Donnerstag , 5. Dezember 2019
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Der Bahnhof „Alte Süderelbe“ in Hamburg-Moorburg ist der größte Containerbahnhof Europas. Foto: A

Zahl der Güterzüge in der Region steigt weiter

Hamburg/Lüneburg. Der Druck aus dem Hamburger Hafen wird größer, die Verkehrsinfrastruktur in der Region Lüneburg für den Seehafenhinterlandve rkehr auszubauen. Das wurde kürzlich bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2016 des Hamburger Hafens deutlich. Obwohl die Umschlagszahlen im Containerverkehr insgesamt nur auf vergleichsweise niedrigem Niveau gestiegen sind, erreichte der Hinterlandverkehr auf der Bahnschiene neue Rekordwerte. Der Wert der auf der Schiene transportierten Container kletterte um 2,4 Prozent auf 2,4 Millionen TEU („Twenty-foot-Equivalnt-Unit“/20-Fuß-Standardcontainer). „Für Hamburg ist die Verbesserung des Eisenbahnnetzes im Raum zwischen Hannover und Bremen beziehungsweise Hamburg von überragender Bedeutung“, sagt auf LZ-Nachfrage Susanne Meinecke, Sprecherin der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.

Manch Kritiker des angedachten Ausbaus des Schienennetzes mag in den Vorjahren gehofft haben, dass angesichts rückläufiger Umschlagszahlen auch die Dynamik im Hafenhinterlandverkehr auf der Schiene zurückgehen werde. Und sich damit auch die Diskussion um den Schienenausbau abkühlen könnte. Das Gegenteil ist zumindest mit Blick auf den Containertransport der Fall. Bereits 2015 war der Handel mit China und Russland deutlich eingebrochen, verzeichnete der Hamburger Hafen beim Containerumschlag ein dickes Minus von 9,3 Prozent, aus 9,7 wurden 8,8 Millionen TEU. Und dennoch hatte sich schon 2015 der Hinterlandverkehr gegen den Trend entwickelt, der Containerverkehr auf der Schiene erreichte im Jahr 2015 mit 2,3 Millionen TEU ebenfalls eine neue Rekordmarke mit einem Plus von 2,8 Prozent.

„Wir brauchen das dritteGleis, um den wachsenden Bedarfen gerecht zu werden.“
Daniel Gritz, Pressesprecher Stadt Lüneburg

Nun haben sich in Rückschau auf 2016 die Gesamtumschlagszahlen im Hamburger Hafen für Massengut und Container leicht erholt. Der Anteil des Container­umschlags belief sich schließlich auf 8,9 Millionen TEU, ein Plus von 1,0 Prozent. Und auch der Anteil des Containertransports auf der Schiene stieg weiter: Im Jahr 2016 wurden neben 46,4 Millionen Tonnen Gütern (plus 1,5 Prozent) rund 2,4 Millionen TEU (plus 2,4 Prozent) per Bahn in oder aus dem Hafen transportiert, heißt es bei der Hafen Hamburg Marketing (HHM).

„Für den ständigen Zuwachs der Güterzahlen auf der Schiene im Hafenhinterlandverkehr brauchen wir auch dringend den Ostkorridor als Entlastungsstrecke nach Süden und damit auch das dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen“, sagt auf LZ-Nachfrage Bengt van Beuningen, Sprecher von Hafen Hamburg Marketing. Das dritte Gleis Lüneburg-Uelzen ist ein Bestandteil des umstrittenen Ausbauprojektes „Alpha E“. Der Ostkorridor ist über Uelzen nach Stendal angebunden. Susanne Meinecke von der Hamburger Wirtschaftsbehörde sagt: „Der Ostkorridor ist ebenfalls Teil des Bundesverkehrswegeplans und im Ausbaugesetz enthalten und wird von Hamburg unterstützt.“

Grundsätzlich sagt Meinecke zur Verbesserung des Eisenbahnnetzes: „Es wird eine Lösung gebraucht, die für alle drei Verkehrsarten eine Verbesserung bringt, sowohl für die überregionalen Personen- und Güterzüge, aber die auch das Potenzial hat, den kontinuierlich anwachsenden Schienenpersonennahverkehr zwischen zum Beispiel Lüneburg und Hamburg zu ermöglichen und zu verbessern.“ Schon heute seien die Züge in der Hauptverkehrszeit sehr stark ausgelastet.

