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Anwohner wünschen sich, dass der Charakter ihrer Siedlung am Bockelsberg-Ost erhalten bleibt. Die Stadt hat jetzt Pläne für einen Bebauungsplan vorgestellt. Foto: A/be

Regeln für den Bockelsberg-Ost

Lüneburg. Die einen wollen den Charakter ihres Viertels Bockelsberg-Ost erhalten und engagieren sich in einer Bürgerinitiative (BI), andere h ingegen glauben, zu viele Einschränkungen tun dem Quartier nicht gut, weil sich Ansprüche ans Wohnen verändern. Nun stellten Stadtbaurätin Heike Gundermann und ihre Mitarbeiter Entwürfe für einen Bebauungsplan vor. Rund 70 Anwohner und Interessierte waren ins Glockenhaus gekommen.

Wie berichtet, hatte sich nach dem Abriss einer Villa und dem Neubau eines Gebäudes im Roten Feld die BI Bauentwicklung gegründet. Ziel: Gewachsene Stadtteile sollen ihr Antlitz bewahren. Besonders aktiv ist die Gruppe am Bockelsberg-Ost. Dort wollen Prof. Dr. Heiner Willenberg und seine Mitstreiter erreichen, dass die Stadt einen Bebauungsplan aufstellt, die bisherige Regelung lasse aus ihrer Sicht zu viele Gestaltungsmöglichkeiten zu, die dem gewachsenen Ensemble widersprechen könnten. Ihr Einsatz führte dazu, dass die Stadt im Sommer 2015 eine zweijährige Veränderungssperre für das Gebiet erließ, um eben einen Bebauungsplan entwickeln zu können.

Die Verwaltung hat den Ist-Zustand des Karrees detailliert dokumentiert. Tobias Neumann erläuterte mögliche Perspektiven. Im Gebiet liegen 146 Grundstücke, 57 Gebäude verfügen über ein Vollgeschoss, 89 über zwei Vollgeschosse. Die Traufhöhe zur Straße liegt nur in vier Fällen bei mehr als sechs Metern, in der Regel deutlich darunter. Die Grundflächenzahl betrage zumeist 0,2, das bedeutet von beispielsweise 1000 Quadratmetern sind maximal 200 überbaut. Vollgeschosse sind eine Definitionssache: Selbst wenn sich über dem Erdgeschoss noch eine Etage befindet, kann das Gebäude aufgrund des Daches und des Ausmaßes der Überbauung als eingeschossig gelten.

Neumann erklärte, dass bestehende Gebäude einen Bestandsschutz genießen. Das ändere sich, wenn ein Haus beispielsweise abbrennt und neugebaut werden soll. Aus diesem Grund und weil sich Wohnwünsche verändern, rege die Verwaltung an, manche Vorgaben großzügiger zu fassen. Das gelte für die Grundflächenzahl, die auf 0,25 erhöht werden könnte; zudem solle es generell möglich sein, zwei Vollgeschosse zu errichten.

Um den Charakter des Gebiets zu erhalten, soll die Firsthöhe bei zehn, die Traufhöhe zur Straßenseite zumeist bei 4,50 Metern begrenzt werden. Zum Garten sind andere Maße möglich, hier gibt es keine Vorgabe. Die Dachneigung solle zwischen 28 und 55 Grad liegen, was in der Regel zu Sattel-, Walm- und Zeltdächern führen dürfte. Flachdächer wären nicht möglich.

Heiner Willenberg beklagte für die Bürgerinitiative, dass Vorgaben zur Fassadengestaltung fehlten. Die Verwaltung hielt dagegen: „Wir haben im Bestand keine einheitliche Linie ausmachen können.“ Ein anderer Anwohner kritisierte die Zweigeschossigkeit, auch hier konterte die Stadtbaurätin: „Wir würden damit den heutigen Zustand ignorieren.“ Das sei schon aus rechtlichen Gründen problematisch, es könnten gar Entschädigungsforderungen auf die Stadt zukommen. Auch der Sorge, Investoren könnten Gärten bebauen, trat Neumann entgegen. Das sei bei den diskutierten Vorgaben nicht möglich.

Die Verwaltung will nun einen vorläufigen Entwurf für den Bebauungsplan erarbeiten. Der soll vom 2. Mai an öffentlich ausgelegt werden. Dann haben Betroffene und Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Schließlich entscheiden Bauausschuss und Rat über den Bebauungsplan.

Von Carlo Eggeling