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Entspannt lächelt Andrea Schröder-Ehlers, die seit 2008 Mitglied des niedersächsischen Landtags ist, nach ihrer Kandidatenkür in die Kamera. Foto: t&w

Schröder-Ehlers SPD-Kandidatin für Landtagswahlkampf

Lüneburg. Er saß ihr im Nacken. Spökenkieker mögen schon in der Sitzordnung bei der Wahlkreiskonferenz der SPD zur Kür des Landtagskandidaten ein Omen gesehen haben. In der ersten Reihe die amtierende Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers. Direkt dahinter Konkurrent Friedrich von Mansberg. Genau so knapp fiel das Ergebnis aus: 21 votierten für Schröder-Ehlers als Direktkandidatin im Wahlkreis Lüneburg. 18 für von Mansberg. Es gab eine Enthaltung. Entschieden haben Delegierte aus den Ortsvereinen Lüneburg, Bardowick, Gellersen und Amelinghausen im Kunstsaal im Lünepark. Schröder-Ehlers hat also zwei Aufträge, Vertrauen zurückgewinnen und Wahl gewinnen.

Versammlungsleiterin Hiltrud Lotze lobte die faire Auseinandersetzung in den vergangenen Wochen. „Jetzt geht es los. Wir wollen in eine Richtung marschieren, dabei setze ich auf Eure Unterstützung“, schwor sie ein.
In ihrer Bewerbungsrede machte Andrea Schröder-Ehlers deutlich, dass die SPD mit dem neuen Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Aufwind sei. Diesen Aufschwung wolle man für die Landtagswahl mitnehmen. Schulz spreche ihr aus dem Herzen, wenn er soziale Gerechtigkeit wieder zum Schwerpunktthema mache. Wie man Dr. Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU im Landtagswahlkampf, besiegen könne, „haben wir in der Region bewiesen“.

Soziale Gerechtigkeit ist der Schwerpunkt

Die SPD-Politikerin erinnerte selbstbewusst daran, dass sie ihre Ergebnisse immer gesteigert habe. In Hannover habe Rot-Grün viel erreicht, unter anderem seien 12000 Kitaplätze geschaffen worden, G9 wieder eingeführt und die Studiengebühren abgeschafft, ein soziales Wohnungsbauprogramm aufgelegt worden und die Innere Sicherheit durch mehr Polizisten gestärkt worden.

Mit Blick nach vorne gehe es nun darum, die Lebensbedingungen weiter zu verbessern. Dazu gehöre die Abschaffung der Kita-Gebühren, der Ausbau des sozialen Wohnungsbauprogramms, die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und Pflege, die Sanierung von Straßen und Brücken, Verbesserung des ÖPNV, Ausbau der Breitbandversorgung. „Außerdem brauchen wir einen neuen kommunalen Finanzausgleich. Hier darf nicht Mangel verwaltet werden.“

Große Sorgen bereite ihr der Rechtspopulismus. „Mit dem Neustart von Martin Schulz und dem Schwerpunkt soziale Gerechtigkeit werden wir die AfD unter fünf Prozent drücken.“ Schröder-Ehlers versprach den Genossen: „Mit meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk will ich den roten Wahlkreis wieder erobern.“

Ihr Kontrahent Friedrich von Mansberg hielt entgegen: „Wir hier aus der Region Lüneburg sind nicht gut gehört, nicht gut vertreten worden in Hannover. Wir bleiben nur dann ein roter Wahlkreis, wenn wir mit unseren Themen durchdringen.“ Er wolle eine laute, engagierte Stimme für die Region in Hannover sein. In den vergangenen Monaten habe er viele „Zukunftsgespräche“ innerhalb der Partei und mit Bürgern geführt, dabei erfahren, was den Menschen auf den Nägeln brennt. Für diese Themen wolle er sich stark machen. Ausgangspunkt für alles dabei sei mehr soziale Gerechtigkeit.

Herausforderer wollte laute Stimme für Region sein

Als Abgeordneter werde er sich unter anderem energisch dafür einsetzen, „dass hier die Unterrichtsversorgung besser wird“. Ähnliches gelte für die Schulsozialarbeit. Als stellvertretender Intendant des Lüneburger Theaters habe er in den vergangenen Jahren intensiv für eine auskömmliche Finanzierung gekämpft. Doch die reiche bei weitem noch nicht, wenn eine faire Bezahlung der Mitarbeiter gewährleistet sein solle, „ein Stück soziale Gerechtigkeit“.

