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Vier Monate haben sich Lena Giersch und Oberstabsgefreiter Anton Appelganz nicht gesehen. Da fällt der Begrüßungskuss ganz besonders innig aus. Foto: nh

Lüneburger Aufklärer kehren aus Mali zurück

Hannover/Lüneburg. Vier Monate sind eine lange Zeit: 121 Tage oder 2904 Stunden oder 174240 Minuten… Nicht nur für Lena Giersch eine Ewigkeit. Die letzten Stunden verstreichen für die 23-jährige Lüneburgerin geradezu unerträglich langsam: Wohl auch deshalb ist die Lehramtsstudentin eine der ersten, die sich auf dem Flughafen Hannover am Gate C einfindet. An diesem Abend will sie endlich wieder ihren Freund Anton Appelganz in die Arme schließen, der als Soldat aus Mali zurückkehrt.

Begrüßungskommando am Gate

Die Lüneburgerin ist nicht die einzige, die sehnsüchtig auf die Rückkehr der Lüneburger Aufklärer wartet: Immer mehr Angehörige treffen ein. Zudem Soldaten, die ihren Kameraden einen gebührenden Empfang bereiten wollen. Aus Lüneburg ist Oberstleutnant Christian Herrmann mit einem Begrüßungskommando nach Hannover gekommen. Um 20.30 Uhr soll der Bundeswehr-Airbus A 310 landen. Lena Giersch hält die Spannung kaum noch aus, nervös schaut sie auf die Tür, durch die die Soldaten in wenigen Augenblicken kommen werden.

Derweil bauen Herrmann, Oberleutnant Julia Günther und Oberstabsfeldwebel Marco Steckelfeld einen Stehtisch auf, holen Süßigkeiten und Getränke aus dem Bus. Den Kameraden soll es an nichts mangeln, wenn sie wieder deutschen Boden betreten. Und eine große Freude können sie den Heimkehrern schon mit einem kühlen Mineralwasser machen. „Denn Mineralwasser mit Kohlensäure gibt es nicht in Mali“, berichtet ein 28-jähriger Hauptmann, der selbst erst vor wenigen Tagen aus Mali zurückgekehrt ist. Jetzt steht er als Begrüßungskommando am Gate, um die anderen Rückkehrer zu empfangen.

Mali-Einsatz unbeschadet überstanden

Auch Bernd Schmidt und seine Lebensgefährtin Viktoria Ivanischeva sind aus Lüneburg gekommen. Schmidt ist Reservist in der Kreisgruppe Lüneburg. Schon aus diesem Grund hat er eine besondere Affinität zur Bundeswehr. Doch jetzt ist er zuerst Vater und froh, dass sein Sohn, Oberleutnant Nico Schmidt, den Mali-Einsatz unbeschadet überstanden hat. Denn der Blauhelm-Einsatz in dem afrikanischen Land gilt als die derzeit gefährlichste Mission für deutsche Soldaten: Rund 170 Aufklärer aus Lüneburg waren in den vergangenen Monaten in der malischen Stadt Gao stationiert, um im Rahmen der UN-Mission „MINUSMA“ (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali) ihren Beitrag für Frieden in dem Land zu leisten.

Am Donnerstagabend kehrte das Gros der Lüneburger zurück, nur noch etwa zehn Soldaten sind vor Ort „und werden in den nächsten Tagen nach Hause kommen“, sagt Oberstleutnant Herrmann.

Rund sechseinhalb Stunden dauert der Direktflug mit dem Airbus A 310 der Luftwaffe von Mali nach Hannover. Eine weitere gute Stunde dauert es, bis auch auch der letzte deutsche Soldat sein Gepäck in Empfang genommen und den Zoll passiert hat. Um 21.10 Uhr kommt der erste Rückkehrer durch die Glastür und wird mit Applaus begrüßt.

Nur noch zehn Lüneburger Soldaten in Afrika im Einsatz

Nach und nach kommen auch die anderen und jetzt gibt es kein Halten mehr. Freundinnen und Ehefrauen nehmen die Rückkehrer in den Arm. Es wird gelacht, es wird geherzt und geküsst, Freudentränen rollen.

Auch Lena Giersch kann endlich wieder ihren Anton in den Arm nehmen. Er kommt als einer der letzten durch das Gate. Die 23-Jährige rennt auf ihn zu, läuft ihn fast um und umarmt ihn so innig, als wolle sie den Oberstabsgefreiten nie wieder los-, geschweige denn gehen lassen. Vier Monate Einsamkeit, vier Monate Angst und Sorge um den Freund in Mali das ist jetzt mit einem Mal Vergangenheit.

Langsam kehrt am Gate C am Flughafen in Hannover wieder Ruhe ein. Oberstleutnant Herrmann und sein Trupp packen ihre Begrüßungs-Utensilien wieder ein. „Ist doch prima gelaufen“, zieht Herrmann ein erstes zufriedenes Fazit. Und auf was freuen sich die Heimkehrer? „Endlich wieder in Deutschland“, sagt ein Hauptfeldwebel, der im Bus von Herrmann zurück nach Lüneburg fährt. Nur an die eisigen Temperaturen müssen sich die Soldaten in Wüsten-Uniform erst wieder gewöhnen.

Von Klaus Reschke