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Unter dem Lärm von vorbeifahrenden Zügen leiden viele Lüneburger. Genaue Messwerte sollen jetzt in einem Lärmgutachten Niederschlag finden. Foto: A/t&w

Ein Lärmgutachten für Lüneburg

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Lärmende Güterzüge, vorbeidonnernde Lastwagen, Tausende Autos — tagein, tagaus ist Lüneburg von Verkehrslärm umgeben. Ist der tatsächliche oder gefühlte Pegel zu hoch, drohen nicht nur gesundheitliche Schäden, er mündet mitunter bei widerstreitenden Interessen auch mal in einem Streit vor Gericht. Richtig schwierig wird es beim Blick in die Zukunft. Denn mit zunehmendem Verkehrsaufkommen im Zuge der Verlängerung der Autobahn 39 und der Errichtung eines dritten Gleises durch Alpha E geraten auch bestehende Lärmprognosen in den Blick. Mit einem eigenen Lärmgutachten will die Stadt sich jetzt auf mögliche Auseinandersetzungen vorbereiten.

Stadt braucht Argumentationsgrundlage

„Schwerpunkt der gutachterlichen Untersuchungen, die die Stadt in diesem Zusammenhang beauftragen wird, sind die von der Deutschen Bahn und der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr geplanten Verkehrsvorhaben AlphaE und A39“, teilt die Stadt dazu auf Nachfrage mit. Beide sind Bestandteil des kürzlich beschlossenen Bundesverkehrswegeplans, den die Stadt „intensiv“ begleite.

Für die Stadt stelle sich die Frage, wie sich veränderte Zugzahlen in Lüneburg auf die Lärm­ausbreitung auswirken. „Das wollen wir überprüfen, um in dem weiteren Verfahren zu Alpha E eine Argumentationsgrundlage gegenüber der Bahn als Vorhabenträger und den beteiligten Behörden zu haben“, erläutert Stadtpressesprecher Daniel Gritz. Bekanntlich lehnt die Stadt aus Lärmschutzgründen den im Rahmen von Alpha E geplanten Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen ab und plädiert für eine Trassenführung parallel zur A7.

Die bisherigen Prognosezahlen müssen angepasst werden

Anders sieht es bei der A39 aus: Weil es hier bei der geplanten Fortführung der Autobahn Planungsänderungen gegeben hat — wie berichtet sollen zwischen den Anschlussstellen Lüneburg-Nord und Erbstorfer Landstraße zwei zusätzliche Verflechtungsstreifen geschaffen werden, die Spuranzahl damit von vier auf sechs wachsen — wurde das bisherige Planfeststellungsverfahren ausgesetzt. Die Konsequenz: Die bisherigen Prognosezahlen, laut Landesstraßenbaubehörde bezogen sie sich auf das Jahr 2025, müssen nun angepasst werden, neues Bezugsjahr ist 2030.

Die Stadt geht nun davon aus, dass die Landesstraßenbaubehörde im Frühjahr das Planfeststellungsverfahren wieder aufgreift und die von ihr überarbeiteten Planungen vorlegen wird. „Wir gehen davon aus, dass das Lärmgutachten der Vorhabenträgerin auf den Prüfstand gestellt werden muss — wie bereits 2012 zu Beginn des Planfeststellungsverfahrens“, sagt Pressesprecher Gritz.

Ein dritter Bereich für das von der Stadt geplante Lärmgutachten ist die sogenannte Lärmaktionsplanung. Grundlage hierfür ist die EU-Umgebungslärmrichtlinie aus dem Jahr 2008. Ziel ist es, Menschen in Ballungsräumen besser vor Verkehrslärm zu schützen. Dabei wird mit Hilfe von Lärmkarten geprüft, wo genau Lärm entsteht und ob die europaweit festgelegten Grenzwerte überschritten werden. Per Lärmaktionsplan sollen Kommunen dann Maßnahmen zur Senkung der Geräuschpegel entwickeln.

Verwaltung rechnet mit Kosten von 70.000 Euro

Auch hier will die Stadt gewappnet sein. Zunächst aber müssten noch die Lärmkartierungsarbeiten des Landes abgewartet werden, die Grundlage für den Lärm­aktionsplan sind und im Sommer veröffentlicht werden sollen. „Ob sich hieraus Handlungsbedarf für die Stadt ergibt, kann noch nicht abgeschätzt werden“, sagt Gritz.

Für das Lärmgutachten, mit dem ein Ingenieurbüro beauftragt werden soll, hat die Stadt 70.000 Euro veranschlagt.