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Daniel Fischer (l.), Junior-Professor an der Leuphana, begrüßte (v.l.) Marco Bode, Carsten Byernetzki und Christian Röhling zu einem Podiumsgespräch. Foto: t&w

Soziale Verantwortung übernehmen

Lüneburg. Ist Fußball gerecht? Natürlich nicht – wenn zum Beispiel Bayern München gegen den SV Darmstadt antritt und der Sieger aufgrund seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten praktisch vor dem Anpfiff feststeht. Um Gerechtigkeit geht zurzeit alles in der Konferenzwoche der Leuphana. Bei einem Podiumsgespräch unter dem griffigen Titel „Wer will Boateng als Nachbarn?

Fußball als gesellschaftliche Inklusionskraft“ sprach Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen, mit zwei Männern von der Basis: Carsten Byernetzki, Pressesprecher des Hamburger Fußballverbandes, und Christian Röhling, Vorsitzender des NFV-Kreises Lüneburg.

Werder Bremen ein Vorbild in der Bundesliga

Leider blieb vieles im Vagen. Vier Themenkomplexe in kaum 90 Minuten – da konnten etliche Probleme nur angekratzt werden. Allerdings sind Bode, Byernetzki und Röhling Leute, die vor allem ihren Laden am Laufen halten wollen, pragmatisch denken und dem Fußball nicht zu viel aufbürden wollen.

„Es gibt noch genügend Hohlköpfe im Publikum.“
Carsten Byernetzki, Hamburger Fußballverband

Dabei ist gerade Bode ein eher untypischer Vertreter seiner Zunft. „Wir wollen beim SV Werder soziale Verantwortung übernehmen“, betonte der Ex-Nationalspieler, dessen Club gut ein Dutzend Mitarbeiter im Bereich Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (CSR) angestellt hat. „Ich finde es vorbildlich, was der SV Werder macht“, meinte HSV-Fan Byernetzki. Er erwähnte die Wichtigkeit von Projekten mit geflüchteten Menschen – wie auch Röhling, der meinte: „Fußball ist einfach die schnellste Art, Integration zu schaffen.“

Definitiv nicht integriert sind Homosexuelle auch drei Jahre nach dem Outing von Thomas Hitzlsperger. „Die Bundesliga ist ein sehr homophober Raum – wie unsere gesamte Gesellschaft auch“, gab Bode zu bedenken. „Es gibt noch genügend Hohlköpfe im Publikum“, ergänzte Byernetzki.

Dass die Kluft zwischen millionenschweren Stars und der Basis immer größer wird, mochte auch niemand abstreiten. „Unsere Gehälter sind absurd“, meinte der Bremer am Ende seiner aktiven Laufbahn. „Die Gehälter haben wenig damit zu tun, ob ein Spieler als Vorbild taugt“, betonte er nun 15 Jahre später. Und schon diskutierte das Trio eifrig über Schwalben und Zeitspiel.
So blieb kaum noch Zeit für die Probleme des Amateurfußballs. „Ein größerer Teil der TV-Gelder sollte zurück zu den Amateuren fließen“, forderte Bode. Ein Statement, das in der Deutschen Fußball-Liga ganz sicher keine Mehrheiten finden wird.

Von Andreas Safft