Mittwoch , 26. September 2018
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Trotz Überwachungskameras: Ladendiebstahl richtet im Einzelhandel hohen Schaden an. Doch sprechen möchten die wenigsten Händler über das Thema. Foto: nh

Ladendiebstahl nimmt in Lüneburg zu

Lüneburg. Es ist ein Thema, über das viele Händler nicht so gerne reden: Ladendiebstähle passieren oft unbemerkt, vielen fällt erst bei der Inventur auf, dass Diebe am Werk gewesen sein müssen. Auch in Lüneburg wird viel geklaut: Laut einer bundesweiten Studie des Online-Portals „billiger.de“ gehört Lüneburg bei den Diebstählen sogar zu den „TOP 10 der gefährlichsten Landkreise“.

Unter den „100 gefährlichsten Städten Deutschlands“ taucht die Hansestadt dagegen nicht auf. Pressereferent Thomas Neubert nennt den Grund: „Wir haben Daten des Bundeskriminalamtes verwendet. In dieser Statistik kommt Lüneburg als kleine, nicht-kreisfreie Stadt nicht vor.“ Dafür seien die Delikte aus der Hansestadt in die Statistik der Landkreise miteingeflossen – mit dem Ergebnis, dass Lüneburg dort mit 845 Diebstählen im Jahr 2015 auf Platz 8 der sogenannten gefährlichsten Landkreise landet.

Bandbreite bei den Tätern ist sehr groß

Ladendiebstahl ist ein alltägliches Delikt, taucht regelmäßig im Lüneburger Polizeibericht auf. Einen aktuellen Fall melden die Ordnungshüter von Mittwoch: Ein Ladendetektiv habe in den Mittagsstunden in einem Bekleidungsgeschäft an der Glockenstraße einen 47 Jahre alten Mann dabei erwischt, wie er versuchte, insgesamt sieben Jacken im Gesamtwert von mehr als 900 Euro in einer Tüte aus dem Geschäft zu schmuggeln.

Kai Richter, Pressesprecher der Polizei, sieht die Statistik dennoch gelassen. Aus seiner Sicht ist „Lüneburg sicher keine Hochburg“. Zwar seien auch hier in der Vergangenheit vermehrt Diebesbanden unterwegs gewesen, einige Täter habe man aber in einem beschleunigten Verfahren – die sogenannte Hauptverhandlungshaft – vor Gericht stellen können.
Nach wie vor sei die Bandbreite bei den Dieben sehr groß. „Da ist vom Senior, der im Baumarkt einen Akku-Schrauber mitgehen lässt, bis hin zu Jugendlichen, die Kosmetik oder Spielsachen klauen, alles dabei“, berichtet der Hauptkommissar. Gerade bei Ladendiebstählen gebe es zudem eine sehr hohe Dunkelziffer. „In der Statistik tauchen ja nur die Straftaten auf, die auch zur Anzeige gebracht wurden. Das hängt natürlich immer davon ab, inwieweit die Händler ihre Ware gesichert oder in entsprechendes Personal investiert haben.“

Organisierte Gruppen fallen weniger auf

Sehr gute Erfahrungen mit dieser Strategie hat der Edeka-Markt Tschorn am Sande gemacht. „Viele denken, das klappt, und sie könnten unbemerkt etwas einstecken. Aber wir können über unsere Videokameras alles nachverfolgen. Die Täter werden beim zweiten Mal wiedererkannt“, erzählt Geschäftsführerin Katrin Wellmann, die auf viele feste Mitarbeiter in ihrem Laden setzt, um entsprechende Präsenz zu zeigen. Zugenommen hätten die Diebstähle aber nicht, sie seien hinsichtlich der Beute eher gezielter geworden, zum Beispiel bei den hochwertigen Spirituosen. „Da merken wir aber auch sofort, wenn etwas fehlt und gucken, ob die Flasche durch die Kasse gegangen ist oder ob sie eventuell jemand einfach so mitgenommen hat.“

Auch andere Einzelhändler in der Stadt sehen keine Zunahme bei Ladendiebstählen. „Vereinzelt kommt das natürlich mal vor, aber es war bislang noch nicht mal Thema bei uns“, sagt Heiko Meyer vom Lüneburger Citymananagement. Bei den Diebstählen seien in der Vergangenheit häufiger organisierte Gruppen aufgefallen, die jeden Tag in einer anderen Stadt unterwegs seien. „Ansonsten passiert da aber nicht viel“, laute die Meinung der Kaufleute, die durch das LCM vertreten werden.
Aber nicht jeder Händler spricht auch gerne über das Problem: „Zum Thema Ladendiebstahl äußert sich Rossmann grundsätzlich nicht. Nur so viel vielleicht: Jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht“, heißt es in einer E-Mail-Antwort der Drogeriekette. Auch andere große Firmen, die in Lüneburg ihre Filialen haben, wollten zu diesem Thema lieber nichts sagen.

Von Manuela Gaedicke

Diebstähle im Kreis Lüneburg

  • 2012: 772
  • 2013: 668
  • 2014: 751
  • 2015: 845
  • 2016: 833

    *Quelle: Polizei

Gefährlichste Landkreise Deutschlands*

1. Gießen (Hessen)

2. Oder-Spree (Brandenburg)

3. Lörrach (Baden-Württemberg)

4. Konstanz (Baden-Württemberg)

5. Zollernalbkreis (Baden-Württemberg)

6. Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen)

7. Görlitz (Sachsen)

8. Lüneburg (Niedersachsen)

9. Minden-Lübbecke (Nordrhein-Westfalen)

10. Kleve (Nordrhein-Westfalen)

*Quelle: billiger.de, ausgewertet wurden die Straftaten aus 2015 je 100 000 Einwohner