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Zuplakatierte und beklebte Fensterscheiben der einstigen Lokale an der Schröderstraße nehmen zu. Foto: t&w

Wirtedämmerung an der Kneipenmeile

Lüneburg. Götterdämmerung an Schrangenplatz und Schröderstraße, lange Lüneburgs Top-Kneipenmeile. Im Sommer brauchte es viel Glück, um einen Platz zu ergattern. Das scheint vorbei, der Leerstand nimmt zu. Das „Mäxx“, später „Belly‘s“, ist seit Mitte 2016 dicht, das „Zwick“ seit Januar. Diese Woche verkündete Wirt Matthias Ellinger das Aus fürs „News“. Und nun soll auch noch das „Comodo“ verkauft werden. Aber dafür gibt es Interessenten und Ideen. Ein Beben in der Gastro-Szene.

Ellingers Mietvertrag fürs „News“ läuft Ende März aus. Er hat viel mit den Eigentümern verhandelt, aber zu groß sei der Investitionsstau. Ein „hoher sechsstelliger Betrag“ wäre notwendig. Gerüchte, er würde an anderer Stelle weitermachen, dementiert Ellinger. Sein Weihnachtsmarkt aber, ein Magnet in der Adventszeit, geht weiter. Ellinger ist mit Lutz Stoffregen, Chef der „Krone“, im Gespräch. Der News-Weihnachtsmarkt könnte als „Weihnachtsdorf der 100 000 Lichter“ im Innenhof des Lokals an der Heiligengeiststraße fortbestehen.

In Sichtweite des News schließt wohl bald das nächste Lokal, das erst kürzlich umgebaut und aufgeteilt wurde. Doch das Comodo, betrieben von Michael und Christos Dovas, wird gleich von mehreren Interessenten umworben. Mit einem hat die LZ gesprochen, er möchte seinen Namen noch nicht in der Zeitung lesen. Er verrät, dass man noch beim Preis verhandele. Der Unternehmer führt schon zwei Läden im Lüneburger Umland, verfügt über viele Jahre Gastronomie-Erfahrungen. Er sei auf der Suche nach einer „Top-Location“. „Aber ich habe keinen Stress, meine Läden laufen gut.“

Christos Dovas bestätigt die Spekulationen um sein Lokal. Er sei seit einem Jahr daran interessiert, sich zu verändern. „Wir stehen in Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten, die Tinte ist aber noch nicht trocken.“ Es gebe verschiedene Konzepte, so könne es gut sein, dass man nur einen Teil des Lokals veräußert oder eben das ganze. „Ende März ist die früheste Option.“ Die Angestellten seien informiert, Kündigungen für Ende März ausgesprochen.

Während sich Christos Dovas mit seiner Frau aus der Gastronomie zurückziehen will, möchte Michael Dovas in dem Bereich weitermachen. „Michael wird eventuell bei einer der Ideen eine kleine Fläche übernehmen“, sagt Christos. „Es muss aber nicht zwingend dieser Standort sein.“ Deshalb habe man einigen Mitarbeitern mitgeteilt, dass man sie behalten wolle.
Auch ein weiteres Lokal an der Schröderstraße soll Probleme haben, das „La Bella“. Die Gerüchte bestreitet der Geschäftsführer auf LZ-Nachfrage. „Wir haben zurzeit nicht geplant, bald aufzuhören.“ In der Schröderstraße sei es aber schwer geworden, das Geschäft leide. Der Name habe sich geändert, weil das Lokal jetzt eine Brasserie sei. „Italienische Speisen bieten heute fast alle in der Straße an, wir wollen auch etwas anderes machen.“

Ein Gerücht, das an der Heiligengeiststraße kursiert, ist zum Glück eine Ente. Spekulationen über ein „Mälzer“-Aus tritt Mit-Besitzer Holger Klemz entgegen: „Alles Quatsch. Richtig ist, dass unser alter Mietvertrag Ende Mai nach 20 Jahren ausläuft. Wir haben aber bereits einen neuen Mietvertrag geschlossen, der läuft über zehn Jahre.“

