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Bei der Versammlung in Adendorf wurden Kreisbrandmeister Torsten Hensel (M.) und sein Stellvertreter Thorsten Diesterhöft (l.) in ihren Ämtern bestätigt. Als neu gewählter Stellvertreter ergänzt Stephan Dick das Trio an der Spitze der Feuerwehren im Kreis. Foto: phs

Nachwuchs quittiert zunehmend den Dienst

Von Ute Lühr
Adendorf . Es ist ein Thema, das wohl alle Vereine beschäftigt — aber bei keinem derart fatale Auswirkungen hat wie bei der Feuerwehr: Nachwuchsmangel. Insgesamt 856 Heranwachsende sind derzeit in den 63 Jugendwehren in Stadt und Landkreis Lüneburg aktiv, nach 152 im Jahr 2015 haben im vergangenen Jahr erneut 122 den Dienst quittiert. „Eine besorgniserregende Entwicklung“, wie Kreisbrandmeister Torsten Hensel jetzt während der Jahresversammlung der Kreisfeuerwehr in Adendorf berichtete. Denn die Arbeit wird nicht weniger.

Zu 1725 Einsätzen wurden die ehrenamtlichen Feuerwehrleute im vergangenen Jahr gerufen, das waren noch einmal 346 mehr als 2015 und damit der zweithöchste Wert seit 1993. Einen Brand mussten sie dabei in nur 18 Prozent der Fälle (315) bekämpfen, 1109-mal rückten sie zu Hilfeleistungen (64 Prozent der Einsätze), aber auch rund 300-mal zu Fehlalarmen aus. „Heimrauchmelder gingen in 51 Fällen fälschlicherweise los“, berichtete Hensel, „allerdings wurden in 26 Fällen Entstehungsbrände durch eben diese Geräte gemeldet, größere Schäden konnten durch den schnellen Einsatz verhindert werden.“ Die Verpflichtung, auch in Privathaushalten Rauchmelder zu installieren, habe sich damit bewährt.

Wenn ein Alarm eingeht, rücken die Brandschützer aus

Besonders häufig ausrücken mussten die Frauen und Männer der Wehren im Kreis am 8. und 9. November, als der plötzliche Wintereinbruch zu entwurzelten Bäumen und abgebrochenen Ästen führte. „Häufig waren die potenziellen Einsatzorte aber gar nicht auffindbar“, sagte der Kreisbrandmeister, „und in manchen Fällen zeigte sich, dass es heutzutage einfacher ist, aus dem Auto heraus die Feuerwehr zu rufen, als den Ast mal eben selbst aus dem Weg zu räumen.“ Vielen sei offenbar gar nicht bewusst, was sie manchmal unnötig in Gang setzen.

Wenn ein Alarm eingeht, rücken die Brandschützer aus — und das gut geschult und ausgerüstet: „Im vergangenen Jahr wurde durch die Städte und Gemeinden in die Sicherheit der Bürger investiert“, so Hensel. Zahlreiche Fahrzeuge wurden angeschafft, Neubauprojekte vo­rangetrieben und auch die Kreisausbildung — darunter neue Lehrgänge wie „Feuerwehr und Straßenrecht“ oder „Löschwasserentnahme aus dem örtlichen Trinkwassernetz“ — intensiv genutzt.

57 Millionen Euro für den Katastrophenschutz eingestellt

Weniger gut gewappnet seien die Feuerwehrleute allerdings im Katastrophenfall: „Seit Jahren sind im Bundeshaushalt 57 Millionen Euro für den Katastrophenschutz eingestellt“, berichtete Hensel, „und die Summe ist noch nie komplett ausgezahlt worden.“ Trotzdem warte Niedersachsen immer noch auf den Ersatz für die zwei in den Landkreisen stationierten Bundesfahrzeuge Baujahr 1986.

Warten müssen die Brandschützer auch weiterhin auf positive Nachrichten aus den Nachwuchsabteilungen: Insgesamt 38 Kinderfeuerwehren existieren derzeit in Stadt und Landkreis Lüneburg, 518 Jungen und Mädchen sind in diesen aktiv. Während an zwei Standorten die Arbeit ruht, wird in Stapel eine neue Abteilung gegründet.

Aktiv sind momentan noch 856 Heranwachsende

Sie bildet wie in allen anderen Gemeinden auch den Unterbau für die Jugendwehren, die wiederum den Nachwuchs der Einsatzabteilungen sichern. Aktiv sind momentan noch 856 Heranwachsende, Tendenz sinkend: Schule und Berufsausbildung, diverse andere Freizeitmöglichkeiten und höhere Mobilität — die Gründe für das abnehmende Interesse sind vielfältig. „Ich weiß auch nicht, wie wir da erfolgreich gegensteuern können“, gestand Hensel. Mitgliederwerbung könne aber nicht nur Aufgabe der Jugendwarte und Betreuer sein — hier seien auch Bürgermeister als Verantwortliche für den Brandschutz gefragt. Neubürger informieren, Nachbarn und Freunde ansprechen, Aktionen unterstützen: „Denn wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft“, weiß Hensel.

Dieses Motto setzten die Gemeindebrandmeister im Anschluss an den Jahresbericht gleich selber um: Nachdem Torsten Hensel als Kreisbrandmeister und Thorsten Diesterhöft als Stellvertreter für weitere sechs Jahre in ihren Ämtern bestätigt wurden, wählten die Delegierten den erst 39 Jahre alten Kreisausbildungsleiter Stephan Dick aus Gienau zum stellvertretenden Kreisbrandmeister. Er löst Henning Banse ab, der aus Altersgründen nicht wieder antreten durfte.