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Von 1946 bis 1948 wurde der Ölhof unter Aufsicht der britischen Militärregierung demontiert, bis heute ragen die Trümmer an einigen Stellen aus dem Waldboden. Foto: A/t&w

Bleckeder Ölhof: 19 Flächen könnten verseucht sein

Bleckede. Der Bleckeder Ölhof könnte verseucht sein. Das ist spätestens seit 1991 aktenkundig seit März 2015 ist bekannt: Die Behörden haben die mögliche Kontamination des ehemaligen Marine-Tanklagers über Jahrzehnte ignoriert. Die LZ machte das Versäumnis damals öffentlich, daraufhin versicherte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als aktuelle Eigentümerin des Geländes, schnellstmöglich „eine vollständige Gefahrenermittlung“ durchzuführen. Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen doch passiert ist augenscheinlich wenig. Die BImA hat vor wenigen Wochen die historische Recherche abgeschlossen, doch der Boden des Geländes ist bis heute nicht untersucht worden.

Immer wieder Anzeichen für Belastung

Anzeichen für eine Belastung des Ölhofs, auf dem Stoffe wie Braunkohlenteeröl, Petroleum oder Fluorescein lagerten, gab es seit Ende des Zweiten Weltkrieges immer wieder, zum Beispiel eine Grünfärbung des Trinkwassers. Doch unternommen wurde nichts. Erst 1990 beauftragte das Land Niedersachsen den TÜV Hannover im Rahmen einer „Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen“ mit der „Erfassung und Erkundung“ des ehemaligen Marine-Tanklagers, ein Gutachter empfahl die Schadstoffanalyse. Die Ergebnisse erhielten Bund, Land und Landkreis, doch gehandelt hat bis 2015 niemand (LZ berichtete).

Nun holt die BImA nach, was jahrzehntelang versäumt wurde. Und das braucht Zeit. Offenbar deutlich mehr als anfangs angenommen. Im Mai 2015 rechnete der Landkreis Lüneburg noch damit, dass Mitte 2016 die ersten Bodenanalyse-Ergebnisse vorliegen. Inzwischen geht BImA-Sprecher Thorsten Grützner davon aus, die Daten frühestens Ende des Jahres präsentieren zu können.
Fast zwei Jahre dauerte allein die „Historisch genetische Rekonstruktion“. Dafür seien 57 nationale und internationale Quellen aus zwölf Instituten ausgewertet und kontaminationsverdächtige Flächen (KVF) erfasst worden, erklärt Grützner. Das Ergebnis: Es gibt auf dem Ölhof insgesamt 19 KVF, wo etwa Öl-Tankanlagen, Pipelines oder Verladeeinrichtungen für Kesselwagen standen. Dort sollen nun Bodenproben entnommen und im Labor analysiert, parallel eine Kampfmittelsuche durchgeführt werden. „Die Ergebnisse werden in einer ersten Gefährdungsabschätzung münden, die die BImA zum Ende des Jahres erwartet und dann kurzfristig der zuständigen Umweltbehörde vorlegt“, erklärt Grützner.

Weitere Detailuntersuchungen möglich

Sollte sich der Verdacht auf „relevante Bodenkontaminationen“ erhärten, werden laut BImA-Sprecher weitere Detailuntersuchungen angeordnet. Erst wenn daraus eine Gefahrenlage erkennbar ist, wird sich die Bundesbehörde „ihrer Verantwortung stellen und die nachgewiesenen Altlastenflächen nachhaltig sanieren“.

Zusammengefasst: Mit ersten handfesten Ergebnissen zur Belastung des Ölhofs ist frühestens in einem Jahr zu rechnen, ein Ende der Erkundung aktuell nicht absehbar. Eine Beschleunigung der Erkundung ist laut BImA-Sprecher „aufgrund der klar geregelten Abläufe“ nicht möglich. Eher noch könnte sich das ganze Verfahren weiter verzögern: Denn sollten auf dem Ölhof tatsächlich Sprengmittel gefunden werden, müssen diese vorab geräumt werden.

von Anna Sprockhoff

Historie

Der Ölhof umfasst rund 90 Hektar und blickt auf eine mehr als 100-jährige Nutzungsgeschichte zurück. Mit dem Bau des ehemaligen Bauhofes wurde 1917 begonnen, um die Versorgung der Kriegsmarine mit Treibstoff durch Tanklager im Hinterland zu gewährleisten.

Es folgte der Ausbau einer Schienenanbindung nach Lüneburg. Die erste Öleinlagerung fand 1928 statt. Von 1946 bis 1948 wurde der Ölhof unter Aufsicht der britischen Militärregierung demontiert. Bis 1968 folgte die Enttrümmerung. Seit 1958 werden die Flächen durch die Zollhundeschule und die Bundespolizei als Übungsgelände genutzt.