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Eisenbahngesellschaft kann sich eine weitere Woche an Ersatzzügen bedienen.

Metronom stößt im Hansenetz an seine Grenzen

Lüneburg/Hannover. „Die Pünktlichkeit im regionalen Bahnverkehr in Niedersachsen hat sich im vergangenen Jahr leicht verbessert, 91,4 Prozent aller Nahverkehrszüge erreichten 2016 pünktlich ihr Ziel“, das teilt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) mit. Hingegen unterdurchschnittlich abgeschnitten hat bei der Bewertung das in Uelzen beheimatete Eisenbahnunternehmen Metronom auf dem Hansenetz zwischen Uelzen, Lüneburg, Hamburg und Bremen: Nur 88,4 Prozent der Metronom-Züge fuhren dort fahrplanmäßig – fast wie in den Vorjahren. Aber: „Die Ursachen für Verspätungen sind vielfältig, größtenteils liegen sie nicht in der Einflusssphäre des Eisenbahnunternehmens“, sagt LNVG-Geschäftsführer Hans-Joachim Menn.

Bahnknoten Hamburg sorgt für Engpässe

Als pünktlich gelten Züge, wenn sie nicht später als fünf Minuten nach Fahrplan im Bahnhof eintreffen. Am zuverlässigsten aus Sicht der Pendler waren 2016 die Zugverbindungen in Südost-Niedersachsen. Im Dreieck Braunschweig-Salzgitter-Göttingen erreichte die DB Regio AG in ihrem Dieselnetz eine Pünktlichkeit von 95,8 Prozent. Zustände, von denen Metronom im Hanse-Netz fast nur träumen kann. „Dort müssen sich Nah- und Fernverkehr ein und dieselbe Trasse teilen. Hinzu kommt: der hochbelastete Bahnknoten Hamburg sorgt immer wieder für Engpässe im Zu- und Ablauf, müsste dringend ausgebaut werden. Dadurch stößt auch das Angebot des Metronom, das von Pendlern gut angenommen wird, zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen“, heißt es bei der LNVG. Auch der Güterverkehr nimmt auf der Trasse stetig zu. Allein 56 Prozent der Metronom-Verspätungen seien durch derartige Umstände bedingt, heißt es.

„Die Gleiskapazitäten im Hamburger Hauptbahnhof sind ausunserer Sicht erschöpft.“
Björn Pamperin, Metronom-Sprecher

„Die Gleiskapazitäten im Hamburger Hauptbahnhof sind aus unserer Sicht erschöpft“, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. Immer wieder komme es vor, dass beispielsweise wegen belegter Gleise die Nahverkehrszüge in oder außerhalb des Hamburger Hauptbahnhofs warten müssten. Das sei auch schlecht für Verbindungen, die nach Bremen weiterführten. Pamperin: „So führen Verspätungen an einer hochfrequentierten Stelle in der Folge zu Verspätungen an anderer Stelle, wo sonst kaum etwas los ist.“ Auch zwischen Uelzen, Hannover und Göttingen sorgten laut LNVG Fernverkehrszüge wie IC und ICE dafür, dass die Regionalzüge des Metronom nicht so zuverlässig pendeln konnten wie geplant, die Pünktlichkeit erreichte dort lediglich 87,5 Prozent.

Immerhin seien die fünf Prozent selbstverschuldeten Zugausfälle bei Metronom, etwa durch Krankheit beim Personal oder Fahrzeugstörungen, deutlich zurückgegangen, sagt Pamperin. „Wir können mit etwas Stolz vermelden, dass es seit einiger Zeit keine personalbedingten Zugausfälle gegeben hat.“ Zuletzt hatte Metronom im vergangenen Herbst mit einem Personalmangel bei den Lokführern zu kämpfen (LZ berichtete).

„Rote Laterne“ für DB Regio

Auch insgesamt konstatiert die LNVG bei den Zugausfällen in 2016 mit 846 514 annullierten Zug-Kilometern eine leichte Verbesserung zum Vorjahr (872 138 km). Prozentual die wenigsten Zugausfälle im Land seien zwischen Uelzen, Hannover und Göttingen zu beklagen gewesen. Nur 17 800 Zug-Kilometer (0,6 Prozent) musste der Metronom aus seinem Betriebsprogramm streichen. Am meisten betroffen von Zugausfällen waren Reisende 2016 im Heidekreuz. Auf den Relationen Hannover-Buchholz und Bremen-Soltau-Uelzen mussten insgesamt 157 600 Zug-Kilometer (6,1 Prozent) aus dem Fahrplan genommen werden.

Doch auch hier nimmt die LNVG den Betreiber, die Metronom-Schwester Erixx in Schutz: „Vor allem die Beeinträchtigungen durch den geplanten Ausbau der Heidebahn auf 120 km/h machten den Fahrplan-Experten der erixx GmbH häufiger einen Strich durch die Rechnung als ihnen lieb war.“
In Sachen Pünktlichkeit im niedersächsischen Regionalverkehr geht die „Rote Laterne“ übrigens an die DB Regio im Kreuz Bremen/Niedersachsen: Auf den Strecken Osnabrück-Bremerhaven und Hannover-Norddeich Mole erreichten die Züge nur zu 85,8 Prozent pünktlich den Bahnsteig. lz/dth

300…

…Millionen Euro Steuergeld jährlich gibt die 100-prozentige Landestochter LNVG für die Bestellung des Regionalverkehrs auf der Schiene zwischen Ems und Elbe aus. Für verspätete oder ausgefallene Regionalverkehre werden den Betreibern die Zuschüsse anteilig gekürzt.

In der Summe rechnet die LNVG mit drei bis vier Millionen Euro.