Aktuell
Home | Lokales | Krötenwanderung: Autofahrer sollten Rücksicht nehmen
Im Frühjahr machen sich Erdkröten und Co. wieder auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Für viele Tiere endet die Reise jedoch häufig mit dem Tod auf der Straße. Foto: sonja haase

Krötenwanderung: Autofahrer sollten Rücksicht nehmen

Lüneburg. Der Frühling kommt, die Temperaturen steigen und somit machen sie sich wieder zu Tausenden auf den Weg zu ihren Laichgewässern: Kröten, Frösche und Mo lche. Unterwegs lauern nicht nur Räuber wie Graureiher, Storch oder Iltis auf die Amphibien, sondern viele müssen auf ihrer bis zu zwei Kilometer langen Wanderung auch Straßen überqueren. Für viele das Todesurteil. Der Naturschützer bittet Autofahrer deshalb, Rücksicht auf die kleinen Tiere zu nehmen.

Überall, wo Kröten, Frösche und Molche unterwegs sein könnten, sollte man das Tempo auf 30 Kilometer in der Stunde drosseln. Hinweisschilder an den Straßenrändern weisen auf kritische Streckenabschnitte hin, in denen besonders viele Amphibien wandern – auch im Kreis Lüneburg. Zu finden sind die Schilder zum Beispiel beim Hasenburger Teich oder am Bockelsberg. Vor allem auf Straßen, in deren Nähe sich eine Kombination aus Wald, Wiese und Gewässer befindet, ist derzeit besondere Vorsicht geboten, sagt Mathias Holsten von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.

Krötenwanderung bleibt unterschätzt

Eine oft unterschätzte Gefahr für die Tiere ist laut Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen der Strömungsdruck der Fahrzeuge. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 Stundenkilometern werden demnach auch Amphibien getötet, die am Straßenrand sitzen. Der Grund: Der Strömungsdruck der vorbeifahrenden Autos bringt ihre inneren Organe zum Platzen.

„Am besten tagsüber fahren und abends überlegen, ob es nötig ist, das Auto zu nehmen.“
Mathias Holsten, Untere Naturschutzbehörde

Der Beginn der Krötenwanderung ist witterungsabhängig. Ab einer Nachttemperatur von fünf Grad Celsius verlassen wechselwarme Tiere wie Molch, Erdkröte, Moor- und Grasfrosch ihr Winterquartier und machen sich auf zur Hochzeitswanderung. „Das passiert meistens in der Abenddämmerung und vor allem bei regnerischem Wetter, denn die Feuchtigkeit ist wichtig für die empfindliche Haut der Amphibien“, erklärt Holsten. Sein Rat an Autofahrer: „Am besten tagsüber fahren und abends überlegen, ob es nötig ist, das Auto zu nehmen“. Kröten, Frösche und Molche müssten geschützt werden, da ihre Lebensräume durch den Bau von Straßen zunehmend verloren gingen.

Amphibien melden

Neben dem Aufstellen von Krötenzäunen oder Tunneln nennt Holsten als weitere Hilfsmöglichkeit das Anlegen von Teichen in der Nähe der Überwinterungsstellen: „So haben es die Tiere nicht so weit und müssen gar nicht erst Straßen überqueren.“ Jeder der das möchte, könne dies machen, nur müsse er sich dafür das Einverständnis des jeweiligen Grundstücksbesitzers einholen, erklärt er.

Doch woher wissen die Tiere, zu welchem Laichgewässer sie aufbrechen müssen? Die meisten machen sich auf den Weg zu dem Gewässer, in dem sie ihre eigene Larvenentwicklung durchlebt haben. „Manche probieren aber auch mal etwas Neues, das ist so wie im normalen Leben auch“, scherzt Holsten.

Um eine bessere Übersicht über die Amphibienwanderung in Niedersachsen zu erhalten, ruft der Nabu Niedersachsen dazu auf, Funde von Kröten, Fröschen und Molchen zu melden. Alle Naturfreunde, die bei der Zählaktion mitmachen möchten, können ihre Beobachtungen online auf der Webseite www.nabu-naturgucker.de eintragen.

Von Patricia Luft