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Felix Petersen (l.) wird die Kandidatenkür am Freitag leiten: Zur Wahl stehen (v.l.): Dr. Christopher Scharnhop, Katrin Pfeffer und der amtierende Abgeordnete Eckhard Pols. Foto: phs

CDU kürt hinter verschlossenen Türen

Scharnebeck. Der Bundestags-Wahlkampf kommt zwar erst langsam auf Touren – aber beim Lüneburger CDU-Kreisvorstand liegen die Nerven offenbar schon jetzt blank: Am Freitag wollen die Christdemokraten ihren Kandidaten für den Wahlkreis Lüneburg/Lüchow-Dannenberg in Scharnebeck küren. Drei Kandidaten treten an: Der amtierende Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols sowie die beiden Herausforderer Dr. Christopher Scharnhop und Katrin Pfeffer. So weit, so gut – ungewöhnlich ist nur, dass die drei ihre finale Vorstellungsrunde plötzlich hinter verschlossenen Türen absolvieren sollen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Novum im Kreisverband Lüneburg.

Über diese Entscheidung des CDU-Kreisvorstandes staunen die Kandidaten selbst: „Das verwundert mich. Mit uns wurde darüber nicht gesprochen“, sagt der Vastorfer Dr. Christopher Scharnhop. „Das ist die Entscheidung des Kreisvorstandes“, sagt Pols und setzt nach: „Ich hätte auf Transparenz gesetzt.“ Sportlich nimmt es dagegen Katrin Pfeffer: „Der Kreisvorstand hat das halt so entschieden.“

Bei allen Erklärungsversuchen bleibt die Frage nach dem Warum freilich unbeantwortet. Zumal in der Vergangenheit die Kandidatenkür beim CDU-Kreisverband Lüneburg immer öffentlich war. „Es muss doch möglich sein, dass unsere Mitglieder offen Fragen stellen, sich austauschen, auch mal Tacheles reden können“, erklärt CDU-Kreisvorsitzender Günter Dubber und verweist auf den Nachbarkreis Harburg, in dem gestern der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann zum CDU-Direktkandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis Seevetal gekürt werden sollte. Ebenfalls nicht öffentlich und hinter verschlossenen Türen. „Die Nachricht ist, wer zum Kandidaten gewählt wird“, sagt Dubber, der offenbar Sorge hat, dass mögliche innerparteiliche Konflikte das Interesse an der Kandidatenkür überlagern könnten.

Unstimmigkeiten in den Reihen der Christdemokraten

Zum geplanten Ablauf der Kandidatenkür in Scharnebeck will sich Dubbers Parteifreund Uwe Dorendorf, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Lüchow-Dannenberg, nicht äußern: Ursprünglich wollte Dorendorf sogar selbst für den Bundestagswahlkreis kandidieren, hat seine Bewerbung aber zurückgezogen. Stattdessen wirft er nun seinen Hut für die Landtagswahl 2018 in den Ring (LZ berichtete). „Wenn Sie mich allerdings fragen, wie wir unsere Landtags-Kandidatenkür am 7. März in Hitzacker ausrichten, dann kann ich Ihnen sagen, dass wir die Öffentlichkeit nicht ausschließen werden“, sagt Dorendorf, denn: „Nur mit Transparenz kann man Vertrauen gewinnen!“

Unterdessen machen beim Lüneburger Kreisverband schon jetzt Verschwörungstheorien die Runde: So soll Dubber intern angekündigt haben, dass er von seinem Amt als Kreisvorsitzender zurücktreten wird, wenn Eckhard Pols erneut als Kandidat für das Bundestags-Mandat nominiert wird. „Nie und nimmer, das ist doch Blödsinn“, verweisen CDU-Vorstandsmitglieder entsprechende Gerüchte ins Land der Phantasie. Kein Gerücht aber ist, dass Dubber und Pols nicht gut miteinander können. Und das nicht nur, weil Dubber den amtierenden CDU-Bundestagsabgeordneten im Sommer 2014 aus dem Amt des CDU-Kreisvorsitzenden drängte.

Von Klaus Reschke

8 Kommentare

  1. Ingeborg Ollenhauer

    Pols hatte Zeit genug, sich im Bundestag zu profilieren und etwas zu bewegen. Er hat sie nicht genutzt. Nun soll es mal jemand mit mehr Energie und brauchbareren Gedanken versuchen.

