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Herderschüler Fabian Schröder (15) und seine Mitstreiter wollen einen Film fürs Kino drehen. Foto: t&w

Die große Leinwand als Ziel

Lüneburg. Im Sommer sollen die Dreharbeiten starten, bei Castings hat das Team bereits neue Darsteller an Bord holen können. „Liberty“ lautet der Arbeitstitel, es soll nach vielen Kurzfilmen das erste Werk der „CFT Productions“ in Spielfilmlänge werden. Das Besondere: Die Macher sind vier Jungs aus Lüneburg, Uelzen und Umgebung.

Als Elfjähriger Liebe zum Film entdeckt

Fabian Schröder ist 15. Der Neuntklässler der Herderschule war gerade mal elf, als er seine Liebe zum Film entdeckte: Mit seinem Cousin Timon Kraaz spielte er gern Polizei und Räuber, „irgendwann haben wir angefangen, das zu filmen“. Das begeisterte die beiden so sehr, dass sie im Sommer ihren ersten 45-minütigen Film drehten.

Inzwischen sind auch andere auf sie aufmerksam geworden: Ihr Film „Fremde“, der die Geschichte eines syrischen Flüchtlingsmädchens erzählt, wurde 2015 mit dem 1. Platz der Heide-Wendland-Filmklappe belohnt. 2016 veröffentlichten sie „Gefangen im Netz“, der Film spielt im Jahr 2049 in einer Welt, die von Krieg und Zerstörung geprägt ist. „Das war unser Durchbruch“, sagt Fabian stolz. Unter anderem wurde er bei der Niedersachsen-Filmklappe mit dem Franz-Traxler-Förderpreis prämiert.

Freiheit auf der Kino-Leinwand

Nun haben die Jugendlichen Großes vor, Ende 2018 soll „Liberty“ auf der Kino-Leinwand zu sehen sein. Bis dahin ist noch viel zu tun. Das Drehbuch, bislang 90 Seiten, hat Luzian Massarrat geschrieben, er ist Produktionsleiter und Regisseur. Zur Stamm-Crew gehören etwa 20 Leute, erzählt Fabian, „wir sind alle um die 15, 16 Jahre alt“.

Junge Menschen stehen auch im Fokus ihres neuen Films. Er spielt in einer Welt, in der vor 30 Jahren der Strom ausgefallen ist. Die Hauptfigur, ein Mädchen namens Luana, lebt in einem Dorf, in dem eine Miliz Angst und Schrecken verbreitet. Eines Tages sucht sie auch die Heimat von Luana heim und entführt die Erwachsenen. Die Jugendlichen sind plötzlich auf sich allein gestellt und beschließen, zusammen mit anderen, auf Rettungsmission zu gehen – als „junge Befreier“. Doch dann gerät Luana in den Fokus der Miliz.

Vom Kulissenbau bis zur Musik machen sie alles selbst

„Mehr verrate ich nicht“, sagt der Schüler mit einem Augenzwinkern. Die ersten beiden Dreh-Wochen sind in den Sommerferien angesetzt, im Winter und im Frühjahr 2018 soll es weiter gehen. Nach den einzelnen Drehphasen soll geschnitten und Musik aufgenommen werden. Auch die macht CFT Productions selbst, dafür sorgt Clemens Krauss, er spielt Schlagzeug und Keyboard, hat schon mehrmals den Wettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen.

Fabian ist Co-Produzent, er kümmert sich um Kamera und Schnitt und muss logistische Herausforderungen meistern. „Kulisse, Equipment, Personal – alles muss zu den Dreh­orten transportiert werden“, nennt er als Beispiel, außerdem müssten Zeitpläne entwickelt, Unterkünfte zum Schlafen organisiert werden. „Da sind manchmal starke Nerven gefragt.“

Und neben all dem muss der 15-Jährige die Schule meistern und seinem anderen Hobby gerecht werden, dem Handballspielen. Gerade hat sich der Gymnasiast mit der C-Jugend des HV Lüneburg für die niedersächsische Meisterschaft qualifiziert. Nach der Schule und vor dem Training greift Fabian meist zum Rechner oder zum Telefon, aktuell sucht er Drehorte. Für ein Wunschgebiet in Häcklingen hat er keine Drehgenehmigung erhalten. Auch „etwas Bergwerk-ähnliches“ zu finden, erweise sich als schwierig. Eingetütet ist dagegen schon, dass eine Uelzener Schule für einen Dreh Schüler als Statisten freistellt.

Hilfe der Eltern nehmen sie nur bei Anträgen in Anspruch

Kameras und Laptops als Leihgaben haben die jungen Filmemacher ebenso wie das Schnittprogramm. Für alles weitere ist Timon Kraaz zuständig. „Er kann aus Holz so ziemlich alles für Kulissen bauen“, sagt Fabian. Und auch wenn mal nicht alles glattgeht, zum Beispiel die Fahrstuhlmusik bei C&A während eines Drehs nicht ausgeschaltet werden kann, die ganze Szene deshalb nachvertont werden muss, steckt niemand den Kopf in den Sand.

Obwohl sie noch so jung sind, will die Crew nur in Ausnahmefällen Hilfe annehmen. So sollen die Eltern allenfalls mal ran, wenn Anträge für Fördergelder ausgefüllt werden müssen. „Wir wollen das alles möglichst eigenständig machen“, sagt Fabian. Auch die Kostenkalkulation erstellen die Jugendlichen. Sie beinhaltet ein Minimum und ein Optimum, Fabian erklärt: „Wenn wir 2000 oder 3000 Euro haben, können wir den Film machen. Er wird dann nur nicht ganz so geil, wie wenn wir tatsächlich 10 000 Euro zusammenbekommen sollten.“

Von Anna Paarmann

Wer das Projekt unterstützen oder mitmachen möchte, kann sich per E-Mail an film@cft-productions.de ans Organisationsteam wenden.