Mittwoch , 19. September 2018
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Ulli Schröder in seinem Café Klatsch ewig geht es dort nicht weiter. Foto: t&w

Klatsch-Chef denkt ans Aufhören

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Es geistert wie immer eine Menge Tratsch und Klatsch durch die Szene. Macht das Café Klatsch dicht, lautet eine immer öfter kommende Frage. Der Ort, an dem Ulli Schröder unfassbar viele Konzerte veranstaltet hat? Die Kneipe, die geradezu Denkmalschutz verdient? Die Bühne, auf der vor allem, aber nicht nur der Blues eine Heimat hat und das seit mehr als 30 Jahren? „Ja, pass auf, ja, da ist eine Sache“, sagt Ulli Schröder in seiner typischen Art und redet erst mal von was anderem, um dann zu sagen: „Ich schätze mal, na ja, ich weiß nicht. Allerhöchstens zwei Jahre noch.“

Er ist nun 65 Jahre, hat drei Bypässe und lebt bedingt gesund. Das ist im Kneipenleben fast das Normale. Schröder war schon dicht dran, den Laden aufzugeben, aber: „Die Leute haben mich überredet.“ Die Leute, das ist sowas wie die Klatsch-Familie. „Das sind ja fast hundert, für die ist das hier ja wie ein Wohnzimmer.“ Die „Familie“ war auch stets gegen eine Renovierung der Kneipe.

Rund 50 Konzerte im Jahr

Nach wie vor arbeitet Schröder im Kreis Harburg in der Kinder- und Jugendhilfe, „noch bis Ende Mai“. Er macht den Job gern. Aber dann ist Rente. Was bleibt, ist das Klatsch. „Groß rechnen tut sich das ja nicht“, sagt er. Das einzige sei: Es ist sein Haus, und der Immobilienpreis habe sich verdreifacht da könnte er wohl bei einem sehr guten Angebot weich werden.

Am 20. Januar 1984 hatte Schröder das Klatsch mit Siegfriede Rieß gegründet. Das Konzept: ein gemütlicher Club mit Live-Musik. Rund 50 Konzerte im Jahr holt Schröder auf die Bühne, lange Jahre unterstützt von Werner Laatsch, bis der krankheitsbedingt nicht mehr konnte. Hochgerechnet kommt man bei rund 1600 Konzerten an. Eine gewaltige Zahl!

Als Ulli Schröder 2011 seinen 60. feierte, sagte er, dass er das Klatsch weiterbetreiben werden, so lange es eben geht. Es ist eben einer Frage der Gesundheit.

„Pass mal auf, das kannst Du ruhig schreiben“, sagt Schröder und tischt nochmal die Sache auf, die er eingangs erwähnte. Er hat Stress mit einem einzelnen Nachbarn wegen der Bands bzw. deren Lautstärke. Der Mann habe Geld gewollt, sagt Schröder, angeblich auch per SMS. Mittlerweile hat Schröder Anzeige wegen Erpressung erstattet. Wie auch immer, das ist eine Sorte Stress, die nicht gerade Lust macht, den Laden auf Dauer leben zu lassen. Alles hat seine Zeit.