    Ein Trauerspiel ganz schauriger Art ist natürlich, dass hinter dicken Vorhängen im kleinen Kreis über Kandidaten gerichtet wird, von denen – und zwar von allen dreien – der Wähler nicht die allergeringste Vorstellung haben kann, ob sie taugen oder nicht.

    Und Möchtegernlandespapi Althusmann zieht nun – wie im November versprochen mitsamt Familie von Heiligenthal „ganz nah zu den Menschen“ in seinem schönen neuen Wahlkreis zwischen Maschener Kreuz und Horster Dreieck?

    • Sie verwechseln da was. Der Kandidat wird sich dem Bürger als Wähler rechtzeitig vorstellen und zwar wenn er tatsächlich Kandidat ist. Der Bürger wird ausreichend Zeit haben sich ein Urteil zu bilden. Ich halte die Kür vor verschlossener Tür für eine gute Idee, denn das wird die Diskussion beleben, um sich Intern auch kritisch auseinandersetzen ohne ins Risiko zu gehen sich nach außen zu beschädigen. Ein extremes Negativbeispiel öffentlicher Kandidatenkür konnte man doch gerade mit sehr viel Transparenz in Amerika beobachten. Der Aussage, dass Pols seine Zeit nicht genutzt hat sollten Sie mal in einer seiner Bürgerstunden auf dem Grund gehen. Das lässt sich von außen ansonsten schwer beurteilen und ist sicherlich auch immer abhängig von der Berichterstattung der Medien.

      • Klaus
        Ihr Zitat: Ich halte die Kür vor verschlossener Tür für eine gute Idee,
        ich nicht, klüngel war noch nie eine gute idee. und ein zukünftiger hinterbänkler wird im deutschen bundestag nichts reißen. egal in welcher partei er sein dasein fristet.

        • ein hinterbänkler wird im deutschen bundestag nichts reißen

          Woher wissen Sie das?

          • ich beschäftige mich seit 40 jahren mit politik. ich meine ernsthaft und sie? ich weiß auch ,wie fliegen funktioniert, bin aber kein pilot.

      • Gut Klaus,

        für die Kür hinter verschlossener Tür haben Sie ein starkes Argument beigebracht. Zu befürchten ist nur, dass nicht die nötige, deftig kritische Auseinandersetzung, sondern das Machtwort eines ebenfalls intern ausgekungelten, aber selbst höchst problematischen „Spitzenkandidaten“ den Ausschlag gibt. Und der „Lügenpresse“ wird anschließend mitgeteilt, man sei in harmonischer Eintracht unisono zur für „das Volk“ eindeutig besten Lösung gelangt. Die jungen Leute müssten sich eben noch zwei, drei Legislaturperioden lang gedulden.

        Was die Kandidaturenkandidaten betrifft, da könnte ich mir eine kleine, partielle Probeabstimmung in ein oder zwei neutralen Ortsbereichen wie in Frankreich gut vorstellen, damit die Parteidelegierten eine Idee bekommen, wer wofür steht und wie das „die Bürger“ so wahrnehmen.

        Ihre Annahme, dass ich über Pols, seine Ideen uns seinen Zeitgebrauch durch den Besuch seiner Sprechstunden noch etwas hinzulernen könnte, ist nicht unberechtigt, da Sie nichts über mich wissen. Doch versichere ich Ihnen, ich habe sehr viel verlässlichere Möglichkeiten, die Aktivitäten des Abgeordneten einzuschätzen.

  2. Weniger oder etwa um die 0,01% der Bevölkerung in Deutschland sind Mitglied in einer deutschen politischen Partei. Ungeachtet dessen maßen sich gerade die großen Parteien an den Willen und die Interessen von über 80 Millionen Bürgern in Deutschland zu vertreten. Das allein ist schon eine starke Nummer. Eine Lachnummer. Deutlich „überzeugender“ ist da schon die Mitgliederzahl der beiden großen Kirchen in Deutschland. Nur in den Kirchen haben die Mitglieder nahezu kein demokratisches Mitspracherecht. Pastoren oder Bischöfe etc. werden einfach berufen oder ernannt und den „Gläubigen“ praktisch vorgesetzt. Auch Entscheidungen hinter verschlossenen Türen. Aber das nur als kleiner Exkurs.

