Donnerstag , 20. September 2018
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Maik Hanstedt zeigt das Problem mit dem Streusalz im Fahrradreifen, das häufig Ursache für einen platten Reifen ist. Foto: t&w

Salz ist Gift für Fahrräder

Von Anna Paarmann
Lüneburg. Der Winter scheint abgehakt, aber viele Radfahrer haben ihn noch gut in Erinnerung. Denn wenn die Temperaturen sinken, Minusgrade für glatte Fahrbahnen sorgen, dann ist in der Stadt die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH, kurz AGL, gefragt. Die städtische Tochtergesellschaft streut dann die Straßen mit einem Gemisch aus Sand und Salz. Das war zuletzt auch im Umweltausschuss der Stadt Thema. Ratsherr Ralf Gros (Grüne) hatte im Rahmen einer Anfrage vorgebracht, dass das Streumittel zuletzt „spitz und scharfkörnig“ gewesen sei, es nach Auskunft der Fahrradwerkstatt „Rad am Bahnhof“ im vergangenen Winter zu zahlreichen Reifenschäden und Platten gekommen sei.

Das bestätigt Betriebsleiter Maik Hanstedt. Auch er ist kein großer Fan von Salz im Streugut. „Für die Fahrräder ist das Gift.“ Sobald die Straßen gestreut werden, empfiehlt er Fahrradbesitzern, ihre Kette täglich zu ölen. „Sonst fängt sie sofort an zu rosten.“ Und auch der Sand, der sich vor allem in alten, porösen Reifen festsetzt, richte Schäden an, sagt Hanstedt. „Er scheuert bis zum Schlauch durch.“ Deshalb führe seine Werkstatt im Winter deutlich mehr Schlauchreparaturen durch, muss also einen platten Reifen reparieren. „Unser Aufkommen erhöht sich jedes Jahr merklich, wenn die Straßen wieder gestreut werden.“

Scharfkantige Körner noch schlechter fürs Rad

Neue Reifen oder auch solche, die vom Hersteller als „pannensicher“ bezeichnet werden, hätten solche Probleme aufgrund einer dicken Schutzschicht im Mantel nur selten. „Da kann man sich zwar auch mal etwas reinfahren, es fällt aber nach einigen Umdrehungen wieder raus.“ Anders sehe es beispielsweise aus, wenn man sich mal einen Feuerstein, eine Schraube oder eine Glasscherbe in den Reifen holt. Auch solche skurrilen Fälle begegnen den Mitarbeitern nicht selten. Deshalb hält Maik Hanstedt auch nicht viel von der Idee, statt Salz Splitt zu streuen. Das ist immer wieder mal Thema. „Das ist aufgrund der scharfkantigen Körner noch schlechter fürs Rad“, sagt er.

Schuld an dem erhöhten Aufkommen im Winter könnte der grobe Sand haben, der „mit geringen Feinstanteilen der Gesteinskörnung“ bestückt ist, um eine „rutschhemmende Wirkung“ sicherzustellen. So schildert es AGL-Chef Lars Strehse, der nicht ausschließen kann, dass sich größere Körner im Reifenprofil verkanten. Diese sind beispielsweise bis zu vier Millimeter groß, der Größtkornanteil liege dafür aber nur bei etwa zehn Prozent. Auch sei er wichtig, um eine gewisse Qualität garantieren zu können.