Um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, müssten die Kommunen dauerhaft finanziell besser ausgestattet werden, betonte auch von Mansberg. Er stehe für eine schrittweise Gebührenfreiheit der Kitas, doch die Kommunen dürften nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Wichtig sei es auch, dass die Integration von Geflüchteten gelinge, ohne dass Bürger das Gefühl bekommen würden, es ginge zu ihren Lasten. Ein klares Bekenntnis zur A39, ein klares Nein zu mehr Güterverkehr auf der jetzigen Trasse im Rahmen der Alpha-E-Variante. Empört zeigte er sich erneut über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wie jüngst von einem Vertreter der AfD im Rat geäußert. „Die sind auch hier vor Ort kein bisschen harmlos, wir werden uns mit allen demokratischen Mitteln zur Wehr setzen müssen.“

Doch am Ende quittierte Mansbergs Appell an die Genossen, mit ihm gemeinsam für das Lüneburger Land und die SPD zu kämpfen, eine knappe Mehrheit mit Nein.

Von Antje Schäfer

19 Kommentare

  1. Sehr geehrter Ratsherr von Mansberg,

    Was mich bei den Protagonisten solcher Veranstaltungen immer wundert, ist die schamlose Anbiederung an die gemutmaßten Partikularinteressen der Bürger eines bestimmten Wahlkreises.

    Steht eifernde Klientelpolitik dieser Art nicht in krassestem Widerspruch zum Verfassungsgebot, das „ganze Volk“ des (zumindest ganzen Bundes-)Landes zu vertreten?

    In der Niedersächsischen Verfassung vom 19. Mai 1993 heißt es in Artikel 12 über die Rechtsstellung der Mitglieder des Landtages:

    „Die Mitglieder des Landtages vertreten das ganze Volk. Sie sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“

    MfG, Tim Wolff

    • Tim Wolff
      sie wundern sich? warum? es bedarf einer bestimmten grundsuppe, die dafür sorgt, dass derjenige oben schwimmen kann. dieses klappt nur als sieger im eigenen wahlkreis, oder über einen netten listenplatz, der mit demokratie ,sehr wenig, mehr mit seilschaften, zu tun hat. da müssen geschenk-androhungen nun mal ran. sonst klappt es nicht.

    • „Die Mitglieder des Landtages vertreten das ganze Volk.“

      Selten so gelacht!

    • Hallo Herr Dr. Mansberg, sind Sie denn nu wenigstens auf einem SPD Listenplatz für den Landtach oder gibt es für Sie keine Möchlichkeit mehr Frau Schröder-Ehlers und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Wahl zu überholen? Oder treten Sie wirklich auch noch gegen Frau Lotze als Mitbewerber für die Nominierung zum Bundestachskandidaten an? Da sach ich Ihnen auf alle Fälle toi, toi, toi!

  2. Woher die maßlose Verächtlichkeit, Maria und Klaus Bruns?

    Nur Menschen, die – tendentiell oder tatsächlich – populistische Parteien wählen, in denen man eigene Meinungen an lautstarke Mehrheiten abgibt, erwarten, dass Politiker alle ihre Probleme lösen. Nicht ohne Grund nannten alle die, die heute „Merkel muss weg“ brüllen, ihre Kanzlerin lange Jahre „Mutti“. Das Unbehagen an der liberalen Welt kommt auch aus einer geringen Enttäuschungsresistenz. Aber erst der liberale, zur Freiheit fähige Charakter wäre jene Grundlage der freiheitlichen Verfassung, über die oft viel zu kollektivistisch nachgedacht wird. Wutbürger und sich als „abgehängt“ oder „besorgt“ definierende Zeitgenossen regredieren ins Infantile von Geschrei und Gejammer. Freiheit beginnt mit erwachsenem Verhalten, beispielsweise schon beim abendlichen Posting im sozialen Netzwerk. Es hilft nicht, die Schuld immer bei den anderen zu suchen. Das ist die kühle pädagogische Auskunft von Hans-Herbert Jenckel in seinem alten Blog an neuer Stelle. Sie verdiente durchaus ausführlichere Behandlung:

