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Organisator Michael Semrau (l.) und Referent Dr. Christoph Karczewski im gut gefüllten Hörsaal der Universität. Foto. t&w

Erbrecht: Im Falle des Falles ist Streit vermeidbar

Lüneburg. 300 Zuhörer begrüßte der Lüneburger Notar und Fachanwalt für Erbrecht Michael Semrau im Hörsaal 1 der Universität Lüneburg zum Auftakt der 10. Lünebur ger Erbrechtstage. Semrau organisiert die Veranstaltungsreihe für das Deutsche Forum für Erbrecht mit Unterstützung der Volksbank, der Volkshochschule und der LZ. Zum runden Geburtstag wurde die bisherige Reihe namhafter Referenten um einen besonderen Gast erweitert: Dr. Christoph Karczewski, Richter im Erbrechtssenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe, referierte zum Thema „Die Erbengemeinschaft: Entstehung, Verwaltung, Haftung, Auseinandersetzung“.

Nicht immer liegt Testament vor

Karczewski machte eingangs deutlich: „Nur in zirka einem Drittel der Erbfälle liegt ein Testament vor. Die dann eintretende gesetzliche Erbfolge führt fast immer dazu, dass mehrere Personen gemeinsam erben. Diese Personen bilden eine Erbengemeinschaft.“ Das Problem: Über jeden im Nachlass befindlichen Gegenstand können die Erben nur gemeinsam verfügen. Ist beispielsweise Geld da und ein Haus, kann ein Miterbe nicht seinen Anteil am Haus verkaufen, sondern nur seinen Anteil am gesamten Nachlass. „Haben sich zwei Söhne schon vorher nicht verstanden, verstehen sie sich als Miterben erst recht nicht“, weiß der Referent um die komplizierte Situation. Das führe oft zu einer Blockade. Auch andere Personen hätten darunter zu leiden, wenn beispielsweise ein Handwerker sein Geld nicht bekommt, wenn ein Miterbe ihn beauftragt, der andere Miterbe damit aber nicht einverstanden ist.

„In Notfällen kann jeder Miterbe allein handeln, um Schaden abzuwenden“, sagte Karczewski, „wenn beispielsweise ein Sturm das Dach eines Hauses abdeckt und schnell gehandelt werden muss.“ Sonst sei für Maßnahmen der ordnungsgemäßen Verwaltung des Nachlasses ein Mehrheitsbeschluss erforderlich. „Der ist häufig nicht zu erlangen, wenn bei zwei Erben unterschiedliche Auffassungen bestehen, was zu tun ist.“

Problematik im Schuldenfall

Besonders kompliziert sei es, wenn ein Miterbe selbst der Erbengemeinschaft etwas schulde, weil etwa die verstorbene Mutter einem der Kinder früher einmal ein Darlehen gegeben hatte, das noch offen ist. Die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft ist erst abgeschlossen, wenn alle Forderungen eingezogen, alle Schulden bezahlt und alle Nachlassgegenstände unter den Erben verteilt sind. „Das ist oft ein steiniger Weg“, weiß der Richter. Sein Tipp: „Wenn möglich, die Erbengemeinschaft vermeiden. Ein sachgerechtes Testament kann viel Ärger ersparen“.
Die Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt am Donnerstag, 16. März, um 18 Uhr mit dem Thema „Vollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung – Was ist wichtig?“. Referent ist Michael Semrau. Kostenfreie Eintrittskarten sind erhältlich unter anderem im Service-Center der LZ, Am Sande. lz