Mittwoch , 19. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Adendorf | Kein Bußgeld für illegale Rodung
Vergangenes Jahr waren nicht nur die betroffenen Tennisplätze für die geplante Golfplatzverlegung in Adendorf zurückgebaut worden. Auch rund 1500 Quadratmeter Grün- und Waldfläche wurden bis auf den Stock gerodet, und das illegal, wie der Landkreis Lüneburg festgestellt hat. Foto: be
Vergangenes Jahr waren nicht nur die betroffenen Tennisplätze für die geplante Golfplatzverlegung in Adendorf zurückgebaut worden. Auch rund 1500 Quadratmeter Grün- und Waldfläche wurden bis auf den Stock gerodet, und das illegal, wie der Landkreis Lüneburg festgestellt hat. Foto: be

Kein Bußgeld für illegale Rodung

Von Dennis Thomas
Adendorf/Lüneburg. Normalerweise gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Doch im Fall einer illegalen Waldrodung in Adendorf kann sich Investor Rainer Adank auf die Unwissenheit der Kommune berufen, die seinem Unternehmen im vergangenen Jahr eine falsche Auskunft gegeben hatte. Der Landkreis Lüneburg als zuständige Untere Waldbehörde verzichtet deshalb jetzt nach eingehender Prüfung auf die Einleitung eines Bußgeldverfahrens, sagt Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt, auf LZ-Nachfrage.

Gemeinde gab zunächst grünes Licht für Fällaktion

Dennoch muss zum Ausgleich eine Aufforstung durchgeführt werden. Das soll indes nun die Gemeinde selbst regeln im Zuge des in Aufstellung befindlichen Bebauungsplans Nr. 41 „Nördlich Rehkuhle.“ Vorgesehen ist die Ausgleichsfläche nun am nordöstlichen Ende des Golfplatzes.

Was war passiert? Bekanntlich plant Investor Rainer Adank im Namen der „Adendorf Golf Resort KG“ das neue Wohngebiet nördlich des Siedlungsbereichs „Bei den Eichen“. Dafür soll ein Teil des angrenzenden Golfplatzes verlegt werden, und zwar auf einen Bereich der bisherigen Tennisplätze sowie ein als Park- beziehungsweise Grünfläche bezeichnetes Areal nördlich des Biotops „Rehkuhle“. Das dortige Wäldchen in der Rehkuhle hatte sich aber in den vergangenen Jahren auf die Grünfläche ausgeweitet. Und jener Bereich wurde letztlich illegal gerodet.

Aus Sicht des Landkreises handelte es sich um einen gewachsenen Bestand, der unter das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) fällt. Für die neue Nutzung hätte es eigentlich eines Antrags auf Waldumwandlung beim Landkreis bedurft. Den hatte Adank aber nicht gestellt. Denn die Gemeinde hatte zunächst, mit Blick auf die eigene Baumschutzsatzung, die Auffassung vertreten, die Bäume und Büsche könnten weg — und hatte das so auch an den Investor weitergegeben. Erst später revidierte die Adendorfer Verwaltung ihre Position und Bürgermeister Thomas Maack sprach gegenüber der LZ ebenfalls von einer „illegalen Rodung“.

„Es geht jetzt nicht um Schuldzuweisungen“

Stefan Bartscht vom Landkreis sagt: „Es geht jetzt nicht um Schuldzuweisungen. Aber wenn der Antragsteller bei einer Behörde eine falsche Auskunft erhält, kann man ihm das nicht zur Last legen.“ Selbst wenn die Gemeinde in dem Moment gar nicht die zuständige Stelle gewesen sei. Bartscht: „Insofern verzichten wir auf ein Bußgeldverfahren. Das wäre an der Stelle nicht rechtssicher.“
Gleichwohl bleibe es beim Verstoß gegen das NWaldLG. Bartscht sagt: „Da die Gemeinde aber in dem Bereich sowieso einen neuen Bebauungsplan aufstellt, hat sie die Möglichkeit, mit der Ausweisung einer neuen Ausgleichsfläche die Sache nachträglich zu heilen.“ Das muss im Einvernehmen mit dem Landkreis passieren.

Wenn Wald beseitigt wurde, muss laut Bartscht an anderer Stelle wieder Wald entstehen. Das ist nach den Worten von Adendorfs Bauamtsleiter Christian Ninnemann nun nordöstlich des Golfplatzes an der Straße Im Moor (Kreisstraße 30) vorgesehen. Ninnemann sagt: „Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 41 Nördlich Rehkuhle wird eine Waldfläche in einer Größe von zirka 0,27 Hektar für die Umgestaltung des Golfplatzes in Anspruch genommen. Hiervon wurden bereits 0,15 Hektar gerodet. Die verbleibende Fläche von 0,12 Hektar soll als Birkengehölz erhalten bleiben. Als Ersatz ist eine Anpflanzung im Norden des Golfplatzes angrenzend an vorhandenen Waldbestand in einer Größe von 0,324 Hektar vorgesehen.“