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Seit kurzem führt der Weg zum jüdischen Friedhof durch diese Pforte verziert mit jüdischen Symbolen. Foto: bendler

Jüdischer Friedhof Bleckede: Pforte soll ein Zeichen setzen

Bleckede. Jahrhundertelang lag der Eingang zum jüdischen Friedhof in Bleckede zwischen Bäumen, nur ein schmaler Sandpfad wies den Weg auf die von Wald umringte Anhöhe. Seit kurzem steht dort eine zweiflüglige Pforte – verziert mit dem Davidstern und zwölf Ringen als Symbol für die zwölf Völker Israels.

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen hat das Tor aufgestellt, um unmissverständlich klar zu machen, dass es sich bei dem vermeintlich verlassenen Ort im Wald um einen jüdischen Friedhof handelt. „Damit reagieren wir auf den Vorfall im vergangenen Jahr, als eine Gruppe Jugendlicher den Friedhof zerstört hat“, sagt Bodo Gideon Riethmüller vom Landesverband.

Vandalismus auf jüdischem Friedhof

Vor einem Jahr, am 18. März 2016, hatten sechs Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren auf dem Friedhof elf Grabsteine umgestoßen oder zerschlagen und dabei einen Schaden von rund 18 000 Euro verursacht. Als Motive nannte die Polizei damals Übermut und Zerstörungswut (LZ berichtete). „Die Täter selbst hatten behauptet, den Friedhof als solches nicht erkannt zu haben“, berichtet Riethmüller. Ob es sich dabei um eine Schutzbehauptung gehandelt hat, will der Vertreter der Jüdischen Gemeinde nicht beurteilen. „Für uns war es auf jeden Fall Anlass zu handeln und diese Pforte aufzustellen.“ An jüdischen Feiertagen soll die Pforte in Zukunft verschlossen sein, „auch wenn wir damit nicht verhindern können, dass sich jemand Zutritt zum Friedhof verschafft“, sagt Riethmüller.

Die Folgen der Verwüstung sind auf dem Friedhof inzwischen so gut wie möglich beseitigt, die mehr als 260 Jahre alten Grabsteine bestmöglich restauriert worden. Doch Spuren der Zerstörung bleiben. Und auch offiziell ist der Fall noch nicht zu den Akten gelegt worden. „Das Verfahren gegen die Täter läuft noch“, erklärt Angelika Klee, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg. „Ausgang ungewiss.“

Täter schweigen zur Tat

Die Täter selbst haben sich offiziell bisher nicht zu dem Vorfall geäußert – zumindest nicht gegenüber dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden. „Nur eine Mutter hat uns einen Brief geschrieben und sich für das Verhalten ihres Kindes entschuldigt“, berichtet Riethmüller.

„Verhältnismäßig viel Unterstützung“ aus der Region erhielt der Landesverband allerdings bei der Sanierung des Friedhofes. Eine Spendenaktion der Stadt Bleckede und der Arbeitsgemeinschaft Juden in Bleckede brachte knapp 4000 Euro. „Hinzu kam eine Spende von 2000 Euro der Lüneburger Firma ,baumeister programm – Innendekoration‘“, sagt Riethmüller.

Von Anna Sprockhoff