    https://jj12.wordpress.com/2017/02/05/rat-will-lz-an-kandare-nehmen/

    • Aber nicht doch Tim Wolff, darf ich ihr Alter schätzen? ich tu es geheim, schmunzel. Ihr Zitat:„Die Mitglieder des Landtages vertreten das ganze Volk. Sie sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“
      Wenn Sie das glauben, glauben Sie auch an Wahlversprechen und daran, dass es in Parteien immer demokratisch zugeht. Sie vergessen Seilschaften. Manchmal reicht auch schon ein Ehemann in der gleichen Partei. Schmunzeln. Waren Sie auch schon mal als Parteimitglied in drei Parteien? Was meinen Sie , wie oft gibt es bei der Meinung einer Partei und bei deren Wählern Irrtümer in der kausalen Verknüpfung? Glauben Sie tatsächlich, dass wir von ehrenamtlichen Volksvertretern, die nicht einmal die meisten Wählerstimmen hinter sich vereinen , dank einer öminösen Liste, uns ,,wertneutral,, vertreten? Herr Jenckel wurde hier schon angebetet. Ihn als Lehrmeister hinzustellen, geht mir persönlich zu weit. Ich nehme an, ihm auch. Das Wort Wutbürger wird mittlerweilen inflationär missbraucht.

      • Franziska Becker

        In meinem »English Film and Conversation Club« sahen wir zuletzt »Before Sunset«. Nach dem Anschauen schwelgen die meisten der anwesenden Damen in Überlegungen, ob July Delpy und Ethan Hawke, die sich zufällig in Paris wiedertrafen, neun Jahre nach einer verzauberten Nacht, ob die sich nun endlich bekommen werden, obwohl das Taxi, das Ethan, alias Jesse, zum Flugzeug zurück nach Amerika bringen soll, schon längst mit leise schnurrendem Motor vor dem Haus bereitsteht. Alle hoffen, daß die beiden nun die Entscheidung für ein gemeinsames Leben in der Dachwohnung treffen werden. Der Mann in der Runde aber wirft die Frage auf, ob der Taxifahrer wohl immer noch unten warten muß.

        In dieser plumpen Chauvimanier auch Sie hier wieder, Herr Bruns. Warum lassen Sie den jungen Leuten nicht Ihre romantische Sehnsucht nach Vorbildern und Heldenverehrung? Michèl Pauly himmelt Oskar Lafontaine an, Gunter Runkel die Sahra Wagenknecht, Niels Webersinn schmeichelt sich mit der Gunst von Bernd Althusmann, Friedrich von Mansberg schätzt Sigmar Gabriel und Tim Wolff verehrt eben Hans-Herbert Jenckel. Warum wollen Sie unseren jungen Hoffnungen ihren Schwung und ihren Schwarmgeist nehmen, indem Sie deren Ideale bemängeln?

        • Ideale bemängeln?
          wie kommen sie darauf? wenn menschen es schaffen ihr lebenlang ihre ideale zu leben und zu behalten, wäre es doch schön. wenn es nicht immer das erwachen gäbe. um so schöner die ideale, um so schlimmer das erwachen. realisten wissen das. ich hatte ja schließlich auch mal träume.

  3. Werner Schneyder

    Ich verstehe nicht die Aussage, nun sei soziale Gerechtigkeit wichtig. Ist die SPD nicht an der Regierung? Hat man nicht gerade einen Agenda 2010 Befürworter zum Bundespräsidenten gewählt?

    • Ziehtat: Hat man nicht gerade einen Agenda 2010 Befürworter zum Bundespräsidenten gewählt?

      In Lüneburg? Sie mein einen Agenda 2010 Befürworter zum Leufanahpräsidenten gewählt. Nich? Das is alles linksrechtsversiffte plüschtierwerfer Mischpohke. Lehrer wolln den umsturz von den Verhältnisse am Markt Plaz. Allesamt. Poller für sozial Gerechtigkeit? Das ich nicht lache! Maasanzüge und teure Zigarren und im Rathause über Sex erzehlen. So sehn sich die Alternativen von heute am liebsten für gans Deutschland. Stricken und über Was vernünnftiges nachgrübeln macht ja nicht mal mehr der Tump. keifen wie die Petri und dabei Honnorare in billiges Gold eintreichen das ist das Ideal von Peter Graf und ulli Winterkorn bis hin nach China. globalität. Wo giebts was billiger wie hier? Dann renn se.