„Wir brauchen größere Kapazitäten: Die Lüneburger und Uelzener müssen nach Hamburg kommen können, die Güter in den Hafen aber auch.“ Daneben müsse es laut Meinecke für die schnellen, nichthaltenden Fernverkehrszüge kürzere Fahrzeiten geben. „Es kann nicht sein, dass man von Hamburg nach Hannover mit teilweise weniger als 130 km/h unterwegs ist.“ Alpha E könnte dafür eine Lösung sein.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist auch die Spitze der Stadt Lüneburg, einer der größten Kritiker von „Alpha E“, nicht grundsätzlich gegen das dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen: Stadtsprecher Daniel Gritz sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir brauchen das dritte Gleis für den Personenverkehr, um den wachsenden Bedarfen gerecht zu werden.“ Das habe die Stadt Lüneburg auch im Abschlussdokument des „Dialogforums Schiene Nord“ von Celle so zu Protokoll gegeben. Aber, so Gritz: „Der Güterverkehr hingegen soll über eine mindestens zweigleisige, lärmgeschützte Trasse entlang der A7 abgewickelt werden. Durch Lüneburg hindurch werden wir keine Güterzugzahlen akzeptieren jenseits des Planfeststellungsbeschlusses. Sonst können wir Lüneburg gleich abreißen, denn die Erschütterungen würden nicht nur Kloster Lüne und St. Johannis gefährden, sondern auch die Gesundheit der Anwohner entlang der Strecke.“

Um das Chaos perfekt zu machen: Während die Deutsch Everner ein drittes Gleis an der Bestandsstrecke grundsätzlich ablehnen, haben dieser Tage die bisherigen Neubautrassengegner in Gellersen aus Angst vor weiträumigen Ortsumgehungen vor ihrer Haustür einen Kurswechsel vollzogen: Der Samtgemeinderat fordert auch die Prüfung einer Bahntrasse entlang der A7, aber als Alternative zum Bestandsstrecken-Ausbau. Zur geforderten A7-Trasse sagt indes Meinecke von der Hamburger Wirtschaftsbehörde: „Da die A 7 Variante nicht in den Bundesverkehrswegeplan und in das Ausbaugesetz Eingang gefunden hat, ist eine Verwirklichung dieser Strecke derzeit nicht möglich.

Von Dennis Thomas

Personen- und Güterverkehr in Konkurrenz
Mehr als 200 Güterzüge erreichen oder verlassen täglich Europas größten Eisenbahnhafen und verbinden Hamburg mit allen Wirtschaftsregionen im Binnenland. Ein großer Teil geht über die Hauptachse Richtung Süden. Aber auch dort konkurrieren die Güter- mit den Personenzügen um die Streckenkapazitäten.

Laut Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte der Deutschen Bahn, verkehren aktuell auf dem Streckenabschnitt Lüneburg-Uelzen im Durchschnitt täglich 95 bis 100 Fernverkehrszüge (insgesamt in beide Richtungen) sowie 50 bis 55 Nahverkehrszüge und zusätzlich 170 bis 180 Güterzüge.

Laut eines Gutachtens des Bundesverkehrsministeriums würde die prognostizierte Zahl der Güterzüge im sogenannten Bezugsfall, also ohne Schienenausbau, im Jahr 2030 auf 292 Güterzüge pro Trag steigen. Bei Umsetzung des Projektes „Optimiertes Alpha-E + Bremen“ mit drittem Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen geht das Ministerium von 362 Güterzügen pro Tag aus. dth