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Paula Choscz vom Gymnasium Bleckede hat den Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs gewonnen. Foto: be

Paula gewinnt Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs

Von Ute Lühr
Scharnebeck. Fast könnte man meinen, sie würde sich verhaspeln. Oder zumindest einen Knoten in der Zunge davontragen. Tut sie aber nicht: Gezielt betont und in einem präzisen Tempo lässt Paula Choscz an diesem Nachmittag die kleinen Kreaturen „Acharai“ aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ zum Leben erwachen, wild durcheinander reden, lachen, sich amüsieren — und sichert sich damit den Sieg im Kreisentscheid des diesjährigen Vorlesewettbewerbs. Die Schülerin vom Gymnasium Bleckede wird nun den Landkreis Lüneburg beim Regionalentscheid vertreten.

Insgesamt 14 Mädchen und Jungen aus den sechsten Klassen der weiterführenden Schulen waren in der Kreisbibliothek Scharnebeck gegeneinander angetreten, um unter sich den besten Vorleser oder die beste Vorleserin zu ermitteln. Geführt wurde durch die Veranstaltung von Andrea Wrobel, die die erkrankte Bibliotheksleiterin Hilke Cordes-Heick vertrat: „Die Kinder präsentieren zunächst kurz ihr Buch und tragen dann etwa drei bis fünf Minuten lang aus ihrem vorbereiteten Text vor“, erklärt die Mitarbeiterin des Fachdienstes Schule und Kultur des Landkreises, „im Anschluss starten sie in umgekehrter Reihenfolge und lesen aus einem unbekannten Werk.“

Der Auswahl der Literatur waren keine Grenzen gesetzt

Ob Science Fiction, Krimi, Alltagsgeschichte oder Fantasy — der Auswahl der Literatur waren keine Grenzen gesetzt. Martina Schürmann von der Büchereizentrale Niedersachsen und Mitglied der dreiköpfigen Jury erläutert, worauf es beim Lesen ankommt: „Wir achten besonders auf die Technik, das heißt, ob sicher und flüssig vorgetragen wird, das Tempo stimmt und die Betonung sinnvoll ist.“ Weiter spiele aber auch die Interpretation — also das Anpassen der Stimme an die jeweilige Textstelle — sowie die angemessene Lautstärke eine Rolle.

Und das beherrschte an diesem Nachmittag nicht nur Paula tadellos: Katarina Tubic von der Herderschule beispielsweise hatte sich „Star“ von Salah Naoura ausgesucht — und brachte durch ihre ganz persönliche Interpretation der Textstelle über eine Faltencreme das Publikum immer wieder zum Lachen. Gleiches gelang Michelle Hagaudzev: Die Schülerin des Bernhard-Riemann-Gymnasiums hatte sich für „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ entschieden. „Ich habe zu Hause nicht so viele Bücher, deshalb habe ich es in der Bibliothek ausgeliehen“, berichtet die Zwölfjährige. Vor der Veranstaltung sei sie ganz schön aufgeregt gewesen — davon war während des Vorlesens aber nichts mehr zu spüren: Nachdem sie eine kurze, aber präzise Einführung in das Werk gegeben hatte, sog sie die Zuhörer durch einen gefühlvollen Wechsel der Stimmlage in das Gespräch zwischen Tom und Ben über das Streichen eines Zaunes quasi hinein.

Nicht nur Romane fanden Eingang in die Veranstaltung

Aber nicht nur Romane fanden Eingang in die Veranstaltung: Mandy Gauger hatte sich für die Autobiografie „Die gerettete Freude“ von Hermine Schmidt entschieden. „Wir sind wie Hermine Schmidt Zeugen Jehovas“, erklärt die Schülerin der Oberschule Neuhaus, „mit dem Buch wollte ich über unseren Glauben sprechen.“

Was auch immer die Kinder zur Auswahl ihrer Literatur bewogen hatte — sie alle beherrschten ihre Textstellen sicher, unterhielten das Publikum mit spannenden oder amüsanten Passagen aus ihren Büchern. Den Ausschlag für den Sieg brachte letztlich aber das unbekannte Werk. „Wer hierbei überzeugen kann, zeigt, dass er oder sie Texte schnell erfassen und richtig interpretieren kann“, erklärt Martina Schürmann. Und das war an diesem Nachmittag eben Paula Choscz am besten gelungen. Die Sechstklässlerin war von ihrem Erfolg ganz überrascht: „Damit habe ich nicht gerechnet.“