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Dr. Udo Baer, Dagmar Oertzen und Ines Hyda-Geduhn (r.) plauderten vor der Veranstaltung über das Thema Kinder. Foto: fru
Dr. Udo Baer, Dagmar Oertzen und Ines Hyda-Geduhn (r.) plauderten vor der Veranstaltung über das Thema Kinder. Foto: fru

Die Gefühlswelt der Kinder

Von Franziska Ruf
Lüneburg. Welche sieben Geschenke braucht ein Kind, um glücklich zu sein? Das sind nicht Dinge wie eine neue Jacke oder eine Lego-Figur – es steckt mehr dahinter: Gefühle. Auf der Fachtagung für Tagespflegekräfte hat der Pädagoge, Autor und Therapeut Dr. Udo Baer das schwer greifbare Thema rund um die Gefühlswelt der Kinder nahbar gemacht.

Laut einer Studie befinden sich 40 Prozent der Kinder in einer „unsicheren Bindung“. Damit ist die mangelnde Fähigkeit gemeint, über längere Zeit Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Ursachen sind Erniedrigung, Gewalt und missbrauchtes Vertrauen. „Sie können davon ausgehen, dass jedes fünfte bis sechste Kind unter drei Jahren Gewalt erfahren hat“, erklärt der Pädagoge den Pflegekräften und Erziehern. Ines Hyda-Geduhn, Leiterin der Fachberatung Kindertagespflege, weiß, dass viele Kinder das erste Mal in der Kindertagespflege die Erfahrung machen, dass man sich wirklich für sie interessiert. Deshalb habe die Einrichtung „das Ziel, das Lächeln der kleinen Kinder zu retten“, erklärt Dagmar Oertzen, Assistenz der pädagogischen Geschäftsführerin vom evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverband. Wie das gehen kann, hat Dr. Udo Baer am Sonnabend auf der Tagung der Fachberatung Kindertagespflege näher gebracht.

Kindern Aufmerksamkeit schenken

Baer hat sieben Geschenke dargestellt, mit denen man die Bindungsfähigkeit der Kinder gewinnen könne. Es lässt sich damit zusammenfassen, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken und sich in sie hineinzuversetzen. Manchmal frage der Therapeut Hilfe suchende Eltern, was sie in dem Alter ihrer Kinder gefühlt hätten, was sie machen wollten und was nicht. Man dürfe das Kind in sich selbst nicht vergessen. Ein anderer wichtiger Aspekt sei es, wahrhaftig zu sein. „Kinder merken sofort, ob wir nur so tun als ob“, erklärt der Therapeut. Zum Beispiel wenn man tut, als würde man zuhören und in Wahrheit mit seinen Gedanken woanders ist. „Du hörst mir ja gar nicht zu!“, lautet prompt die Antwort. Baer geht auch auf die „Monster der Erniedrigung“ ein, die ein Leben prägen, sei es Gewalt, Beschämung oder fehlende Zuwendung. Kinder bräuchten „eine große Hand“, das bedeutet Schutz, Halt und Trost.

Während des Vortrages führt der Pädagoge zahlreiche Beispiele aus dem Leben und dem Umgang mit den Kleinen an. Paradebeispiel ist die Ehetrennung, in unserer Gesellschaft keine Seltenheit. Baer erzählt von einem Kind, das sich die Scheidung seiner Eltern dadurch erklärt hat, dass es sein Zimmer nicht aufgeräumt hat. Es hat sich selbst verantwortlich für die Trennung gefühlt, weil es keine anderen Günde erkennen konnte – die Eltern wollten das Kind schließlich aus ihren Auseinandersetzungen heraushalten. Die Botschaft „du bist nicht schuld“ an das Kind zu kommunizieren sei also unglaublich wichtig.

Umgang mit den Gefühlen von Kindern

Alle Geschenke und Ratschläge für den Umgang mit den Gefühlen von Kindern bringt der Pädagoge letztendlich durch einen Satz auf den Punkt: „Gute Menschen, die sie sehen, sie hören, die handeln – das ist es, was die Kinder brauchen.“

Für alle Interessierten an einer Qualifizierung zum Tagespfleger oder zur Tagespflegerin verweist Hyda-Geduhn darauf, dass ab jetzt das Bewerbungsverfahren für den viermonatigen Kursus im Herbst stattfindet.

One comment

  1. Na ja, Geschenke braucht jeder 🙂 Ich als Erwachsener würde ein gutes Geschenk nicht ablehnen. Ich und mein Sohn teilen zum Beispiel ein Gokart (es gibt auch solche, die für jedes Alter passen! https://gokart-profi.de/Gokart-5-99-Jahre ) und spielen oft draußen. Dabei entsteht ein hervorragendes Gemeinschaftsgefühl! Und die Mama hat mittlerweile Zeit für ihre Maniküre. Hat sie auch verdient.