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Zählen mit Stift und Block war gestern. Kommende Woche sollen Experten mit Videokameras den Autoverkehr erfassen. Foto: t&w

Vögelsen und Bardowick lassen Autoverkehr zählen

Bardowick/Vögelsen. Die Gemeinde Vögelsen führt im Schulterschluss mit Samtgemeinde und Flecken Bardowick eine Verkehrszählung durch – mit aut omatischer Kennzeichenerfassung. Vögelsen will damit das Verkehrsgutachten zum geplanten Wohnbaugebiet Süderfeld III ergänzen. Damit kommt sie auch einer Forderung des Kreises Lüneburg nach. Darauf hatten auch immer wieder Lüneburger Stadtratspolitiker gedrängt – aus Furcht vor einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen aus Vögelsen, das den Innenstadtring belastet.

Die Bardowicker wiederum wollen die Verkehrszählung nutzen, um Rückschlüsse für das neue Entwicklungskonzept der Samtgemeinde zu ziehen. Fraglich bleibt indes, wie ein Verkehrskonzept der Stadt Lüneburg für das ebenfalls in Planung befindliche Wohngebiet Gut Wienebüttel am Lüneburger Ortsausgang Richtung Vögelsen aussehen könnte.

Verkehrsmessung mit spezieller Technik

Die Verkehrsmessung findet statt am Dienstag, 21. März, an elf Standorten zeitgleich in den Gemeinden Vögelsen und Bardowick an den Hauptein- und ausfahrten sowie zwischen den Orten. Zum Einsatz kommt eine spezielle Videotechnik, sagt Bastian Bretschneider, Geschäftsführer der beauftragten Firma Messtechnik Mehl aus Kassel. Das Verfahren sei mit dem Niedersächsischen Datenschutzbeauftragten abgestimmt: Eine Software verschlüssele die von den Videokameras aufgezeichneten Kfz-Kennzeichen.

Übrig blieben pseudonymisierte Daten, die sich nicht mehr auf das ursprüngliche Kennzeichen zurückrechnen ließen, sagt Bretschneider: „Uns ist egal, wer da fährt. Für uns nur wichtig, zu welchem Zeitpunkt ein Fahrzeug ein- und wann es wieder ausfährt. Die Zahlen stellen wir dem Büro des Verkehrsgutachters zur Auswertung zur Verfügung.“

„Für uns ist nur wichtig, zu welchem Zeitpunkt ein Fahrzeug ein- und wann es wieder ausfährt.“
Bastian Bretschneider, Messtechnik-Geschäftsführer

Sandra Ahlers vom Bauamt der Samtgemeinde Bardowick sagt: „Ziel ist es, genauere Zahlen zu Verkehrsströmen sichtbar zu machen, um daraus abzuleiten, in welchen Bereichen wir in der Samtgemeinde im Verkehr steuernd eingreifen müssen.“ Besonders heißt diskutiert werden solche Fragen seit über einem Jahr mit Blick auf das geplante Wohnbaugebiet Süderfeld III. Am südwestlichen Ortsrand Vögelsens sollen zwischen 60 bis 70 Wohneinheiten entstehen.

Ergebnis fließt ein in Bebauungsplan

Vögelsens Bürgermeisterin Silke Rogge sagt auf LZ-Nachfrage: „Schon vor zehn Jahren hieß es, dass Vögelsen verantwortlich ist für den Verkehr im Westen der Stadt Lüneburg. Ich möchte jetzt als Bürgermeisterin dargestellt wissen, wie sich die Verkehrsströme in Vögelsen gestalten und welchen Durchgangsverkehr wir selber haben.“ Die Ergebnisse des ergänzten Verkehrsgutachtens würden auch in das weitere Abwägungsverfahren zum Bebauungsplan Süderfeld III einfließen. Derzeit werte das Planungsbüro der Gemeinde die in der öffentlichen Auslegung eingegangenen Stellungnahmen aus. Nach Ostern soll sich der Bauausschuss des Gemeinderats damit befassen.

Bereits bei der frühzeitigen Beteiligung zum Entwurf des Bebauungsplans Süderfeld III hatte der Kreis vor über einem Jahr der Gemeinde das teilweise veraltete Entwicklungskonzept 2006 der Samtgemeinde Bardowick unter die Nase gerieben: Darin hieß es, dass die Ausweisung zusätzlicher Siedlungsflächen an den Ausbau der verkehrlichen Infrastruktur gekoppelt sei – um einerseits den Lüneburger Innenstadtring als auch Kreisstraßen in Bardowick nicht über Gebühr zu belasten.

Ideen zu einem autofreien Quartier

Der Kreis hatte in seiner damaligen Stellungnahme gefordert: „Die dargestellte Problematik der Verkehrssituation ist gemeinsam mit der Stadt Lüneburg im Rahmen eines umfassenden Verkehrskonzeptes zu lösen.“

Die LZ fragte bei der Stadt nach, ob es für das geplante Wohngebiet Gut Wienebüttel am Lüneburger Ortsausgang Richtung Vögelsen bereits ein Verkehrskonzept gebe oder in Planung sei. Bisher waren bei Diskussionsrunden in erster Linie Bürger-Ideen zu einem autofreien Quartier öffentlich skizziert worden, etwa in Verknüpfung mit Car-Sharing-Angeboten – doch auch ein geliehenes Auto nutzt die Straße. Stadt-Sprecher Daniel Gritz wollte aufgrund „internen Abstimmungsbedarfs“ gestern keine Stellung nehmen.

Von Dennis Thomas