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Sabine Wohlers, Geschäftsführerin des Trägervereins Wasserturm, und Wolfgang Graemer setzen die Kirchturmspitze auf das Modell der St.Johanniskirche, das im 3D-Druck erstellt wurde. Foto: phs

Dauerausstellung im Wasserturm: Lüneburg um das Jahr 1700

Lüneburg. Der Wasserturm steht bei Besuchern hoch im Kurs. Rund 90 000 kommen jedes Jahr, um einen Blick von der Aussichtsplattform über die Stadt zu werfen, Veranstaltungen oder die Dauerausstellung „Das blaue Gold“ zu besuchen. Letztere wird zurzeit deutlich erweitert. Dazu gehört auch ein Stadtmodell von Lüneburg um 1700, das per 3D-Druck erstellt wurde. Das letzte Teil, der Turm der Johanniskirche, wurde am Wochenende im Rahmen einer Aktion mit dem Verein FabLab gedruckt.

Modell im Maßstab 1:320

Die Idee zu dem Stadtmodell um 1700 hatte der bekannte Lüneburger Lichtkünstler Wolfgang Graemer, der nicht nur in Sachen Beleuchtung immer wieder mit dem Wasserturm zusammengearbeitet hat, sondern auch die neue Ausstellungskonzeption unterstützt. „Die Stadtbefestigung war zu jener Zeit am weitesten ausgebaut“, sagt er mit Blick auf das Modell. Es zeigt den Roten Wall, der von der heutigen Roten Straße hin zum Mühlenviertel führte, wo heute die Ratswasserkunst ihren Standort hat, und von dort zog sich der Stadtwall weiter um die Stadt. Grae­mer zeigt auf einen Stadtturm, der sich einst an der Stelle befand, wo 1907 dann der Wasserturm entstand. „Er war direkt an den Roten Wall gebaut, so dass man vom Wall direkt in die Ebene 2 des Turms gelangte und von dort auf die Galerie“, berichtet Sabine Wohlers, Geschäftsführerin des Trägervereins des Wasserturms. Ende der 1960er-Jahre sei dann der Rote Wall im Zuge des Baus der Nordlandhalle abgerissen worden, so Graemer.

Rund 300 Stunden Arbeit hat Graemer in das Stadtmodell investiert, das die Johanniskirche, die einstigen Stadttore des Altenbrückertors und Häuser im Maßstab 1:320 zeigt. 30 Zentimeter groß ist zum Beispiel das Modell der St. Johanniskirche, die real 107 Meter misst und damit fast doppelt so hoch ist wie der Wasserturm. „Transparent integriert, weil nach 1700 entstanden, wurden zum Beispiel das Gemeindehaus, die Pastorenhäuser, die es inzwischen nicht mehr gibt, sowie der Wasserturm und das Museum, um den Besuchern die Orientierung zu erleichtern“, sagt Graemer.

Unterstützung durchden Verein FabLab

Für das Modell hat Graemer das Know-how und die Unterstützung des Vereins FabLab genutzt. FabLab steht für „Fabrication Laboratory“ und ist eine offene Werkstatt, in der Tüftler an ihren technischen Ideen arbeiten. Unter anderem sind sie Spezialisten für 3D-Druck. Bei Benjamin Koch und anderen Mitgliedern des Vereins konnten sich die Besucher am Wochenende informieren, wie die dreidimensionalen Gebäude des Stadtmodells entstanden sind. Dazu wurde zum Beispiel von der St. Johanniskirche eine Skizze auf den Computer übertragen. „Diese wird dann per Software in einzelne Layer (Ebene) zerschnitten. Mit einer weiteren Software werden dann die einzelnen Ebenen wieder schichtweise zusammengesetzt“, erläutert Benjamin Koch. Für den Aufbau wird PLA genutzt, ein biologisch abbaubarer Kunststoff, der über eine Düse geleitet wird, die dann die einzelnen Ebenen aufeinander setzt. Im Rahmen der Aktion konnten sich Interessierte darüber informieren, wie vielfältig 3D-Druck eingesetzt wird. So nutzen die Vereinsmitglieder dieses Verfahren auch, um mechanische Teile zum Beispiel für Küchengeräte nachzubauen, die sonst nicht mehr auf dem Markt zu erhalten sind.

Das Stadtmodell können Besucher erstmals bei der Ausstellungseröffnung am Freitag, 17. Februar, in Augenschein nehmen. „Dann wird es dazu ergänzend auch eine Übersicht mit Erläuterungen zu den einzelnen Gebäuden geben“, sagt Sabine Wohlers.

Von Antje Schäfer