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Bislang ist Tempo 70 km/h auf der Karzer Straße erlaubt. Der Neetzer Rat möchte das ändern, will die Straße als Ortsdurchfahrt deklarieren - mit gelber Ortstafel und einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Diese Pläne gefallen nicht allen Anrainern. Foto: cw

Neu Neetze: Zwist um Karzer Straße

Neu Neetze. Tempo 50? Nein, Danke! Lutz Gründer wohnt in Neu Neetze mit Blick auf die Karzer Straße. Tempo 70 ist auf der Kreisstraße erlaubt – und wenn es nach Gründer geht, kann das auch so bleiben. Aber damit geht der Anlieger auf Konfrontationskurs mit dem neugewählten Neetzer Rat, der die Karzer Straße als Ortsdurchfahrt ausweisen möchte. Mit gelber Ortstafel, der Installation zusätzlicher Straßenbeleuchtung und einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde. Neetzes Bürgermeister Karsten Johansson (CDU) verspricht sich von diesem Vorstoß mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Lutz Gründer dagegen spricht von einem Placebo-Effekt: „Nur weil ein paar Schilder aufgestellt werden, werden Raser wohl kaum den Fuß vom Gas nehmen“, glaubt Gründer.

Allerdings hätte eine „Umwidmung“ der Kreisstraße zur Ortsdurchfahrt gravierende Folgen für die Anwohner. Denn dann sind sie, und nicht mehr der Kreis für den Reinigungs- und Winterdienst auf dem parallel verlaufenden Rad- und Fußweg in Höhe ihrer Grundstücke verantwortlich. Gründer und seine Lebenspartnerin Anke von Blumenthal müssten im Ernstfall immerhin rund 70 Meter Radweg schnee- und eisfrei halten. „Das kann es doch nicht sein“, kritisiert Gründer, der beruflich in Hamburg arbeitet und vermutlich ein Winterdienst-Unternehmen beauftragen müsste.

„Nur weil ein paar Schilder aufgestellt werden, werden Raser wohl kaum den Fuß vom Gas nehmen.“
Lutz Gründer, Anwohner

Gründer kann die Diskussion über die Verkehrssituation in Neu Neetze ohnehin nur schwer nachvollziehen: Der Charakter der kleinen Waldsiedlung sei geprägt durch die geringe Bebauungsdichte und die Eingebundenheit in Wald und Flur. Durch weitere Geschwindigkeitsreduzierungen und „Flutlicht“ werde dieser Charakter nachhaltig verändert, befürchtet der Neu Neetzer: „Das ist so, als wenn ich mir ein Haus in Flughafennähe baue und mich später über den Fluglärm beklage.“ Ohnehin sei die Straße nur zu den Stoßzeiten etwas stärker befahren. „Wenn überhaupt etwas stört, ist das zu Erntezeiten die Lärmemission der großen Traktoren.“

Die Diskussion um eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Kreisstraße, die schnurgerade durch Neu Neetze führt, ist nicht neu. Seit Jahren wird kontrovers über Lösungen diskutiert. Etliche Varianten wurden angedacht – und wieder verworfen: „Angefangen von einer Ampellösung über eine bauliche Verschwenkung der Fahrbahn bis hin zum Aufstellen von Geschwindigkeitsmesstafeln“, macht Bürgermeister Karsten Johansson deutlich. Auch das Aufstellen einer „Blitzers“ sei in Erwägung gezogen worden. Dafür aber sei der Landkreis verantwortlich.

Dass jetzt aus den Reihen der Anwohner Kritik an den Ortsdurchfahrtsplänen geäußert wird, verwundert Johansson: „In den vergangenen Jahren hatte es etliche Initiativen für eine Reduzierung der Geschwindigkeit gegeben.“ Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, seien auch Unterschriften gesammelt und bei der Gemeinde abgegeben worden.

Zum Thema Beleuchtung sagt der Bürgermeister: „Das Aufstellen der vier bis sechs Lampen wurde noch vom alten Rat beschlossen.“ Stehen sollen die Laternen auf der Seite, auf der auch der Radweg verläuft. Das war lange Zeit nicht klar. Sorge, dass die Kosten zu Lasten der Anlieger gehen könnten, zerstreut der Bürgermeister: Die Lampen würden noch vor „Umwidmung“ der Straße zur Ortsdurchfahrt aufgestellt. „Jahrelang mussten die Kinder die Fahrbahn bei schlechter Ausleuchtung queren, um die Schulbusse zu erreichen“, erklärt Johansson. Das soll schon bald der Vergangenheit angehören. Und auch die Lebensgemeinschaft Birkenhof soll nach den Vorstellungen des Rates von den Maßnahmen profitieren.

Lutz Gründer zeigt sich dennoch wenig überzeugt: „Wenn man wirklich das Tempo auf der Kreisstraße reduzieren möchte, hilft nur das Aufstellen von festen Blitzern in beiden Fahrtrichtungen in Höhe des Birkenhofes“, erklärt der Neu Neetzer – „alles andere ist Placebo!“

Von Klaus Reschke