mit dem Landwirt gesprochen, der eingeräumt hat, dass Tiere gestorben sind“, erklärt Richter. Um 13 Uhr informierte die Polizei das Veterinäramt über den Fall. Um 14 Uhr wurde die Meldung laut Kreissprecherin intern an die zuständige Veterinärin übergeben. „Diese ist um 14.20 Uhr gestartet und hat den Schweinemastbetrieb unangekündigt kontrolliert“, sagt Holzmann.

Zu den konkreten Zuständen und Verstößen in dem Schweinestall will sich die Behörde nicht äußern. Auch die Bitte, sich das Video gemeinsam anzusehen, lehnt der Kreis ab mit dem Hinweis: „Für uns zählt der Eindruck vor Ort. Rückschlüsse aus einem Video auf den Zustand im Stall zu ziehen, wäre unseriös“, sagt Sprecherin Katrin Holzmann. Nur soviel wollen die Amtsveterinäre zum aktuellen Zeitpunkt sagen: „Bei der Kon­trolle stellte unsere Veterinärin fest, dass der Landwirt nicht alle Bestimmungen des Tierschutzgesetzes eingehalten hat. Daraufhin ordnete sie Maßnahmen zum Tierschutz an, die der Tierhalter inzwischen umgesetzt hat. Das Veterinäramt überwacht die Umsetzung der Maßnahmen und hält den Schweinemastbetrieb im Blick.“

Die junge Frau — nach eigenen Aussagen kein Mitglied einer Tierrechtsorganisation — ist sich bewusst, dass das Eindringen in den Stall illegal war, dass auch sie möglicherweise rechtliche Konsequenzen erwarten. „Aber ich konnte nicht anders“, sagt sie, „und nachdem ich gesehen habe, was da los war, musste ich etwas tun.“ Was der Vorfall für den Landwirt für Folgen hat, ist aktuell noch nicht absehbar.

Von Anna Sprockhoff

One comment

  1. Was für eine Geschichte!!! Ihr wird schwindelig und braucht Hilfe. Sie geht in den dunklen Stall und plötzlich geht es ihr wieder so gut, dass sie einen Videokommentar abgeben kann.

    Alles nur Zufall? Seltsam auch der Hinweis keiner Tierrechtsorganisation anzugehören, bei denen man i.d.R. überhaupt nicht Mitglied werden kann.

    Besser kann eine Verschwörergeschichte nicht sein.