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Elektronische Tüftelei gegen die Zeit: Landwirtschafts-Azubi Wolf-Christian Behne (l.) baut beim Kreiswettbewerb der deutschen Landjugend einen 7-poligen Stecker zusammen. Richter und Juror Klaus Köhler schaut ihm dabei über die Schulter. Foto: t&w

Gesucht: Lüneburgs beste Bauern

Lüneburg. Mit konzentrierter Miene sitzt Björn Rieckmann an einem Tisch in der großen Werkstatthalle der Berufsbildenden Schule III in Lüneburg: Er muss einen 7-poligen Stecker zusammenbauen. Der ist wichtig für die Stromversorgung eines Auto-Anhängers. Er schneidet mit der Zange den Kabelmantel ab, schiebt die freiliegenden Drähte vorsichtig in die Fassung. „Ich muss darauf achten, dass die Kabel tief genug und fest sitzen“, erklärt er.

Doch berühren dürfen sie sich nicht „sonst gibts einen Kurzschluss.“ An den Nachbartischen sitzen andere junge Männer mit der gleichen Aufgabe, sie alle haben viel Werkzeug und wenig Zeit. Denn sie befinden sich in einem Wettkampf, genauer: dem Kreisentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend 2017.

Kreiswettbewerb der Landjugend

Teilnehmer müssen ihre Betriebe vorstellen

Insgesamt 77 Junglandwirte und Junglandwirtinnen in zwei Leistungsgruppen nehmen in diesem Jahr daran teil. Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt, wird im Kreis Lüneburg von den BBS III und dem Bauernverband Nordostniedersachsen ausgerichtet. Die Sieger dürfen später auf Landes- und vielleicht sogar Bundesebene antreten. Wer mitmacht, muss sich in verschiedenen Disziplinen beweisen: Neben technischer und landwirtschaftlicher Fachkenntnis wird auch ihr Allgemeinwissen abgefragt; darüber hinaus müssen sie Saat- und Düngemittel bestimmen können.

Und das ist gar nicht so einfach. Teilweise sehen sich die Körner, Schrote und Pellets in den Plastikschalen zum Verwechseln ähnlich. „Das könnte Rapskuchen oder Sojakuchen sein“, überlegt etwa Kai-Friedrich Peusch und riecht an den braunen Kügelchen. „Den Unterschied würde man am Geruch erkennen, wenn die frisch hergestellt sind“, erklärt er. Doch so frisch scheinen sie nicht zu sein der 23-Jährige muss noch darüber nachdenken. Ganz gleich wofür er sich entscheidet, in jedem Fall eignen sich die Pellets hervorragend zur Tierfütterung.

Nebenan halten Olaf Samson und Tim Jakobsen einen Vortrag. Auch das ist eine Disziplin des Wettbewerbs: Die Schüler müssen ihren Betrieb vorstellen. Dass Samsons Hof in Lüttow 145 Milchkühe hat, erzählen sie. Und dass dort großen Wert auf das Wohlergehen des Viehs gelegt wird vor allem, wenn sie sich mal richtig schubbern wollen. „Die Kratzbürste steigert den Komfort der Kuh“, erklärt Samson. Und dank eines modernen Melkroboters sollen in Zukunft die Kühe dann gemolken werden, wenn ihnen danach ist „freiwilliges Melken“ nennt sich das. Für ihren Vortrag erhalten beide von der Jury ein kräftiges Lob.

Bauernverband registriert Rekordbeteiligung

Mit 77 Teilnehmern wurde im Kreis Lüneburg ein Rekord aufgestellt: „So viele hatten wir noch nie“, freut sich Dieter Steffan vom BVNON. Die Zahl der Landwirtschafts-Azubis geht konsequent bergauf, berichtet er. Das liege an der Vielseitigkeit des Berufs, eine Ausbildung zum Landwirt verdamme einen nicht zur lebenslangen Arbeit auf dem elterlichen Hof: „Viele arbeiten später als Berater für Umweltverbände, beim Bauernverband, gehen an die Uni oder machen einen Meister“, sagt Steffan.

Schon am Mittag stehen die Sieger fest: In der Leistungsgruppe 1 hat Daniel Peters den ersten Platz belegt, gefolgt von Hauke Kischkat auf Platz 2. In der Leistungsgruppe 2 Fachschüler, die in 2er-Teams antreten gewannen Stephen Porth und Lucas Maarck den Kreiswettbewerb, Platz zwei ging an Niels Seedorf und Hendrik Kaiser.

Von Robin Williamson