  4. Vielleicht müssen Frau Schröder-Ehlers und Herr von Mansberg den Delegierten aus den Ortsvereinen Lüneburg, Bardowick, Gellersen und Amelinghausen im Kunstsaal im Lünepark gegenüber erstmal so tun, als würden sie sich an Aufträge und Weisungen von denen Abgesandten gebunden fühlen, als da sind die Abschaffung der Kita-Gebühren, der Ausbau des sozialen Wohnungen, die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und Pflege, die Sanierung von Straßen und Brücken, die Verbesserung des ÖPNV, der Ausbau der Breitbandversorgung, die Einstellung von Lehrern der neue kommunale Finanzausgleich, der unbedingte Ausbau der Autobahn A39 und die Aufstockung der Theaterzuschüsse, damit da wieder Luft zum Atmen und Vortragen ist? Schon mal drüber nachgedacht? Vielleicht würden sie sonst gar nicht erst von den ollen dörflichen Brassköppen auf ihre Aussichts reiche Kandidatenposition hinauf nominiert werden? Und vielleicht werden sie dann später, wenn sie zuletzt im Landtag drinne sind, das ganze Volk vertreten und nur ihrem Gewissen folgen? Undenkbar? Muss hier immer gleich von Fett schwimmt oben und so gehechelt werden? Wie soll man denn einen frischen jungen Menschen heute zu Tage noch motivieren, in ein dunkles Clubjackett zu schlüpfen und den Vereinsvorsitz zu übernehmen und sich in den Haifischbecher der politischen Dramaturgie zu stürzen? Ein wenig rücksichtsvoller beim super scharfen Raushauen von übertriebenen Meckerkommentierungen wäre gegebenen Falles mal wie ein heilsames Fassen an die eigene lange Erwartungsnase zu begreifen!!!

    • Die einen lügen und die anderen wollen belogen werden. Ist das Ihre Diagnose? Wenn das die Realität sein soll, ist es eine traurige Realität.

  5. Dörte Luise Tröger

    Was wird jetzt aus Friedrich von Mansberg? Am Theater wechseln alle vier, fünf Jahre Intendanten, Regisseure und Chefdramaturgen, damit das künstlerische Konzept nicht zur Routine erstarrt. Das ist normal und muss auch so sein. Aber, Herr von Mansberg, ist die Ensemble-Auflösung beim gewiss notwendigen regelmäßigen Wechsel des Leitungspersonals nicht eine Unsitte?

    Auch in diesem Jahr standen und stehen überall Intendanten-, Regie und Dramaturgenwechsel an: An der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, am Berliner Ensemble, damit einhergehend am Schauspiel Frankfurt und damit einhergehend am Schauspielhaus Bochum, wo eine Interimsspielzeit bevorsteht, wenn Anselm Weber nach Frankfurt wechselt. Worüber bei allem Streit weithin Einigkeit herrscht, ist der Brauch, dass mit Intendantenwechseln üblicherweise die bestehenden Ensembles aufgelöst werden. Die Schauspieler verlieren ihre künstlerische Heimat – wenn sie Glück haben, können sie mit dem Intendanten mitziehen. Das ist in Berlin nicht der Fall, da sowohl Claus Peymann (BE) als auch Frank Castorf (Volksbühne) kein anderes Theater leiten werden.

    Es gehört zum Berufsbild des Schauspielers, dass seine soziale und berufliche Existenz der künstlerischen Entfaltungsfreiheit von Intendanten und Dramaturgen untergeordnet ist. Oft ist dies auch von Schauspielern so gewollt. Sie möchten nicht gebunden und von einem Theater absorbiert werden – sie wollen mit anderen Regisseuren arbeiten, an anderen Häusern gesehen werden, ihren Marktwert bei Film- und Fernsehen aufbessern. Auch der Anspruch, andere performative Kunstformen anzubieten oder die Genregrenzen zur bildenden Kunst, zur Musik, zum Tanz zu erweitern, schlägt sich in den Stellenplänen der Schauspielensembles nieder.

