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Das Reh am Straßenrand ist hier nur eine Attrappe, doch die Zahl der Wildunfälle ist um 15 Prozent gestiegen. Foto: phs

Lüneburg: Zwei Prozent weniger Unfälle als 2015

Lüneburg. Knapp 4000 Unfälle nennt die Statistik der Polizei für das vergangene Jahr, knapp zwei Prozent weniger als 2015. Sechs Menschen starben auf den Straßen in Stadt und Landkreis, vier mehr als im Jahr zuvor. Auch bei den Schwerverletzten gab es einen Anstieg auf 119 Personen (97), die Zahl der Leichtverletzten sank auf 1347 (1464). Jetzt stellten Lüneburgs Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu und seine Mitarbeiter das Zahlenwerk vor. In manchen Punkten zeigt die Region eine andere Entwicklung als das Land.

Felgentreu und sein Verkehrsexperte Andreas Dobslaw sagen, dass mancher Anstieg eher Zufall ist. Denn schaut man auf die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre bewegen sich die Unfallzahlen in der Region zwischen 3750 und knapp 4100 Fällen. Bei den getöteten Unfallopfern lag der Wert mit zwei im Jahr 2015 niedrig wie nie. So starben 2007 noch 16 Menschen durch Verkehrsunfälle, danach waren es Jahr für Jahr weniger.

Rentner häufiger in Unfälle verwickelt als früher

Rahmenbedingungen haben sich geändert: Die Einwohnerzahl kletterte, das Verkehrsaufkommen stieg. Auch der Anteil der Senioren nimmt zu, mit zunehmendem Alter lasse die Reaktionsfähigkeit nach. Rentner sind häufiger in Unfälle verwickelt als vor Jahren. Dobslaw: „In einer älter werdenden Gesellschaft müssen wir uns daran gewöhnen.“

Die Polizei hat zwei Hauptrisikogruppen ausgemacht: Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren und ältere Fahrer ab 65 Jahren. Die junge Altersgruppe war an 691 Unfällen beteiligt, bei 511 davon waren sie auch Hauptverursacher des Crashs. Bei den älteren Fahrern ist es ähnlich: 745 Unfälle, 554 Mal waren die Senioren schuld. Die Polizei nehme die Unfälle auf und bilanziere, zu handeln sei Aufgabe der Politik, sagt Dobslaw. Prävention tue Jung und Alt gut. So gebe es im Kreis Uelzen für Ältere das Angebot „Fit im Verkehr“, in Zusammenarbeit mit Fahrlehrern können Teilnehmer ihre Reaktionen und ihr Verhalten überprüfen und gegebenenfalls verbessern.

Innenminister Boris Pistorius hatte in Hannover tags zuvor auf steigende Zahl von Fahrerfluchten hingewiesen. Lüneburg hingegen verzeichnet ein Minus von 4,6 Prozent: Waren 2015 noch 1138 Fälle gemeldet worden, waren es 2016 noch 1086. Die Beamten klärten 522 Vorkommnisse, macht eine Quote von gut 48 Prozent, rund vier Punkte besser als zuvor.

Weniger Motorradunfälle als 2015

808 Wildunfälle nennt der Bericht, gut 100 (+ 15 Prozent) mehr als 2015. In 98 Unfälle waren die Fahrer von Motorrädern und Mopeds verwickelt, knapp 30 Fälle weniger als 2015. Eine Erklärung dafür ist das Wetter, das 2016 nicht freundlich für Biker war. Zudem war die B 195, eine kurvenreiche Lieblingsstrecke im Amt Neuhaus, im vorigen Sommer eine große Baustelle.
306 Radler bauten Unfälle, 36 wurden schwer, 208 leicht verletzt – ähnliche Werte wie im Vorjahr. Einen gesonderten Blick werfen die Polizisten auf die Pedelecs, also Elektroräder, die auf bis zu 25 km/h beschleunigen und damit mehr Anzug als ein Mofa haben: 24 Unfälle.

Eine scheinbare Zunahme gab es bei Alkohol-, Drogen- und Medikamentenverstößen. Die Polizei stoppte 93 berauschte Fahrer, macht ein sagenhaftes Plus von 173 Prozent, im Vorjahr waren es lediglich 34. Weil Felgentreu aber mehr Kontrollen anordnete, auch um gegen Einbruchskriminalität vorzugehen, blieben im Netz eben auch nicht ganz klare Fahrer hängen.

Die Polizei will weiter auf Kontrollen und Prävention setzen. Martin Schwanitz, neuer Verkehrssicherheitsberater, kündigt an, auch Radfahrer im Fokus zu haben: Das Projekt „Geisterfahrer“ soll jene stoppen, die auf der falschen Seite unterwegs sind.

Von Carlo Eggeling

Oft zu schnell

Hauptunfallursachen sind für die Polizei überhöhte Geschwindigkeit (249 Fälle), mangelnder Abstand (338), falsches Abbiegen (138) und das Missachten der Vorfahrt (363). Dazu kommt die Ablenkung. Die wird aber zahlenmäßig nicht erfasst. Aus der Erfahrung und durch Studien aus dem Ausland wissen die Beamten aber, dass Hantieren mit dem Handy ebenso dazu zählt wie die Konzentration auf Hörbücher oder gar Filme. Und manche betreiben am Steuer sogar Körperpflege.

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