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In Eigenleistung errichten Muslime im alten Bahnhof der Kreisstadt Lüchow eine Moschee. Das Gebäude gekauft hat ein HNO-Arzt, der zugleich auch Imam ist. Foto: nh

Lüchow: Moschee im alten Bahnhof

Lüchow. Mekka liegt genau 4270,9 Kilometer entfernt – Luftlinie. „Stadt ohne Rassismus“ prangt in großen Lettern auf dem langgezogenen Anbau des historischen Bahnhofsgebäudes von Lüchow. Bis vor kurzem nutzten eine freie Theatergruppe und Skater das Areal, quietschbunte Graffiti schmücken die Lagerhalle. Aber die Tage des Kunstwerks sind gezählt, denn dem alten Bahnhof steht eine neue Nutzung bevor: Hier entsteht die erste große Moschee in der dünn besiedelten Region an der Elbe. Bald wird die Malerei einem dezenten Grau weichen.

Im Inneren tauchen Baustrahler den dunklen Saal in fahles Licht. Die Zwischendecke ist schon fertig, mächtige Pfeiler stützen die Trägerbalken, alles neu. „Das hat eine Firma gemacht. Ansonsten machen wir ganz viel in Eigenleistung“, erzählt der Eigentümer des Gebäudes, Maher Mouhandes. Er ist HNO-Facharzt mit Praxis in Lüchow und Vorsitzender des Vereins Islamische GemeindeSalzwedel Kreis Lüchow-Dannenberg.

Einer, der tatkräftig mit auf der Baustelle anpackt, ist Elias Kubiev, der „Meister“, wie Mouhandes ihn nennt. Kubiev lacht nur und wehrt bescheiden ab: „Ich bin nur ein ganz kleines Licht.“ Er stammt aus Tschetschenien, ist selber Muslim, inzwischen lebt der hünenhafte Asylbewerber mit seiner Familie im Wendland.

„Jeder unterstützt das Projekt so, wie er kann. Der eine spendet Geld, der andere Arbeitskraft.“
Maher Mouhandes, Arzt und Imam

Ohne Eigenleistung der Gläubigen wäre die Aufgabe, eine alte Bahnhofshalle in eine Moschee zu verwandeln, nicht zu stemmen. Viele Hundert Quadratmeter werden komplett renoviert, rechtzeitig zum Ramadan Ende Mai soll die Eröffnung gefeiert werden. Derzeit gibt es nach Angaben des Landesverbandes der Muslime, der Schura, rund 180 Moscheen in Niedersachsen.
„Zur Zeit haben wir nur einen Gebetsraum in Lüchow“, erläutert der 62-jährige Mouhandes. „Aber durch den Zuzug von muslimischen Flüchtlingen hat sich unsere islamische Gemeinde erheblich vergrößert.“ Der alte Gebetsraum ist inzwischen viel zu klein, weil zu den Freitagsgebeten auch viele Muslime aus Salzwedel anreisen. „Und auch für die Frauen wollen wir in der neuen Moschee einen eigenen Raum schaffen – das ist wichtig, da Frauen und Männer getrennt beten“, erläutert Mouhandes, der seit 1991 in Dannenberg im Wendland lebt.

Wie viele Muslime in der Region leben, weiß Mouhandes, der in Lüchow auch als Imam, als Vorbeter auftritt, nicht. Er schätzt die Anzahl der Gläubigen, die am Freitagsgebet teilnehmen, auf bis zu 100.

Obwohl Muslime die täglichen Gebete grundsätzlich überall ausführen dürfen, gilt es nach Angaben von Imam Mouhandes als „besonders verdienstvoll“, wenn man sie in der Moschee verrichtet: „Weil auf diese Weise die Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht wird.“ In den Überlieferungen der Sprüche des Propheten Mohammed hieße es, dass ein Gebet in der Gemeinschaft 25-mal so viel wert sei wie ein Gebet zu Hause, sagt Mouhandes. Nur das Freitagsgebet ist fest an die Moschee gebunden.

Das Haus in Lüchow soll den gläubigen Muslimen aber auch an anderen Tagen zum Beten offen stehen. Der Umbau wird mit Spenden finanziert. Damit das neue Gebetshaus bald bezogen werden kann, helfen alle mit. „Jeder unterstützt das Projekt so, wie er kann“, sagt Imam Mouhandes. „Der eine spendet Geld, der andere Arbeitskraft. Jeder nach seinen Möglichkeiten.“

Von Björn Vogt