    Damit wird der traditionelle Ensemble-Gedanke immer mehr perforiert. Die Vielfalt des deutschsprachigen Theaters – sie wird im Frühling für die Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes vorgeschlagen – mag sich der kleinstaatlichen Struktur Deutschlands im 17. und 18. Jahrhundert verdanken; mit Leben erfüllt wurde diese Struktur durch die Ensembles. Sie sind das Herzstück auch des Lüneburger Theaters. Im Ensemble lernen die Schauspieler einander über einen längeren Zeitraum hinweg bei den Proben, bei Erfolgen und Misserfolgen kennen, sie sammeln gemeinsame Erfahrungen mit Regisseuren und ihrem regional verankerten Publikum, sie können ihre Spielweise verfeinern, müssen die künstlerische Suche nicht bei jeder Arbeit am Nullpunkt beginnen.

  6. Gehaltsexzesse, lügende Konzernlenker, Betrug – Volkswagen erlebt eine schwere Krise. Davon berührt wird auch die Politik, denn mit VW hat in Niedersachsen alles und jeder zu tun. Das ist das Problem.

    Merkwürdig, dass weder Schröder-Ehlers noch von Mansberg ein Wort darüber verloren haben, was mit ihren kostspieligen Ansprüchen und „Projekten“ geschieht, wenn diese Geldquelle versiegt.

    Siehe: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-wie-vw-tief-in-den-abgasskandal-rutschte-a-1133980.html

    Gerfried Krüger

    • Auch warum die „Sparkassen-Halle Lüneburger Land“ jetzt doch nicht mit dem beifällig aus Hannover herüberwinkenden Wohlwollen von Herrn Olaf Lies „realisiert“ wird, obwohl es monatelang vor dem Absagedebakel von OB Mädge und seinem Trabanten Nahrstedt immer wieder hieß, so günstig komme Herr Hoppe nie wieder an ein unterirdisches Riesenparkhaus mit draufgesatteltem Event-Betrieb, wird von den beiden eloquenten Kandidaturenkandidaten leider nicht näher erläutert.

      Dazu: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/385282-arena-lueneburg-zurueck-auf-start

      • Die Sparkassen-Arena Lüneburger Land? War das denn bloß eine Stadt-Land- und nicht auch eine Stadt-Bund-Europa-Kooperative?

        Ja, woran „diese absolute Alternativlosigkeit“ unserer beiden Ober-Geheimagenten (wie kurz zuvor schon ihr vielbeschworenes „Symbol der Einheit“, die Neuhauser Elbbrücke selig) dann so völlig überraschend gescheitert ist, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel dubios verwirrter diplomatischer Verwicklungen. Vielleicht hatte das mit dem vorzeitigen Sichtbarwerden einer weiteren heiteren, von Herrn Jenckel so getauften und für lehrbuchwürdig befundenen (Sonnabend, 19. April 2014, LZ Nr. 92, Seite 11) „Lüneburger Standardabweichung“ zu tun, nach welcher in „wissenschaftlichen Finanzierungsplanungen neuen Typs“, wenn „man mit 57 € Millionen kalkuliert, auch 125 Millionen € rauskommen können“?

  7. Schade für Friedrich von Mansberg. Ich habe mir gewünscht, er werde nominiert. Aber so ist das eben im fairen demokratischen Wettbewerb. Jetzt jubeln natürlich überall in Neetze die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen. Von Mansberg wird´s mit Sportsgeist vernehmen und sich vielleicht auf die Ablösung von Frau Lotze als MdB vorbereiten. Muentefering hat ja vor knapp zwei Jahren mit seltener Ehrlichkeit ausgeführt, warum Theaterleute für dieses Rollenfach besonders geeignet sind: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik-als-schauspiel-das-grosse-bunte-staatstheater-13001053.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    • Sehe ich auch so, es setzt sich nicht immer der bessere durch. Einzige Hoffnung, vielleicht setzt sich bei der Landtagswahl der bessere Kandidat für unsere Region durch und das ist sicher nicht Schröder-Ehlers.

