Donnerstag , 20. September 2018
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Die beiden Präsidenten haben sich für eine Fusion ihrer Kammern ausgesprochen: Olaf Kahle (l.), Chef der IHK Lüneburg-Wolfsburg, und Helmut Streiff, Präsident der IHK Braunschweig. Foto: nh/t&w

Umstrittene Pläne zur IHK-Fusion

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Die umstrittenen Pläne zur Fusion der beiden Industrie- und Handelskammern (IHK) Lüneburg-Wolfsburg und Braunschweig haben nun auch den Rat der Stadt Lüneburg erreicht. In einem gemeinsam von SPD und der Jamaika-Gruppe aus CDU, FDP und Grünen vorgelegten Antrag soll sich der Rat in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 2. März, per Resolution gegen den geplanten Zusammenschluss aussprechen. Darin setzt man auf Stimmen-Abweichler bei den IHK-Mitgliedern. Die IHK in Lüneburg erklärte unterdessen, an dem eingeschlagenen Kurs weiter festhalten zu wollen.

IHK ist von Diskussion nicht überrascht

„Wenn die Fusion kommt, wird der Hauptsitz der neu geschaffenen IHK in Braunschweig sein. Dann spielt dort die Musik, Lüneburg wird nur noch eine Nebenrolle einnehmen“, ist Klaus-Dieter Salewski, SPD-Fraktionsvorsitzender und Initiator des gemeinsamen Antrags, überzeugt. Ein Zusammenschluss wirke sich auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die 136 Arbeitsplätze bei der IHK Lüneburg-Wolfsburg aus. „Unser Wirtschaftsraum ist auf Hamburg ausgerichtet. Eine Fusion würde unsere Aktivitäten insbesondere in Zusammenarbeit mit der Süderelbe AG konterkarieren“, ist Niels Webersinn, CDU-Fraktionsvorsitzender und Sprecher der Jamaika-Gruppe, überzeugt.

„Wir bleiben weiterhin bei unserem Kurs“,

„Wir nehmen die Kritik sehr ernst und setzen uns damit auseinander, aber wir bleiben weiterhin bei unserem Kurs“, sagt Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Von der jetzigen Diskussion sei man nicht überrascht: „Uns war immer bewusst, dass die Erhaltung der Identität von IHK und Region der Schlüssel zu einem erfolgreichen Fusionsprozess sein würde.“ Deshalb sei beabsichtigt, neben der Vollversammlung zusätzlich direkt von den IHK-Mitgliedern gewählte Regionalversammlungen zu etablieren. Eine Idee, von der Klaus-Dieter Salewski allerdings wenig hält: „Wohin das führt, sehen wir an den Regionalvertretungen des Landes.“ Und zu den von der IHK ins Feld geführten möglichen Synergieeffekten, die sich aus einer Fusion ergeben sollen, sagt Webersinn: „Synergie kann man auch durch eine Verwaltungsvereinbarung erreichen, dazu braucht man keine Fusion.“

Die sei ja auch noch gar nicht beschlossen, sagt IHK-Präsident Kahle, sondern Sache der Vollversammlungen, die wie berichtet am 9. März in Lüneburg und am 8. Mai in Braunschweig tagen. Kahle: „Die Vollversammlungsmitglieder nehmen die kritischen Stimmen wahr und werden sie sicher in ihre Überlegungen einbeziehen.“

Mehr als 25 Prozent müssen mit Nein stimmen

Darauf setzen auch Salewski und Webersinn. Deshalb wenden sie sich in ihrem Resolutions-Entwurf direkt an die regionalen Vertreter in der Vollversammlung der IHK-Lüneburg-Wolfsburg und fordern sie auf, „sich für den Erhalt der Eigenständigkeit stark zu machen und sich gegen eine Fusion mit der IHK Braunschweig zu positionieren“. Klaus-Dieter Salewski zumindest ist überzeugt, dass dieser Weg Erfolg verspricht, schließlich kann eine Fusion nur mit 75 Prozent der Stimmen der Vollversammlung beschlossen werden. Die Chance, dass sich mehr als 25 Prozent gegen den Zusammenschluss aussprechen, hält er für realistisch: „Was ich bisher höre, kann man davon ausgehen.“

4 Kommentare

  1. wie wäre es mit folgendem vorschlag? die zwangsmitgliedschaft wird abgeschafft und die ihk kann fusionieren, wie sie lustig ist. niemand kann sich dann noch aufregen und ,was nicht ganz unwichtig ist, wenn die herrschaften in rente gehen, können sie nicht mehr geld haben, als wenn sie arbeiten würden. die einnahmen wären ja dann begrenzt. hamburg versucht gerade genau diesen weg. es könnte ja die hansestadt hamburg und hansestadt lüneburg dann eine ihk besitzen. der speckgürtel gibt eh nicht mehr her. besonders, wenn es keinen zwang mehr gibt.

  2. Ich bin für die Abschaffung der IHKn. Das bisschen Zertifizieren und marktgerechte Ausbilden, das dieser Verein abkassierender Wichtigtuer leistet, kann leicht von unserer unternehmerischen Leuphana (Firmensitz demnächst „Universitätsallee“) miterledigt werden: https://jj12.wordpress.com/2017/02/14/universitaetsallee-nicht-der-strassenname-macht-den-ruf-einer-universitaet/#more-123

  3. Die Fusion hört sich doch gut an. Bei Zusammenlegung kann sicherlich einiges gespart werden und das würde wiederum die Beitragszahler entlasten und sicher den Zuspruch zur IHK stärken. Wenn die IHK ihre Berechtigung und Akzeptanz behalten will, muss sie solche Wege gehen. Die Außenstelle in Wolfsburg könnte aufgrund der Nähe zu Braunschweig jedenfalls schonmal eingespart werden.