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Ohne Gewissensbisse haben Unbekannte ihren Müll im Wald bei Bardowick entsorgt. Entdeckt hat den Abfall der Adendorfer Peter Widmer, als er er auf Pilzsuche war. Foto: kre

Abfallentsorgung im Wald: Müll statt Maronen entdeckt

Bardowick. Was für eine Umwelt-Sauerei: Aus den aufgeplatzten Plastiksäcken quellen plattgedrückte Einwegflaschen hervor. Überall liegen leer e Glasflaschen. Einige Meter weiter haben Unbekannte Bauschutt, Dämmmaterial, Farbeimer, Altholz und Eternitplatten sowie Gartenabfälle entsorgt.

Deponie im Wald entdeckt

Entdeckt hatte die illegale Deponie bei Bardowick schon vor geraumer Zeit der Adendorfer Peter Widmer bei einem seiner Ausflüge. Der heute 66-Jährige war im Herbst 2015 unterwegs um Pilze zu suchen – leckere Maronen. Stattdessen stieß er aber am St. Dionyser Weg auf die Müllhalde. Bis heute hat sich an der Situation wenig geändert. Gestern war der Rentner zusammen mit der LZ erneut vor Ort. Noch immer liegt der Müll im Wald, neuer ist dazu gekommen. „Was sind das bloß für Menschen, die die Natur als Müllkippe missbrauchen?“ fragt sich der Adendorfer und schüttelt verständnislos den Kopf.

Andere scheinen ein geringeres Problembewusstsein zu haben: Vor kurzem erst haben Forstarbeiter auf dem Areal Bäume gefällt. Frische Baumstümpfe zeugen von ihrem Tun. Den Mülltüten aber haben die Männer offenbar keine Beachtung geschenkt. Die liegen noch genauso an einem kleinen Abhang wie vor eineinhalb Jahren – nur dass sie immer mehr von der Natur überwuchert werden.

Illegale Abfallentsorgung kein Kavaliersdelikt

Was auffällt: Die Einwegflaschen sind alle zusammengepresst. „Die sehen aus, als ob sie aus einem Pfandautomaten stammen“, sagt Widmer und äußert einen Verdacht: „Offenbar hatte der Fahrer, der die Flaschen zum Recyclinghof bringen sollte, schon Feierabend und hat sie kurzerhand im Wald entsorgt.“ Das Problem: Illegaler Müll zieht immer weiteren Müll an. Das zeigt sich auch am St. Dionyser Weg: Angefangen von großen, aber vergleichsweise noch harmlosen Sägespäne-Haufen über Gartenabfälle bis hin zu Bauschutt wie abgeschlagene Fliesen und Dämmmaterial.

Das Areal ist hügelig, und Peter Widmer hat das ungute Gefühl: „Wir stehen hier höchstwahrscheinlich auf einem kleinen Müllberg. Illegal aufgetürmt in den vergangenen Jahren keine 500 Meter Luftlinie entfernt vom Deponiegelände des kommunalen Abfall­entsorgers GfA.

Doch die illegale Müllentsorgung ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Werden die Verursacher ermittelt, drohen ihnen empfindliche Geldstrafen. Am Donnerstag wurde der illegale Müllablageplatz dem Landkreis Lüneburg angezeigt: „Mitarbeiter der Abfallbehörde werden sich das vor Ort anschauen und dafür sorgen, dass der Müll ordnungsgemäß beseitigt wird“, sagte gestern auf LZ-Anfrage Pressesprecher Hannes Wönig.

Zur Kostenfrage konnte sich der Kreissprecher gestern nicht äußern. „Unter anderem müssen wir erst einmal klären, wer Besitzer der Fläche und wer Verursacher des Müllproblems ist.“

Allgemeinheit trägt Kosten

Allerdings lässt sich das mangelnde Umweltbewusstsein mancher Bürger mit Zahlen belegen: 2015 registrierten die Behörden 72 illegale Müllablagerungen im Landkreis mit zusammen 2070 Kilogramm. 2014 waren es sogar noch mehr: Bei 111 illegalen Müllentsorgungen kamen 3,5 Tonnen Unrat zusammen , die letztlich auf Kosten des Gebührenzahlers eingesammelt und bei der GfA in Bardowick entsorgt werden mussten.

Denn das ist die Krux an der Sache: Können die Verursacher nicht ermittelt werden, muss die Allgemeinheit für die Entsorgung über die Müllgebühren aufkommen. Da kommt schnell eine ziemlich stattliche Summe zusammen. Pro Jahr laut GfA zwischen 15 000 bis 20 000 Euro.

Von Klaus Reschke

Gartenabfälle gehören nicht in den Wald

Nicht nur Bauschutt, Chemikalienreste und Plastikmüll sind eine Gefahr für die heimische Natur, sondern auch die nicht sachgerechte Entsorgung von Pflanzen, die aus fernen Ländern den Weg in unsere Gärten gefunden haben: sogenannte Neophyten. Denn was im heimischen Garten vielleicht für etwas Exotik sorgt, kann für die Pflanzenwelt schnell den biologischen GAU bedeuten.

Bis hin zur Biotopzerstörung und Bodenerosion. Die negativen Folgen sind kaum absehbar. Fachleute gehen davon aus, dass seit der Entdeckung der „Neuen Welt“ etwa 12 000 Pflanzenarten nach Europa eingeschleppt wurden. Laut Bundesamt für Naturschutz machen invasive Pflanzenarten etwa zehn Prozent unserer Flora aus. kre