Dienstag , 25. September 2018
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Die Neetzendorfer protestieren gegen eine mögliche Schließung ihres Bahnhaltepunktes. Foto: ki

Neetzendorfer kämpfen für den Erhalt ihres Bahnhofs

Von Gudrun Kiriczi
Neetzendorf. Die Empörung der Neetzendorfer ist groß. Ihre Haltestelle an der Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg soll geschlossen werden. Der Grund: Seit Jahren tuckert die eingleisige Wendlandbahn etwa alle drei Stunden mit 60 km/h durch die Landschaft. „Zu langsam“ finden unter anderem der Fahrgastverband Pro Bahn und anliegende Kommunen. Sie drängen die Landesnahverkehrsgesellschaft, Geschwindigkeit und Taktzahl zu erhöhen. Das freilich funktioniert nur, wenn die Wendlandbahn nicht mehr an allen Bahnhaltepunkten halten muss. Drei Haltepunkte entlang der Bahn könnten deshalb geschlossen werden — unter anderem Neetzendorf.

Das freilich wollen die Neetzendorfer verhindern. „Die Haltestelle ist für unsere Bürger wichtig“, stellen Horst Behrens und Wolfgang Szerzant, beide aus Neetzendorf, mit Nachdruck fest. Sie gründeten deshalb die Initiative Pro Bahnhaltestelle Neetzendorf. In einer Unterschriftenliste, die der Landesnahverkehrsgesellschaft Ende Dezember zugegangen ist, haben sich 195 Bürger gegen die Schließung der Haltestelle ausgesprochen. Aber auf eine Antwort aus Hannover warten sie noch.

Jetzt trafen sich einige Bürger auf dem Bahnsteig, um einen Neetzendorfer, der mehrmals wöchentlich über Lüneburg nach Hamburg zu Familienbesuchen fährt und abends um 21.15 Uhr wieder zurückkommt, „plakativ“ zu verabschieden. Dass sein Haltepunkt bald Geschichte sein soll, kann der Reisende nicht nachvollziehen: „Selbst die Zugführer sagen, dass hier oft mehr Leute am Bahnsteig stehen, als in Dahlenburg“.

Mit Schildern „So nicht!“ und „Keine höhere Taktung auf unsere Kosten“, zeigten die Neetzendorfer am Sonntag ihren Unmut gegen die geplante Schließung. „Für einen Zeitgewinn von fünf Minuten unsere Infrastruktur kaputt zu machen, das geht nicht“, zeigten sich die Demonstranten empört: „Wir liegen auf halber Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg, und die Leute, die hier zusteigen, bezahlen den Dannenbergern die Fahrkarte!“

Verärgert sind auch Pendler, die täglich den Zug nach Hitzacker nutzen. Jugendliche, die in Lüneburg zur Schule gehen, können den Zug um 6.40 Uhr nehmen und kommen mittags auch wieder zurück. Eine Busverbindung komme für sie nicht in Frage. Der erste Bus fahre um 8.40 Uhr und der nächste um 12.40 Uhr. Und wenn ein Bewohner den Bus nach Lüneburg nehme, bekomme er noch nicht einmal das Niedersachsenticket, denn das gebe es erst ab 9 Uhr. Abends gebe es mit dem Bus zudem kein Zurück mehr, der Zug dagegen fahre noch um 20.45 Uhr. Ärgerlich sind die Anwohner auch darüber, so versichern sie, dass sie aus der Landeszeitung von der möglichen Schließung erfahren haben, die seit zwei Jahren in Rede stehen soll.

„Wir wissen von nichts, haben auch von der Gemeinde keine Informationen erhalten!“ Wie ein Schildbürgerstreich mutet es an, dass der Bahnsteig barrierefrei erneuert wurde, zudem eine Leitung von der Ortsmitte zum Bahnhof verlegt wurde, um einen Automaten für Fahrkarten aufzustellen. Die Neetzendorfer wollen weiter für den Erhalt ihres Bahnhofes kämpfen. Denn nicht nur sie, Ahndorfer und Boitzer, sondern auch Bewohner aus den Nachbargemeinden nutzen die Bahn.

Drei Stationen auf dem Prüfstand

Die Landesnahverkehrsgesellschaft will drei Haltepunkte entlang der Strecke schließen. „Welche, das soll die Region entscheiden“, erklärte jüngst deren Preassesprecher Rainer Peters. Im Gespräch sind der Halt in Leitstade und Neetzendorf, zur Disposition stehen zudem die Haltepunkte in Bavendorf, Vastorf und Wendisch Evern. Bis zum Jahresende sollen die Kommunen entscheiden. ki

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