Von Anna Paarmann

Sorgen im Rathaus

Die Stadt betrachte die Entwicklung in der Schröderstraße und am Schrangenplatz „mit großer Sorge“, sagt Pressesprecher Daniel Gritz. „Vor zehn Jahren hatten wir eine ähnliche Entwicklung am Stint. Leider haben wir keinen Einfluss auf die Mietpreise. Wir können nur dort Einfluss auf die Vermieter nehmen, wo der Investitionsstau dazu führt, dass unsere Bauaufsicht aktiv werden muss.“

Zum Teil handele es sich auch um individuelle Problemlagen, sagt Gritz, weist aber darauf hin, dass die Verwaltung jederzeit bereit sei, sich einzubringen und für Gespräche zur Verfügung stehe. „Vermieter erkennen jetzt, dass sie nicht jede Miete nehmen können.“ Gleichwohl müsse sich aber auch die Gastronomie fragen, wo ihr Alleinstellungsmerkmal sei. Auch Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger Citymanagements und Chef des „Coffee House No. 1“ am Schrangenplatz bedauert das Kneipensterben.

Unter der Schließung leide die gesamte Schröderstraße. „Es ist aber auch eine Chance für die Straße. Ich hoffe, dass die Läden schnell wieder öffnen und dass dann auch neue Konzepte kommen, die auch ein neues Klientel ansprechen.“ Nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ würden auch die anderen Gastro-Betriebe von den Neuen profitieren. Meyer erinnert sich an seine Anfangsphase vor 15 Jahren: „Es waren megatolle Zeiten.

Die Wirte haben viele gemeinsame Aktionen wie Modenschauen, das Ostereiersuchen oder die Schlagerpartys auf die Beine gestellt. Die Aktionen und die Schröderstraßen-Szene selbst haben Lüneburg attraktiver gemacht.“ ap/rast

Es entsteht auch Neues

Die L‘Osteria An den Reeperbahnen sollte eigentlich vor Weihnachten öffnen. Chef Dirk Block verkündete jetzt bei einem „Medien-Wirtschafts Get-Together“ auf der Baustelle: „Der Pizzaofen wird Ende Mai angeschmissen.“ Das Bauen im Bestand habe Probleme bereitet.

Der Hamburger ist seit 2012 Joint-Venture-Partner der Kette L‘Osteria, die bundesweit 67 Restaurants betreibt, Block führt zwei Restaurants mit dem italienischen Konzept in Hamburg, eines in Kiel und eines in Lübeck. Ins Lüneburger Lokal des ehemaligen Inhabers Felice di Pietrantonio wurde investiert: „600 000 Euro stecken schon drin, 1,5 Millionen fließen noch.“

Die Fläche wurde von 350 Quadratmeter durch eine neue Gebäudestruktur auf 500 Quadratmeter erweitert. Das Restaurant wird etwa 180 Sitzplätze bieten, weitere 100 im Terrassenbereich. Das Schneider‘s am Wasserturm eröffnet schon in Kürze. Am Freitag, 17. März, gibt es in dem Restaurant, das die Räume des ehemaligen Elektro Kaufer übernommen hat, ein „Pre-Soft-Opening“ mit geladenen Gästen. rast

4 Kommentare

  1. Wieso erinnert sich Meyer an seine Anfangszeit vor 15 Jahren? Das hat doch vor 15 Jahren seine Mama gemacht oder war doch etwas getürkt?

  2. Bald liefert Amazon aus Winsen tagesgleich und sterben auch die nächsten Einzelhändler. Beim Komodo hört es sich ja schon fast nach Lim’s an.

  3. Diese Entwicklung ist überall zu beobachten. Die alteingesessenen Lokale und Kneipen verschwinden und weichen Shishybars, Dönerschnellimbissen,Wettbüros und 1€ Läden. Beim einem Besuch in Lübeck im Urlaub an der Ostsee war ich schockiert. Die Innenstadt ist nicht wiederzuerkennen.

    • Mit den 1500 Arbeitsplätzen, die bei Amazon in Winsen entstehen gehen wieder tausende Arbeitsplätze in den Innenstädten und dem Einzelhandel kaputt.