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Im Audimax, das Platz für bis zu 1150 Personen bietet, wird zurzeit die Technik getestet. Noch sind die roten Sitze in Plastik gehüllt, bei der Eröffnungsfeier am Sonnabend kommen sie zum Einsatz. Foto: t&w

Im Libeskind-Bau ist es auch an grauen Tagen hell

Lüneburg. Rasim Kamal tunkt seine Rolle tief in den Farbeimer auf der weitläufigen Brücke oberhalb des Foyers und läs st sie über die weiße Wand gleiten. Tomatenrot wird eine dominierende Farbe im Zentralgebäude der Leuphana, neben Weiß, Titanzink und Sichtbeton. Um Kamal herum ein Heer von Handwerkern, die malen, Fußböden verlegen, Technik installieren.

Vor Türen und Durchgängen hängen Trassierbänder, Spanplatten liegen zum Schutz auf dunkelbraunen Holzböden im Foyer, und im Audimax sind noch fast alle roten Sitze in Folie verpackt. Dazwischen prüfen Spezialisten den Ton. Sonnabendmorgen werden dort mehr als 800 geladene Gäste das neue Zentralgebäude der Leuphana feiern.

Der gut 100 Millionen Euro teure Bau bricht mit allem, was architektonisch bisher an der Uni ge- und umgebaut wurde. Ein Solitär. Sonnabend wird er zwar eingeweiht, aber es braucht noch Zeit, bis alle Räume bezugsfertig sind, und Monate, bis die Uni ihr neues High-Tech-Gebäude vollständig in Beschlag nimmt.

Der erste Blick ins neue Gebäude

Im Foyer steht Uni-Präsident Sascha Spoun und schwärmt einem Journalisten-Pulk von der Strahlkraft des Libeskind-Baus vor. Er deutet auf den Haupteingang, auf die Achse durchs Foyer zum Campus, „und da liegt dann das grüne Biotop“. Später. Noch steht da eine Batterie von dreißig Baucontainern. Spoun weiß: „Das Gebäude ist in Betrieb, aber es ist natürlich noch viel zu tun. Die Container werden auch nach der Eröffnung noch da sein, darum ist es ja auch nur ein Auftakt.

Hier unten wird es offen und empfänglich sein und die Qualitäten bieten können, die alle erwarten.“
Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff ist zuversichtlich. Er ist jetzt täglich im Bau. Noch vor ein paar Tagen sei er beim Gang durchs Zentralgebäude nachdenklich geworden, aber er sehe, was Tag für Tag passiert, und das beruhigt. „Das schaffen die.“ Das klingt auch nach vielen Nachtschichten.

Im Auditorium sitzen die Techniker von „Protones“ an Rechnern und Mischpult, regeln den Ton fürs Grand Opening. Sascha Spoun klatscht provokativ in die Hände. „Sie hören ja, kein Widerhall.“ Das Auditorium ist nicht die Elbphilharmonie, soll aber für viele Veranstaltungen im Jahr gebucht werden. Dafür sorgt eine Veranstaltungsgesellschaft. Denn über die Vermietung müssen Betriebskosten eingespielt werden. Das Audimax ist für 1150 Personen sitzend zugelassen, 2500 Personen stehend mit Foyer und Forum. Die aufsteigenden Sitzreihen des Audimax lassen sich zusammenfahren und „parken“.

Uni-Präsident Spoun ist noch dabei, sein Gebäude zu erkunden, einen Lieblingsraum hat er noch nicht, aber ganz oben im 37 Meter hohen Gebäude gebe es eine spektakuläre Aussicht vom Campus auf die 1000-jährige Salzstadt. „In der Lounge im 6. Stock kann man wunderbar diskutieren.“ Das Zentralgebäude ist für Spoun wie die Leuphana, mit Anspruch, mit überraschenden Sichtweisen, ein Spiegel der Forschung, ein Ort, der zur Kommunikation einlädt. „Sie haben immer Licht, es ist selbst an diesem grauen Tag hell. Es steht für das Wechselspiel von innen und außen, es lädt ein, lässt aber auch Konzentration zu. Es hat offene Felder für Gespräche, aber auch Rückzugsorte.“

Und was die fehlenden Millionen für den Bau angeht, auch da ist Spoun Optimist: „Ich bin überzeugt, dass der Ministerpräsident die Qualität der Stadt Lüneburg, die Qualitäten der Leuphana und die Qualitäten dieses Gebäudes versteht und angemessene Entscheidungen fällt.“

Von Anna Paarmann und Hans-Herbert Jenckel

3 Kommentare

  1. Spoun: „Ich bin überzeugt, dass der Ministerpräsident die Qualität der Stadt Lüneburg, die Qualitäten der Leuphana und die Qualitäten dieses Gebäudes versteht und angemessene Entscheidungen fällt.“

    Auch wenn er „die Qualitäten der Leuphana und die Qualitäten dieses Gebäudes“ n i c h t versteht, wird der Ministerpräsident weitere Steuergelder in den Protzbau pumpen m ü s s e n, denn er hat sich, als er im Frühjahr 2013 den letztmöglichen Abrisstermin hat verstreichen lassen, erpressbar gemacht. Allerdings glaube ich nicht, dass Weil, genausowenig übrigens wie Althusmann, mit diesen „Qualitätsträgern“ im kommenden Wahlkampf wird zu punkten versuchen. Wer das probiert, dessen Niederlage dürfte wohl ab dem Moment feststehen. Auf den Homepages des SPD-Ministerpräsidenten und seines Neu-Seevetaler CDU-Herausforderers ist vom Libeskind-Bau jedenfalls genausowenig zu finden, wie auf derjenigen vom Architekten Daniel Libeskind selbst (vgl: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/471532-universitaet-bekommt-ihre-allee#comment-78611).

    Auf die neue Spounsche Lieblingsfloskelhaspelei, das Zentralgebäude sei „wie die Leuphana, mit Anspruch, mit überraschenden Sichtweisen, ein Spiegel der Forschung“, ist von Sophie Holst bereits gestern mit saftigem Sarkasmus reagiert worden: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/471532-universitaet-bekommt-ihre-allee#comment-78792

  2. »Im Foyer steht Uni-Präsident Sascha Spoun und schwärmt einem Journalisten-Pulk von der Strahlkraft des Libeskind-Baus vor.«

    Kurt Tucholsky beobachtet das und notiert sich: »Die Zeit schreit nach Satire!«

    Im Duden steht, ein Pfau sei ein »eine kleine Federkrone auf dem Scheitel tragender, auf dem Boden lebender Vogel, bei dem das männliche Tier lange, von großen, schillernden, augenähnlichen Flecken gezierte, zu einem Rad aufrichtbare Schwanzfedern besitzt« und ein Papagei sei ein »bunt gefiederter tropischer Vogel mit kurzem, abwärtsgebogenem Schnabel, der die Fähigkeit hat, Wörter nachzusprechen und zu wiederholen«.

  3. Was für ein Arroganz. Das Geld anderer ausgeben und lächeln.