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Probleme bei Starkregen sind westlich der Bundesstraße 4 in Melbeck keine Seltenheit. Die Gemeinde will das Problem nun angehen. Foto: t&w

Melbeck will Kanalnetz untersuchen und ausbauen lassen

Melbeck. Der Punkt, der die Zuhörer wohl am meisten interessierte, wurde am Ende hinter verschlossenen Türen diskutiert: „Weil wir auch über Geld sprechen müssen“, erklärte der Melbecker Bauausschuss-Vorsitzende Karsten Fuhrhop (BLI) — „über Angebote von Firmen“. Das grundsätzliche Problem allerdings wurde schon während des öffentlichen Teils der Sitzung deutlich: Große Teile Melbecks haben ein ernstes Problem mit dem Regenwasserkanal. Bei Stark­regen drückt es Gullydeckel hoch, Straßen und Grundstücke werden in Minutenschnelle geflutet. Jetzt will die Gemeinde Abhilfe schaffen. Während der Sitzung stellten zwei Büros ihre Konzepte vor — Thomas Meyer von der Purena und Ulrich Beußel vom gleichnamigen Ingenieurbüro.

Probleme mit dem Regenwasser gibt es vor allem westlich der Bundesstraße 4, „vom Feuerwehrhaus angefangen bis zur Straße Am Voßberg“, umriss Bürgermeister Klaus Hübner (CDU) das Untersuchungsgebiet. Dass die Bewohner der Häuser westlich der B4 bei starken Regengüssen immer häufiger „Land unter“ melden müssen, wundert Thomas Meyer nicht. Für Voruntersuchungen zur Abgabe seines Angebotes hatte der Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der Purena bereits Erstaunliches festgestellt: „Das Riesen-Problem besteht darin, dass ein Regenwasserkanal gebaut wurde, den man so nicht plant.“

„Das kann nicht funktionieren“

So entdeckte er unter anderem einen Kanal, in dem die Rohre in einem 260-Grad-Winkel abzweigen. „Versuchen Sie mal mit dem Auto eine 260-Grad-Kurve zu fahren, da knallen Sie gegen die Wand.“ Ähnlich verhalte es sich auch mit den Wassermengen, die bei Starkregen durch den Kanal rauschen: „Das kann nicht funktionieren.“

Wohl nicht das einzige Problem — und nur schwer zu beiseitigen, weil niemand so recht weiß, wie und wo große Teile des Regenwasserkanals langlaufen. „Das ist eine hydrologische Katastrophe“, sagt Ausschuss-Vorsitzender Fuhrhop, „es gibt für weite Teile des Kanalnetzes keine Pläne.“

Das freilich will die Gemeinde jetzt ändern. So, wie die Samtgemeinde für den Schmutzwasserkanal ein Kataster erstellt hat, will die Gemeinde Melbeck auch ein Kataster für den Regenkanal aufstellen.

Überstau hat auch Folgen für den Schmutzwasserkanal

Das größte Problem sieht Karsten Fuhrhop allerdings in der Beantwortung der Frage, mit welcher Niederschlagsmenge die Ingenieure kalkulieren sollen, damit sich einerseits Überflutungen wie in der Vergangenheit möglichst nicht mehr wiederholen, andererseits die Ertüchtigung des in Teilen verbauten Kanals aber noch im finanziellen Rahmen bleibt. Denn eines ist auch den Mitgliedern des Fachausschusses klar: Jedes Überstau-Ereignis hat auch Folgen für den Schmutzwasserkanal. Denn wenn der Regenkanal die Wassermengen nicht mehr halten kann, suchen sich die Fluten einen anderen Weg — eben auch in den Schmutzwasserkanal. Und von dort schlimmstenfalls in Häuser, die über keine Rückstauklappe verfügen.

Einstimmig sprach der Ausschuss in einem weiteren Tagesordnungspunkt die Empfehlung aus, die Gemeindestraße „Hohe Luft“ zu sanieren. „Die Fahrbahn ist wirklich renovierungsbedürftig“, stellte Fuhrhop fest. Das Ingenieurbüro Beußel stellte drei unterschiedlich teure Möglichkeiten vor — vom kostengünstigen Abfräsen und anschließendem Aufbringen einer neuen Asphaltschicht (90.000 Euro) bis zum deutlich teureren Komplettausbau einschließlich des Gehwegs für 261.000 Euro. Überzeugt zeigten sich die Ausschussmitglieder aber von der Variante zwei, bei der die Straße zwar von Grund auf erneuert wird, der Gehweg aber bis auf einige Reparaturen nicht angefasst wird. Die Kosten belaufen sich auf 168.000 Euro.

Von Klaus Reschke