Aktuell
Home | Lokales | Stallpflicht: Aus Freiland- wird Bodenhaltung
Henrik Burmester muss seine Eier wegen der anhaltenden Stallpflicht in Teilen des Landkreises Lüneburg ab Sonntag mit einem neuen Code versehen, als Eier aus Bodenhaltung kennzeichnen. Foto: phs
Henrik Burmester muss seine Eier wegen der anhaltenden Stallpflicht in Teilen des Landkreises Lüneburg ab Sonntag mit einem neuen Code versehen, als Eier aus Bodenhaltung kennzeichnen. Foto: phs

Stallpflicht: Aus Freiland- wird Bodenhaltung

Von Anna Sprockhoff
Bleckede/Köhlingen. Am Sonntag, 26. Februar, endete für Hühnerhalter wie Henrik Burmester die Schonfrist: Seit mehr als zwölf Wochen muss er nun seine Hennen dann aus Schutz vor der Geflügelpest im Stall lassen und das heißt für den Landwirt aus Bleckede: Er darf seine Eier nicht mehr als Freiland-Eier vermarkten, sondern muss sie als Eier aus Bodenhaltung kennzeichnen (Eier-Code 2 statt 1). Anders sieht es bei seinen Kollegen aus, die wie er weiterhin von der Stallpflicht betroffen sind und Legehennen nach Bio-Kriterien halten. Ihre Eier bleiben vorerst Bio-Eier (Eier-Code 0) — auch ohne Freilauf.

Im westlichen Teil des Landkreises indes müssen sich die Hühnerhalter um Fragen der Kennzeichnung vorerst keine Sorgen mehr machen. Sie können ihre Tiere seit vergangenem Sonntag, 19. Februar, wieder ins Freie lassen — und sind damit gerade noch innerhalb der Schonfrist geblieben. Insgesamt zwölf Wochen lang dürfen Landwirte ihre Eier offiziell als Freiland-Ware vermarkten, obwohl wegen der Stallpflicht die Mindestanforderungen an diese Haltungsart nicht eingehalten werden. Danach schreibt der Gesetzgeber eine Um-Kennzeichnung auf Bodenhaltung vor.

Andere Regeln für Bio-Bauern

Andere Regeln gelten für Bio-Bauern. Christian Pahlow zum Beispiel hält in Köhlingen bei Tosterglope Legehennen nach Demeter-Richtlinien. Und solange seine Hennen genug Platz haben und mindestens ein Drittel ihrer Lebenszeit im Freiland verbringen, erfüllt Pahlow die Anforderungen an Bio-Demeter-Eier. Grundsätzlich gilt für alle Bio-Legehennen-Halter: Sie dürfen ihre Eier auch dann als Bio-Eier verkaufen, wenn die Hennen nicht im Freiland leben. „Bio bedeutet mehr, als draußen herumlaufen zu können“, sagt Ulrich Ebert vom Öko-Kompetenzzentrum in Visselhövede, „da gibt es besondere Bestimmungen für Futter und Haltung auch im Stall.“ Solange die erfüllt sind, bleibt es bei Bio.

Dass auch Henrik Burmester versucht, seinen Hühnern trotz Stallpflicht ein gutes Leben zu bieten, spielt bei der Kennzeichnung keine Rolle. Deswegen legt er künftig jedem Eier-Karton ein Informationsschreiben bei und erklärt seinen Kunden: „Den Hennen geht es gut, sie bekommen zusätzlich zum normalen Futter Luzerneheu, Rote Beete und Kartoffeln.“ Auf den Pappen mit dem Freiland-Schriftzug klebt zudem ein Zettel mit dem Hinweis: „Vorübergehend zum Schutz unserer Legehennen Eier aus Bodenhaltung (mit Wintergartenauslauf)“. Und Burmester hofft auf Verständnis, dass seine Eier nach wie vor zum gleichen Preis verkauft werden. „Die Stallpflicht ist eine enorme Mehrbelastung für uns, da können wir nicht auch noch billiger werden.“

Schutz vor der aktuell grassierenden Geflügelpest

Wann die Stallpflicht auch in den Gebieten im Nordosten des Landkreises fällt, ist bisher nicht absehbar. Vor einer Woche hatte der Landkreis Lüneburg die Auflage aufgrund eines Erlasses des niedersächsischen Umweltministeriums in Teilen des Landkreises aufgehoben, in den „Vogelzuggebieten an der Elbe und weiteren für Wildvögel wichtigen Lebensbereichen“ zum Schutz vor der aktuell grassierenden Geflügelpest aber vorerst beibehalten.

Was steht auf dem Ei

An einem Code auf der Schale, kann man als Verbraucher erkennen, woher ein Ei kommt. Die Ziffer an erster Stelle gibt die Art der Haltung an. 0 steht für Bio-, 1 für Freiland-, 2 für Boden- und 3 für Käfig- und Kleingruppenhaltung. Die Buchstaben an zweiter und dritter Stelle des Codes verraten das Herkunftsland, so steht DE für Deutschland oder PL für Polen. Die letzten Ziffern ermöglichen die Identifizierung des konkreten Betriebes. Dabei geben die ersten beiden Ziffern das Bundesland an, von 01 für Schleswig-Holstein über 03 für Niedersachsen bis 16 für Thüringen. Die letzten vier Ziffern stehen für den produzierenden Betrieb. Wer als Betrieb an dem Herkunftssicherungs- und Kontrollsystem des „KAT — Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen“ teilnimmt, kann über die Internetseite www.was-steht-auf-dem-ei.de gefunden werden, dort kann man den Code direkt eingeben.