Aktuell
Home | Lokales | Lüneburger Douglasien sind spitze
Die Douglasie neben Förster Michael Stall ist 40 Meter groß. In einer Höhe von 1,50 Meter hat sie eine Zielstärke von 80 Zentimetern erreicht. Im kommenden Jahr soll sie gefällt, der Stamm bei der Norddeutschen Nadelwertholzsubmission angeboten werden. Foto: t&w

Lüneburger Douglasien sind spitze

Lüneburg. Das Forstamt der Hansestadt beteiligt sich seit vielen Jahren an der Norddeutschen Nadelwertholzsubmission. Bei diesem bundesweit gr ößten Versteigerungstermin werden nur die wertvollsten Hölzer angeboten. Der Lüneburger Stadtforst ist mit dem Ergebnis hoch zufrieden, denn für seine Kiefern und Douglasien wurden Preise weit über dem Durchschnitt erzielt. „Ein Grund für die sehr gute Qualität der Hölzer ist die seit Jahrzehnten praktizierte naturgemäße Waldwirtschaft“, sagt Forstamtsleiter Michael Stall.

Organisiert wird die Versteigerung von den Niedersächsischen Landesforsten, die dazu ein sogenanntes Losverzeichnis – einen Katalog – erstellen mit sämtlichen Stämmen. Ein Los können ein Stamm oder mehrere sein, vermerkt ist dazu die kürzeste und längste Länge sowie die Durchschnittslänge und die Güteklasse. „Es müssen fehlerlose Stämme sein, ohne Äste, Drehwuchs oder Krümmungen“, erläutert Stall. Das Besondere an der Submission: Die Verkäufer geben in Briefumschlägen feste Preise ab, so dass Käufer nicht wissen, was die Konkurrenz bietet. „Das bedeutet, dass Holz zu einem guten Preis verkauft wird.“ Und die Lüneburger konnten sich diesmal die Hände reiben. „Lag der Durchschnittspreis der gesamten Submission bei der Kiefer bei 132 Euro pro

Festmeter, haben wir 167 Euro erzielt. Bei der Douglasie lag der Preis der gesamten Submission bei 182 Euro pro Festmeter, unser Preis bei 231 Euro“, berichtet Stall.
Das Spitzenergebnis bietet Grund zur doppelten Freude. Denn es steht für gute Qualität. Und das bleibt bei manchem Kunden hängen, so dass er sich direkt ans Forstamt wendet und kauft. Das wiederum erspart dem Forstamt Manipulationskosten in Höhe von rund 30 Euro pro Festmeter für die Organisation, den Transport durch Fuhrunternehmer und erhöhten Aufwand.
Geschlagen wurden die Kiefern in der Deutsch Everner Heide, die Douglasien im Tiergarten. Drei Wochen vor der Submission hatte Stall die Auswahl getroffen und mit den Forstmitarbeitern besprochen. Die anderen Anbieter kommen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Zwei Gründe benennt Stall für die hohe Qualität des Lüneburger Nadelholzes: Zum einen habe man die Zielstärke im Blick. Das ist der Durchmesser, zum Beispiel 60 Zentimeter bei Kiefern, da erreiche der Stamm sein Optimum. „Lässt man den Baum dann noch älter werden, sind Pilzbefall und Fäulnis möglich, so dass er irgendwann nichts mehr wert ist.“ Die Folge ist jedoch nicht, dass alle Bäume bei einer bestimmten Zielstärke gefällt werden. Die wirtschaftliche Nutzung ist das eine, das ökologische Erhalten für das Naherholungsgebiet das andere. Beides hat Stall gleichermaßen im Blick.

Des Weiteren hält man es in Lüneburg mit der naturgemäßen Waldwirtschaft. Das heißt: „Wir durchforsten den Wald regelmäßig, aber weniger stark.“ Kahlschläge sind tabu, es werden nur Einzelbäume gefällt. Dadurch entsteht ein stufig aufgebauter Wald. Im Halbschatten wachsen die Bäume langsamer und können dadurch regelmäßigere Jahrringe bilden, die ein Wertkennzeichen sind.

Von Antje Schäfer

Ökologisch und ökonomisch

Der Lüneburger Stadtforst ist 1600 Hektar groß. Pro Jahr werden rund 8000 Festmeter geschlagen, neben Nadel- auch Laubbäume. Auf Submission kommen nur 250 Festmeter. „Das macht drei Prozent unseres Jahreseinschlages aus. Damit erreichen wir 15 bis 20 Prozent unserer Einnahmen“, erläutert Michael Stall.

Der Rest wird direkt verkauft. So geht zum Beispiel Buchenholz nach Korea, Eichenholz wurde vor kurzem für Fachwerk eingekauft. Der Wald ist nicht nur ein wichtiges ökologisches Refugium, sondern sein Holz ist wertvolles Material, aus dem vielfältige Produkte entstehen.