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In den zahlreichen Feuchtbiotopen Ochtmissens finden Wildschweine eiweißreiche Nahrung. Symbolbild: A/be

Wildschweinen schmeckt Ochtmissen

Lüneburg. Was den Oedemern der Wolf, sind den Ochtmissern die Wildschweine. Immer wieder wird der Stadtteil im Nordwesten Lüneburgs von umherziehen dem Schwarzwild heimgesucht, zuletzt pflügte eine Rotte den Bolz- und Spielplatz am Krähornsberg um (LZ berichtete). Wie man der Plage wieder Herr werden könne, war Thema der jüngsten Ortsratssitzung in Ochtmissen. Doch die Möglichkeiten scheinen begrenzt.

Bejagung so gut wie ausgeschlossen

„Die Situation stellt die Jäger vor große Probleme“, stellte Annette Völker von der Unteren Jagdbehörde am Mittwochabend klar. Da die Tiere sich immer mehr bebauten Wohngebieten näherten, sei eine Bejagung so gut wie ausgeschlossen. „In der Schussbahn könnten sich Menschen aufhalten, die aber vom Jäger nicht gesehen werden, das Risiko, hier einen Schuss abzugeben, wäre viel zu groß.“

Acht Mal sind Wildschweine in den letzten Monaten in Ochtmissen gesichtet worden, „ausgerechnet in den befriedeten Teilen halten sie sich am liebsten auf“, erläuterte Peter Zurheide, Leiter Grünplanung, Friedhöfe und Forsten der Stadt. So werde vor allem der Bereich südlich und westlich des Krähornsbergs von den Tieren aufgesucht, „denn die Wildschweine gehen dahin, wo es am besten schmeckt“, wie Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs in der Sitzung erklärte. Bevorzugt würden Gebiete mit feuchten Böden und vielen eiweißreichen Würmern, ebenso Gebiete mit hohem Eichen- und Buchenbestand.

Maisanbau macht Jägern zu schaffen

„Es gibt leider viele nasse Ecken hier“, bestätigte auch Andreas Nieschulz aus Celle, der in dritter Generation die landwirtschaftlichen Flächen westlich von Oedeme bejagt. Auch der Maisanbau mache den Jägern zu schaffen, „für die Tiere eine prima Deckung“. Auch wenn jüngst aufgestellte Hochsitze Abhilfe schaffen sollen, viel Hoffnung auf schnelle Reduzierung des Wildschwein-Bestands machte auch Jäger Nieschulz den Ochtmissern nicht.

„Und was soll man machen, wenn man auf Wildschweine stößt? Hinschmeißen und tot stellen?“, wollte Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz von den Fachleuten wissen. Nein, eine Gefahr gehe von den Tieren in der Regel nicht aus, es sei denn, sie sind verletzt, krank oder haben Frischlinge bei sich. „Aber auch dann ziehen sie sich nach einer kurzen Attacke meist zurück“, sagte Nieschulz.

Sanierung der Vögelser Straße in diesem Jahr

Dichtes Gebüsch abseits der Wege sollte von Spaziergängern gemieden werden, dort könnten sich sogenannte Wurfkessel befinden, in dem der Nachwuchs abgelegt ist. „Und bitte nicht füttern“, sagte Annette Völker. Auch Grünabfälle und Komposthaufen am Ortsrand würden die Tiere anlocken. Sie regte an, hier von der Stadt entsprechende Behälter aufstellen zu lassen, Peter Zurheide nahm die Anregung mit. Auch über eine Umzäunung des Bolzplatzes werde man nachdenken, die Schäden sollen bereits kurzfristig behoben werden.

Bei der anschließenden Präsentation des Haushaltsplanentwurfs 2017 führte Stadtkämmerin Gabriele Lukoschek aus, dass in diesem Jahr die Sanierung des zweiten Abschnitts der Vögelser Straße geplant sei. Ferner soll die Bushaltestelle am Krähornsberg barrierefrei gestaltet und dichter an die Straße verlegt werden. Für den Bau des Arche-Labs im Wildgehege gebe es einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 30 000 Euro. „Und die Beleuchtung für den Weg zwischen Krähornsberg und Vögelser Straße?“, wollte Ortsratsmitglied Frank Soldan (FDP) wissen. „In diesem Jahr nicht drin“, sagte die Stadtkämmerin, die die Kosten mit rund 12 000 Euro bezifferte. „Wir machen für 2018 aber einen Merker dran.“

Erneut wurde auch die Beleuchtung vor der Gemeinschaftsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig diskutiert. Jens Kiesel (SPD) kritisierte in dem von ihm eingebrachten Antrag die unzureichende Straßenbeleuchtung. Der Ortsrat kam überein, die Situation mit der Stadt gemeinsam vor Ort in Augenschein zu nehmen. Auch die von Michèl Pauly (Die Linke) eingebrachte Anregung zur Aufstellung beleuchteter Pflanzkübel an dieser Stelle soll dabei geprüft und die Verwaltung anschließend um einen Vorschlag zur Umsetzung gebeten werden.

Von Ulf Stüwe