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neue entwicklungen bei der deutschen Post: Die bezirke sollen verkleinert werden. Foto: A/be

Lüneburg: Post will Bezirke verkleinern

Lüneburg. Die Postzustellung hat in den vergangenen Monaten bei vielen Lüneburgern in Stadt und Landkreis für Verärgerung gesorgt. Kunden waren unzufrieden, weil sie manchmal wochenlang nicht beliefert wurden (LZ berichtete). Eine Lüneburger Postbotin hatte der LZ aus ihrem Alltag berichtet, von zu großen Bezirken und Sendungsmengen gesprochen, beklagt, dass es der Deutschen Post generell an Personal mangele. Nun soll sich die Situation entspannen: Auf einer Betriebsversammlung wurde den Mitarbeitern angekündigt, dass die Zustellbezirke verkleinert werden sollen. Während sich die Post auf LZ-Nachfrage nicht öffentlich zu „innerbetrieblichen organisatorischen Angelegenheiten“ äußern möchte, bestätigt die Gewerkschaft ver.di die Entwicklung.

Situation für Mitarbeiter zuletzt nicht mehr tragbar

Postbotin Susanne Sudermann* hatte deutlich gemacht, dass die Situation für sie und ihre Kollegen nicht mehr tragbar sei. Auch heute müssten sie noch Touren abbrechen, weil sie ihre Bezirke in den vorgegebenen acht Stunden Arbeitszeit nicht komplett beliefern können. Als Beispiel hatte sie angeführt, dass vor vielen Jahren mal 500 Haushalte pro Tag die Maßgabe gewesen sei, heute sind es bis zu 900.

„Die Perspektive, dass die Bezirke wieder verkleinert werden könnten, macht uns Hoffnung“, sagt Susanne Sudermann jetzt, die damit das größte Problem der Post angegangen sieht. Seit dieser Aussage sei auch die Stimmung unter den Mitarbeitern schon merklich besser geworden. Eine Bemessung der Bezirke sei flächendeckend für die gesamte Region geplant. Dabei würde die Verkehrsmenge, also Pakete und Briefe, begutachtet. „Die Entwicklung geht steil nach oben, auch die Reklamesendungen haben zugenommen.“ Für jede Tätigkeit habe ein Zusteller einen festgelegten Zeitansatz, für ein Hochhaus oder Einfamilienhaus sei dieser beispielsweise unterschiedlich, sagt Sudermann. „Die Frage ist nun, ob nur die Bezirke verkleinert werden oder ob man auch wieder mehr Zeit für ein Paket bekommt.“

Aber auch eine personelle Veränderung soll künftig bei der Post für bessere Stimmung sorgen. Eine der maßgeblichen Führungskräfte in Bergedorf wurde ausgetauscht. Sudermann weiß, dass das auf den zuletzt so großen Unmut zurückzuführen ist.

Unternehmen ist das ganze Jahr über auf Personalsuche

Das bestätigt Lars-Uwe Rieck, Fachbereichsleiter der Gewerkschaft ver.di im Bereich Hamburg Nord, in dessen Zuständigkeit Lüneburg liegt. „Mit diesem Wechsel hat sich die Situation zumindest auf menschlicher Ebene verbessert.“ Entscheidend für Lüneburg sei dieser Austausch vor allem deshalb, „weil die Stadt aus Bergedorf regiert wird“. Kritisch sei nicht nur der schlechte Führungsstil gewesen, sondern auch, dass diese Person „alles ausgereizt hat, was ging“. Schon jetzt sei in Bergedorf ein anderer Geist spürbar, sagt Rieck. Das wisse er vom Betriebsrat.

Rieck geht davon aus, dass nun auch die Post eingesehen hat, dass die Kunden unzufrieden sind und die Beschäftigten am Stock gehen. Entwarnung möchte der Fachbereichsleiter aber noch nicht geben. Denn man dürfe nicht vergessen, dass hinter der Post eine Aktiengesellschaft stehe, „die aus ihren Leuten das Optimum herausholen will. Von der Gewinnmaximierung wird die Post nicht ablassen, der Druck wird immer da sein.“ Das Ganze bleibe ein ständiger Kampf und ein Kräftemessen. Doch man sei weit übers Ziel hinausgeschossen.
Die Pressestelle der Deutschen Post möchte sich auf konkrete Nachfragen nicht äußern. Sie lässt lediglich verlauten, dass Neubemessungen immer wieder stattfinden würden, „um auf Sendungsmengenveränderungen wie Anstieg der Paketmengen oder strukturelle Veränderungen in einzelnen Zustellbezirken zu reagieren und die Ausgewogenheit der Bezirke untereinander zu wahren.“ Angesprochen auf das bestehende Personalproblem – die Post hatte jüngst wieder mit einem großen Banner an der Hauptpost in der Sülztorstraße nach Zustellern gesucht –, sagt Sprecher Martin Grundler, dass die Zustellung in Lüneburg derzeit stabil laufe. „Wir suchen das ganze Jahr über Personal, um unter anderem auch auf Fluktuation reagieren zu können.“
*Name geändert

Von Anna Paarmann

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