Mittwoch , 19. September 2018
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Dass durch Reppenstedts Ortszentrum das Kulturdenkmal Landwehr verläuft, ist auch für Einheimische nicht unbedingt sofort erkennbar. Zu unscheinbar ist der Weg rechts neben dem Durchfahrtsverbotsschild. (Foto: dth)

Reppenstedt: Geld für Kulturdenkmal Landwehr

Reppenstedt. Schön soll es werden. Durch den Bau der zwei Kreisel in Reppenstedt vor wenigen Jahren wurde zumindest die Aufenthaltsdauer im Ortszentrum für viele verlängert. Damit Anwohner wie Auswärtige aber nicht nur kreisend, sondern gezielt und vor allem länger in Reppenstedts Mitte verweilen, bietet die Städtebauförderung neue Chancen: Insgesamt 4,9 Millionen Euro Fördermittel stehen der Gemeinde in den nächsten zehn Jahren zur Verfügung, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Alte und neue Ideen stellte das Planungsbüro Patt im Auftrag der Kommune jetzt bei einem Workshop mit mehr als 80 Bürgern zur Diskussion. Manche Idee klang schon an, als vor Jahren die Neugestaltung von Reppenstedts Mitte noch unter der Überschrift „Landwehr-Center“ debattiert wurde. Das Thema Landwehr wird auch künftig Leitmotiv bleiben.

Die letzten Versuche, das Zentrum attraktiver zu gestalten, hatte die Gemeinde mit der Umgestaltung des Landwehrplatzes gegenüber dem Rathaus unternommen, einen Brunnen gesetzt sowie Bäume auf dem Platz gepflanzt, um die Linie zur Landwehr fortzusetzen, da das historische Kulturdenkmal die Siedlungsstruktur des Ortes prägt. Daran soll das neue Projekt der Städtebauförderung anknüpfen.

Bürgerpark mit Pavillon 

„Städte und Gemeinden stehen vor neuen Herausforderungen und Aufgaben. Sie müssen bereit sein, die erforderliche soziale, ökologische und wirtschaftliche Modernisierung aktiv zu gestalten sowie den demografischen Wandel berücksichtigen“, sagte Reppenstedts Bürgermeister Peter Bergen in der Mensa der Grundschule.

Konkrete Vorschläge dazu skizzierte Diplom-Ingenieur Frank Patt. Im Mittelpunkt steht weiter der Landwehrplatz, der um die Dachtmisser Straße zwischen Rathaus und dem neuen Dorftreffpunkt Gellersen-Haus erweitert werden könnte. Der Verkehr würde dort zwar weiterhin fließen, allerdings in einem Verkehrsraum für alle („Shared Space“), den sich Autofahrer, Radler und Fußgänger teilen, so eine Idee.

Der Eingang zur Landwehr könnte neu inszeniert werden und im hinteren Bereich der Bebauung, wo derzeit noch Acker ist, könnte ein Bürgerpark mit Pavillon und Spielgeräten für Jung und Alt entstehen.

„Städte und Gemeinden stehen vor neuen Aufgaben.“
Peter Bergen,
Bürgermeister Reppenstedt

Steigerung der Grundstückspreise

Kritik äußerte bei der Versammlung Anwohner Uwe Heilmann, der wie andere mit seinem privaten Haus ungefragt in das sogenannte Sanierungsgebiet einbezogen wurde und später, sollten die Maßnahmen nachweislich zu einer Steigerung der Grundstückspreise führen, für die Verbesserung zur Kasse gebeten werden soll. Heilmann: „Das ist eine Farce! Erst überfahren Sie uns mit dem Sanierungsgebiet, und jetzt, wo alles entschieden ist, fragen Sie uns, wo ein Baum gepflanzt und ein Mülleimer aufgestellt werden soll.“

Die große Mehrheit der Anwesenden beteiligte sich allerdings rege an den Arbeitsgruppen und entwickelte eigene Vorschläge. Die sollen in die Projektskizzen einfließen und bei einem zweiten Workshop diskutiert werden. Über die tatsächlichen Maßnahmen entscheidet schließlich der Gemeinderat.

Aber nicht nur über gemeindeeigene Flächen hat sich das Planer-Team Gedanken gemacht, sondern es hat auch Änderungsvorschläge zu privaten Grundstücken vorgelegt. Sei es für den Fall eines Neubaus des Rewe-Marktes, der etwas zurückgesetzt entstehen könnte, um Platz für mehr Parkplätze und öffentlichen Raum zu schaffen.

Landwehr ist rund 600 Jahre alt

Zudem dachte Patt laut nach über Café-Bereiche vor Ladenzeilen bis hin zu einer baulichen Neuinterpretation des längst abgerissenen, historischen Wachturms an der Eulenburg, der einst in der heutigen Ortsdurchfahrt stand. Zudem sprach er sich dafür aus, die Struktur von Reppenstedts letzter erhaltener Hofstelle im Wiesenweg zu erhalten.

Nicht allen historischen Gebäuden Reppenstedts war eine blühende Zukunft, wie etwa dem Porthhof, beschieden. 2008 war der Petersen-Hof mit einem niedersächsischen Hallenhaus abgerissen worden, um Platz für das heutige Seniorenzentrum zu schaffen. Mit der Neugestaltung des Ortszentrums will man sich nun wieder auf historische Strukturen zurückbesinnen.

Übrigens: Die Alte Landwehr ist rund 600 Jahre alt, beginnt an der Ilmenau nordwestlich von Lüneburg und führt über Bardowick, Vögelsen, Reppenstedt und Oedeme zur Roten Schleuse. Die heute bewaldete Anlage aus Wall und Gräben sollte im Mittelalter vor allem die Umfahrung der Stadt Lüneburg verhindern, so dass die Händler ihre Waren in der Stadt anbieten mussten.

Von Dennis Thomas

One comment

  1. „Städte und Gemeinden stehen vor neuen Aufgaben.“
    Peter Bergen,
    Bürgermeister Reppenstedt
    Nanu, neue Aufgaben trotz Schuldenbremse? Wer soll denn jetzt wieder gemolken werden?