Aktuell
Home | Lokales | Unterwegs mit dem Fahrradbus
Radeln munter mit ihren Fahrradbussen durch die Stadt: Jakob Kohlbrenner (v.l.), Tina Brenneisen, Ferdinand Revellio, Charlotte Griestop und Philipp Köder, verdeckt im angehängten Wagen. Foto: t&w

Unterwegs mit dem Fahrradbus

Lüneburg. Sie sind sich sicher, dass ihr Gefährt das Auto ersetzen kann und entwickeln gerade ein System zum Verleih ihrer Fahrradbusse. Die Vision der fünf jungen Leute aus Lüneburg und der Nähe von Stuttgart ist eine echte Alternative zur High-Tech-Kultur auf innerstädtischen Straßen. Charlotte Griestop (24), Tina Brenneisen (24) und Jakob Kohlbrenner (24) studieren an der Leuphana, Ferdinand Revellio (26) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni und Tüftler Philipp Köder (30) ist in der Umweltbildung tätig. Mit ihrem Fahrradbus-Projekt nehmen sie aktuell an dem von der Universität Kiel ausgeschriebenen Yooweedoo Ideenwettbewerb teil, bis heute kann für die Lüneburger unter yooweedoo im Internet gestimmt werden, mit aktuell 200 Stimmen liegen sie auf Rang 13.

Kreativität in Sachen Mobilität

Die Idee für den Fahrradbus, den es als Zweisitzer gibt, der aber auch für vier und sechs Personen ausgebaut werden kann, entstand 2013 beim Treffen einer Jugendgruppe des BUND. Philipp Köder: „Wir wollten etwas entwickeln, mit dem man auf Veranstaltungen zeigen kann, was in Sachen Mobilität möglich ist. Der Name Fahrradbus war damals schon klar.“ Und der Bauplan war nach sechs Monaten fertig, realisiert werden konnte das Projekt aber noch nicht: „Es fehlte an Geld, alleine das Material für einen Bus kostet mehr als 2500 Euro.“ Das Geld kam mit Emil Almenröder, der im Frühjahr 2014 einstieg. In einer Woche wurden gleich drei Gefährte gefertigt, heute sind es sechs.

2015 fuhren junge Leute mit Fahrradbussen beim Projekt „Wander-Uni“ 2000 Kilometer quer durch Deutschland, im Sommer 2016 nahm das aktuelle Team an einer großen Tour von Stuttgart zum Klima-Camp nach Köln teil, strampelte dann weiter nach Lüneburg. „Die Vorteile des Fahrradbusses gegenüber einem normalen Rad sind, dass man nebeneinander sitzt, quatschen und Musik machen kann“, erzählt Charlotte Griestop. Jakob Kohlbrenner: „Damit kann man auch Leute beispielsweise vom Bahnhof abholen. Wir haben sogar schon spontan an Bushaltestellen wartende Menschen mitgenommen. Unsere Nutzungsgebiete sind die Stadt und Reisen.“

Für Einkäufe ist der Fahrradbus ideal, weiß Tina Brenneisen: „Und unser Schwerlastanhänger, der jederzeit leicht angekoppelt werden kann, ist sogar für Umzüge geeignet.“ Ein weiterer Vorteil laut Ferdinand Revellio: „Sie sind leicht verstaubar, lassen sich hochkant an Wände stellen.“

Positive Rückmeldung vom Straßenrand

Nach der Straßenverkehrsordnung dürfte so ein Gefährt 18 Meter lang sein. „Aus Sicherheitsgründen machen wir das aber natürlich nicht“, sagt Phi­lipp Köder und macht klar: „Zusammen mit sechs Mitfahrern kommen schon rund 700 Kilo auf die Waage.“ So bleibt‘s also höchstens bei drei aneinander gereihte Wagen. Diese Busse haben übrigens auch Tachos, es werden Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h erreicht – wie mit einem normalen Rad auch.

Vom Straßenrand gab‘s immer wieder positive Rückmeldungen – und die Frage, ob man sich die Fahrradbusse ausleihen könne. Das Team entwickelt gerade ein System, auch für die Finanzierung. Jakob Kohlbrenner: „Wir haben ja Kosten durch Verschleiß, Wartung und Neubau.“ Und da die Fahrradbusse sich nicht so fahren lassen wie ein normales Rad und auch deutlich breiter sind, sollten potenzielle Kunden vorher eine kurze Schulung absolvieren und dann eine Bestätigung erhalten – den Fahrradbus-Führerschein.