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Traumpaar der späten Sechziger: Uschi Glas und Roy Black. Foto: ff

Komplette Sammlung der Bravo-Starschnitte

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Die Beatles brauchten am längsten, ABBA war am begehrtesten. Brigitte Bardot war die erste, Michael „Bully“ Herbig alias „Spucky“ aus dem Blödelfilm „Traumschiff Surprise“ der letzte. Die Village People waren am kompliziertesten, E.T ging am schnellsten: Im Jahre 1959 eröffnete die Jugendzeitschrift „Bravo“ die Reihe der sogenannten Starschnitte. Die Idole — in Originalgröße! — für die eigenen vier Wände, diese Idee war ebenso einfach wie genial. Insgesamt 118 Bravo-Starschnitt-Sets konnten die Fans in 47 Jahren ausschnippeln und zusammenkleben. Alle, aber auch wirklich alle, sind nun bis 19. März in der Kulturbäckerei zu bestaunen.

Am Anfang war der Wille, Ordnung zu schaffen: Karsten Junge, Geschäftsführer der Lüneburger Sparkassenstiftung, entdeckte daheim auf dem Dachboden zwei Pappschachteln mit alten Starschnitt-Fragmenten und spürte sofort wieder die Begeisterung für die Helden der Jugend: Marc Bolan umd Micky Finn von T. Rex im metallicgrünen Outfit, Alice Cooper mit finsterer Miene, Suzie Quadro — „leider ohne Knie und Busen“. Daraus wuchs ein Recherche-Projekt, das erst mit dem letzten Bogen abgeschlossen war — ohne den Po von Uschi Glas, die flotte Frisur von Freddy Quinn und den „Bärentöter“ von Lex Barker alias Old Shatterhand wäre das alles nicht wirklich rund: Zeitschriften-Seiten mit Körperteilen von 160 Männer und 30 Frauen galt es zusammenzutragen. Die Ausstellung (mit Faksimiles, Originale sind zu kostbar und anfällig) darf nun als einzigartig gelten.

Für die Beatles mussten ihre Fans 39 Hefte sammeln

Wer John und Paul, George und Ringo komplett in seiner Bude haben wollte, musste 39 Bravo-Hefte im Wochenrhythmus sammeln — zuverlässiger konnte keine Redaktion ihre Leser/innen langfristig an ihr Produkt binden, 1992 allerdings wurde die Serie für acht Jahre ausgesetzt. Steven Spielbergs einsames Alien E.T. („Nach Hause telefonieren!“) brauchte nur zehn Teile, die Village People („In the Navy…“) stattliche 53, da gab es dann aber mehrere Teile pro Heft. Zwei Sportler (Boris Becker und US-Schwimmer Mark Spitz) sind dabei, außerdem die WM-Fußballmannschaft von 1974 — ohne Berti Vogts: Die Serie sollte rechtzeitig vor dem ersten Anpfiff abgeschlossen sein, und da fiel der bei Angreifern gefürchtete „Terrier“ hinten runter.

Den Schwerpunkt bilden Schauspieler und — zunehmend — die Popstars der jungen Leser, die dann auch irgendwann nicht mehr gesiezt, sondern kumpelhaft geduzt wurden. Agneta, Björn, Benny und Anni-Frid, 1977 im Heft, waren so begehrt, dass der Bravo-Verlag irgendwann bei den Nachbestellungen fehlender ABBA-Hefte passen musste. Winnetou alias Pierre Brice schaffte es gleich drei Mal als Starschnitt-Model, Ricky Shane und Britney Spears beispielsweise je zwei Mal. Andere Stars — begreife einer die Entscheidungskriterien — waren überhaupt nicht vertreten, Prince, Falco und Grönemeyer etwa, nicht Robbi Williams und die Spice Girls, auch nicht die Stones. Mick Jagger immerhin gibt es solo. Er war im schwarzen Anzug zum Foto-Shooting erschienen, der Fotograf überredete ihn zu einem T-Shirt, das heute eher uncool wirkt. Überhaupt hat die Präsentation — neben dem Nostalgiefaktor — ihren Wert als Dokumentation, etwa bei der Mode.

Pilzköpfe als Papierhelme

Es gab auch Kuriositäten zum Ausschneiden: Mobilés mit Western- und Popstars beispielsweise, und die Ranch Ponderosa (aus der Serie „Bonanza“) als Bausatz. Und für diejenigen, dessen Eltern keine Beatles-Frisur erlaubten, hatte Bravo den Pilzkopf als Papierhelm im Angebot — der war aber kein Ersatz und sah eher nach Kinderfasching aus. Eine zeitgenössische Musikbox rundet die Ausstellung ab, betriebsfähig natürlich. „Zwei Songs kosteten eine Mark“, so Karsten Junge, „das war damals für uns eine Menge Geld.“