  8. Liebe Frau Schröder-Ehlers, lieber Herr von Mansberg,

    Sie sagen, die soziale Gerechtigkeit sei eine Schwierigkeit. Ist nicht eher die ökonomische Ungerechtigkeit das Problem? Ein Beispiel: Am Sonnabend kam der Elektriker auf Zuruf, nach einer halben Stunde war im Bad wieder Licht, und ich bedankte mich herzlich für die schnelle Erledigung. Der Geselle, ein paar Jahre älter als ich, nickte müd und sagte, das gehöre bald der Vergangenheit an. Ich fragte: Ja? Warum? Er sagte, sie hätten niemanden mehr. In ihrer Firma seien sie mal zu zehnt gewesen, jetzt nur mehr zu dritt. Nachwuchsprobleme. Sie hätten keine Lehrlinge mehr. Ein Teil schmeiße nach spätestens einem Jahr, ein anderer Teil sei schlicht nicht zu gebrauchen, und „Aussiedler“ (er nannte das so), gern, aber das sei, trotz allem, ein Riesenproblem, sprachlich.

    Ich stand dabei und hob die Schultern. Im Lüneburger IHK-Bezirk, machte der Geselle weiter, habe sich die Zahl der Elektrikerlehrlinge in den letzten dreißig Jahren um volle zwei Drittel reduziert. Es gebe zwar immer mehr Firmen, denn die Gesellen machten sich alle selbständig, aber diese Firmen hätten immer weniger Leute. In anderen Berufen, ob nun Gas/Wasser oder Tischler, sei es genauso, wenn nicht noch schlimmer. Jetzt hob er die Schultern, und da mir dazu nichts einfiel – jedenfalls nichts, was sich zwischen Tür und Angel und unter Vermeidung der Vokabel „Klassengesellschaft“ hätte anbringen lassen –, verlegte ich mich auf diese wortlose Mischung aus Brummen und Kopfwackeln, die zugleich Interesse und Distanz ausdrückt.

    Denn irgendwas Klassengesellschaftliches, wenn die Spekulation erlaubt ist, wird der Sache ja zugrunde liegen, zumal die bessere Hälfte zuhause bestätigte, haargenau diese Geschichte habe sie neulich beim Friseur gehört: Wer überhaupt noch komme, um sich ausbilden zu lassen, habe im Grunde keine Lust, schwänze die Berufsschule und sei bald weg. Friseure (m/w), wußte ich da, seien legendär schlecht bezahlt, zumal in der Ausbildung, und daß Klempner zwar alle mit Badsanierung in Marmor werben, im Tagesgeschäft aber eher verstopfte Klos wieder gängig machen, ist sicher auch kein Grund für Fünfzehnjährige, bei der Berufsberatung „Hier!“ zu schreien.

    Die Klassengesellschaft, steht irgendwo in Rudolf Bahros „Die Alternative“, beginnt da, wo die einen sich hintern Schreibtisch setzen können und die anderen nicht, und in Zeiten, wo die Leute hinterm Schreibtisch immer mächtiger werden, sollen Akademiker sich hüten, über den „Akademisierungswahn“ zu klagen. Denn das Abitur, wie gehaltvoll es immer sei, ist und bleibt die Eintrittskarte in jene Gesellschaft, die den legendären deutschen Facharbeiter zwar für ihr Exportwunder benötigt, ihn aber allenfalls dann im selben Stadtviertel wohnen läßt, wenn er sich als Handwerksmeister selbständig gemacht und sein Proletarisches abgelegt hat; und um wieviel weniger die, für die in der Exzellenz- und Elitengesellschaft nicht mehr genug Bildung überbleibt, daß es selbst für einfachere Texte noch reichte: „Bei Eignungstests“, berichtet die Morgenzeitung, „scheitern viele Kandidaten an der Rechtschreibung. Aber muß man wirklich korrekt schreiben können, wenn man zum Beispiel Feuerwehrmann in Nordspanien ist?“ Eine Frage, die noch im schäbigsten Realsozialismus undenkbar gewesen wäre; hier sind die studierten Redakteure sich ihrer Herablassung nicht einmal mehr bewußt, die eine zentrale Kulturtechnik an jene, die den Laden Tag für Tag am Laufen halten, schon gar nicht mehr verschwendet sehen will.

    Bleibt ausnahmsweise die Hoffnung auf die Marktwirtschaft, die auf ein sich verknappendes Angebot durch steigende Preise reagiert. Könnte sein, der Klempner, die Elektrikerin wird bald richtig teuer.

    Ich gönne es ihnen.

    Wie geht es Ihnen?

    MfG, Udo Schneider