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Matti Pannenbäcker (l.) und Richard Kaatz haben das Projekt WirGarten ins Leben gerufen, wollen damit sich und viele weitere Mitstreiter in Zukunft mit ökologisch und regional erzeugtem Gemüse aus Lüneburg versorgen. Foto: t&w

Gemüse-Genossenschaft: der alternative Weg zu Kohl und Kürbis

Lüneburg. Alles begann mit einer Frage. Matti Pannenbäcker arbeitete als Unternehmensberater auf einem Gemüsebaubetrieb, er beschäftigte sich mit biologischem und konventionellem Anbau, dachte über Gärten und Natur nach und stellte sich dabei immer wieder diese eine Frage: Wie könnte eine andere Art der Landwirtschaft aussehen? Inzwischen sind mehr als zwei Jahre vergangen und der 25 Jahre alte Lüneburger hat gemeinsam mit dem Umweltwissenschaftler und Biogemüsegärtner Richard Kaatz eine Antwort darauf gefunden: Sie gründen am Freitag, 3. März, einen „Wir-Garten“, die erste Gemüse-Genossenschaft in und aus Lüneburg.

Einmal pro Woche frische abholen

Das Prinzip des alternativen Einkaufmodells ist das der solidarischen Landwirtschaft: Eine Gruppe Menschen trägt gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb und wird im Gegenzug mit den erzeugten Lebensmitteln versorgt. Wie das beim „WirGarten“ ganz konkret aussehen soll, haben Pannenbäcker und Kaatz in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet, für ihr Projekt ein detailliertes Konzept erstellt. Rund 30 Mitstreiter haben sie inzwischen gewonnen, 300 Personen wollen sie mal mit biologisch erzeugtem Gemüse versorgen.

Und so funktioniert der „WirGarten“: Wer mitmachen will, zeichnet für mindestens 100 Euro Genossenschaftsanteile. „Dann schließt man einen Erntevertrag und wählt je nach Bedarf einen Ernteanteil zwischen 30 Euro (Größe S) und 75 Euro (Größe XL)“, erklärt Matti Pannenbäcker. Abholen kann man sein Gemüse einmal wöchentlich an einem bestimmten Ort. „Was es gibt, entscheidet die Jahreszeit.“ 35 verschiedene Kulturen sollen angebaut werden.

Öko-Gemüse frühestens in zwei Jahren

Wo der „WirGarten“ in Lüneburg wachsen soll, kann das Gründungs-Duo mit Sicherheit noch nicht sagen. „Wir stehen aktuell in Pachtverhandlungen“, verrät Pannenbäcker. Ein Wermutstropfen dabei: Bei den sechs bis acht Hektar handelt es sich um Land, das bisher konventionell bewirtschaftet wurde. „Das heißt, wir können dort frühestens nach der vorgeschriebenen Umstellungszeit von zwei Jahren Öko-Gemüse ernten.“ Da der Wir-Garten aber erst 2018 das erste Mal geerntet, 2017 noch zum Aufbau der Genossenschaft genutzt werden soll, „würden wir das Land in diesem Jahr nur mit Pflanzen zur Gründüngung und nicht zur Ernte bestellen“, erklärt Richard Kaatz. „Das heißt, wir würden lediglich ein Jahr lang Umstellungsware ernten.“

Bewirtschaften sollen den „WirGarten“ zwei gelernte Gärtner. „Die Genossenschaftsmitglieder können mithelfen, müssen aber nicht“, betont Kaatz. Doch auch wer nicht mitsät, jätet und erntet, weiß genau, woher sein Gemüse kommt und wie es erzeugt wurde. „Und genau das wollen immer mehr Menschen“, glaubt der 34-Jährige.

Gutes muss keine lange Reise zurücklegen

Auf der Internetseite des Projektes verraten die ersten Mitstreiter bereits, warum sie dabei sind. Zu lesen sind dort Sätze wie: „Gutes muss nicht um die halbe Welt verschifft werden, sondern kann auch in unseren Gärten wachsen.“ „Wir freuen uns, unserer Tochter zu zeigen, wo und wie unser Essen angebaut wird.“ Oder kurz und knapp: „Du bist, was du isst.“

Vor der Gründungsveranstaltung informiert das „WirGarten“-Team noch zweimal öffentlich über sein Konzept: Am Sonntag, 5. Februar, ab 15.30 Uhr im Wasserturm sowie am Sonntag, 19. Februar, ab 15.30 Uhr in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, Bei der St. Johanniskirche 3. Mehr Informationen gibts unter www.WirGarten.com.

von Anna Sprockhoff

Weitere Projekte in der Region

Der Hof Tangsehl bei Dahlenburg setzt ebenfalls auf das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft, produziert neben Milchprodukten auch Gemüse, Eier und Fleisch. Aktuell besteht die dortige Hofgemeinschaft aus 189 Mitgliedern, versorgt werden 250 Personen. Für die Produkte gibt es ebenfalls Abholstationen in Lüneburg (mehr Infos: www.tangsehl.de).

Im Aufbau befindet sich zudem ein weiteres Projekt der solidarischen Landwirtschaft in Lemgrabe bei Dahlenburg. Dort ist die gemeinsame Lebensmittel-Erzeugung Bestandteil eines generationsübergreifenden Wohnprojektes, das derzeit auf dem Hof Petersen entwickelt wird (Kontakt: sabine.fink@hof.leben.de).

2 Kommentare

  1. „Schlimmer als Guantanamo? ‚Lange Nacht der Facharbeiten‘ in der Ratsbücherei“
    (Lokales, Fr. 3.2., Seite 6)

    Weit über die Hälfte des Artikels sucht der irritierte Leser den Zusammenhang zwischen studentischer Literaturrecherche und einem Gefangenenlager, das jeglicher Menschenrechte enthoben wurde und in dem nachgewiesenermaßen Foltermethoden ausgeübt werden, die mit denen, in der Ratsbücherei mit nichts gleich zu setzen sind.

    Ich möchte anmahnen, journalistisch hier nicht etwas in Vergleich oder in vergleichende Nähe zu bringen, was sowohl das eine ent- und das andere aufwertet. Dies führt zu einer beschönigenden und keineswegs belustigenden Nivellierung.

    Der eigentliche Inhalt des Artikels wird i. Ü so kaum noch wahrgenommen.