    Zurück zu den politischen Parteien. Mein Eindruck: Sie dienen einem Selbstzweck. Da schließen sich Mitglieder zusammen und meinen bei den richtigen zu sein. Ob sie alle das genaue Parteiprogramm kennen bezweifele ich. Hauptsache das Gefühl: Da bin ich richtig – das ist meine Partei. Aber warum wissen wohl die wenigsten genau. Ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Jedenfalls für die, die in einer Partei Karriere machen wollen und dafür Posten anstreben. Sie benötigen erstmal Parteimitglieder von denen sie für aussichtsreiche Listenplätze nominiert werden. Damit keiner zu sehr rein redet in kleinem Kreis hinter verschlossenen Türen. Sind die Kandidaten gekürt werden sie als der kommende Messias gekürt und verkündet.

    Und dann werden sie mit etwas Glück gewählt. Ohne dass die meisten Wähler das Parteiprogramm und die Absichten des Kandidaten wirklich kennen. Der ist einfach sympathisch oder sieht nett aus. So ist es doch meist. – Und dann kommt der gewählte „Volksvertreter“ in ein Gremium (kommunales Parlament, Landtag oder gar Bundestag) und stellt fest… Oh! Hier kann ich gar nicht wie ich will. Hier wird mir gesagt wie ich wollen muss und was ich zu sagen habe. Da manchmal aus zu brechen gelingt nur den Leittieren die schon lange im Geschäft sind. Der/die neue Abgeordnete kann da wenig ausrichten. Zumindest wenn das Mandat nach der nächsten Wahl vielleicht weiter Bestand haben soll. Aber das entscheidet dann der Wähler, der von weniger oder um die 0,01% Parteimitgliedern aus der gesamten Bevölkerung angeblich vertreten wird. Und bei jeder Wahl glauben die Wähler wieder daran und machen brav ihre Kreuze weil sie ihre Wahlbeteiligung als Bürgerpflicht ansehen (Jedenfalls ein großer Teil der Wahlberechtigten). Das ganze nennt sich dann Demokratie. Aber wirklich etwas zu sagen oder zu entscheiden hat der Wähler in Wahrheit nicht. Er legitimiert nur bestimmte Personen über ihn zu bestimmen. Egal ob es dem Wähler gefällt oder nicht. Aber der gewählte Politiker freut sich über jede Legislaturperiode in der er wieder Diäten bezieht und eine ansehnliche zusätzliche Altersversorgung aufbauen kann (Zumindest in Landtagen und im Bundestag). Und hat man es zu etwas mehr als nur einfacher Abgeordneter gebracht, locken natürlich auch gut dotierte Nebenjobs als Redner auf diversen Veranstaltungen. Davor schrecken selbst Bundesrichter nach einem kürzlich erschienen Bericht im Spiegel nicht zurück. Geld stinkt eben nicht. Egal woher es kommt

    Doch völlig unabhängig davon. Irgendjemand, viele davon müssen es dennoch machen, weil dieser Staat sonst nicht funktionieren würde. Aber mir würde dieser Job nicht liegen, weil ich mich nicht bevormunden lassen wollte was ich abzustimmen und zu reden habe. Trotzdem stelle ich mir Demokratie etwas anders vor.

    • FAKE NEWS SIND: „Weniger oder etwa um die 0,01% der Bevölkerung in Deutschland sind Mitglied in einer deutschen politischen Partei.“

      FAKT IST: Zum Jahresende 2016 gehörten der SPD 436.000 Mitglieder, der CDU 434.019 Mitglieder, der CSU 143.000 Mitglieder, der LINKEn 58.645 Mitglieder, der FDP 53.800 Mitglieder, der AfD 26.000 Mitglieder, der PARTEI 12.350 Mitglieder und den PIRATEN 12.129 Mitglieder an. Das sind 1.175.943 aktive Parteimitglieder. Rund 82,8 Millionen Einwohner zählte Deutschland am 31. Dezember 2016. Also sind rund 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in Parteien aktiv. Bei der kommenden Bundestagswahl im September sind etwa 62 Millionen Deutsche im Bundesgebiet wahlberechtigt. Also sind 1,9 Prozent der Wahlberechtigten Deutschen in politischen Parteien aktiv.

      Sie stellen sich „Demokratie etwas anders vor“?

      Konkret, bitte! WIE genau stellen Sie sich Demokratie vor?