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Auch beim Elbehochwasser im Juni 2013 rückte die Bundeswehr zur Unterstützung der zivilen Einsatzkräfte an. Den Kontakt zum Katastrophenstab stellt seit zehn Jahren das Kreisverbindungskommando sicher. Foto: kt

Kreisverbindungskommando: 10 Jahre Schnittstelle im Katastrophenfall

Lüneburg. Vor zehn Jahren hat die Bundeswehr ein neues Kapitel in der zivil-militärischen Zusammenarbeit aufgeschlagen: Reservisten übernahmen die Arbeit, die zuvor die Verteidigungsbezirkskommandos geleistet hatten. Gründe waren unter anderem die reduzierte Truppenstärke und die neue Struktur der Armee: weg von der Verteidigungs-, hin zur Einsatzarmee.

Reservisten-Kommando beim Elbehochwasser 

Nicht alle waren damals vom Konzept der Reservisten-Kommandos überzeugt. Zehn Jahre später fällt die Bilanz durchaus positiv aus: „Ich bin froh, so viele kompetente Reservisten an meiner Seit zu haben, denen ich vertraue und auf die ich mich im Ernstfall verlassen kann“, sagte Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) bei einer Feierstunde anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kreisverbindungskommandos (KVK) Lüneburg.

Feierten das zehnjährige Bestehen des KVK: Oberstleutnant Michael Hoppstädter, KVK-Leiter Burkhard Jäkel, Landrat Manfred Nahrstedt und Oberst Bernd Otto Iben (Landeskommando, v.l.) Foto: kre

Ihr Können mussten die Reserveoffiziere und -unteroffiziere des KVK unter Leitung von Oberstleutnant d.R Burkhard Jäkel bereits mehrfach unter Beweis stellen. Daran erinnerte auch der Landrat: „Bei den beiden jüngsten Jahrhunderthochwassern an der Elbe hat sich die Unterstützung durch das KVK bewährt.“ Sowohl 2011 als auch 2013 arbeiteten die Berater des Kommandos eng mit dem Katas­trophenstab des Landkreises zusammen und sorgten für schnelle Hilfe durch die Bundeswehr. Der Landrat zeigt sich beeindruckt, mit welcher Professionalität die Männer und und Frauen des KVK ihre Arbeit verrichten: „Als Ersatzdienstleistender hatte ich eigentlich nie viel mit der Bundeswehr zu tun“, gestand der Chef der Kreisverwaltung.

Nahrstedt lobt Stellenwert der Bundeswehr

Heute könne er sagen, dass er als Landrat dank „seines“ Kreisverbindungskommandos vieles von und über die Bundeswehr gelernt habe. Der ehemalige Zivildienstleistende Nahrstedt würde es sogar begrüßen, wenn wieder eine allgemeine Wehr- oder Dienstpflicht für Männer und auch für Frauen eingeführt würde: „Die Bundeswehr hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft.“ Leider wirke sich das positive Image nicht im notwendigen Maße auf die Bewerbungen aus.

Allerdings äußerte der Landrat auch Kritik, denn beim letzten Elbhochwasser habe die Hilfe im Amt Neuhaus nicht so funktioniert, „wie ich das gerne gehabt hätte“, so Nahrstedt, der bis heute nicht verstehen kann, warum mit Sandsäcken beladene Lkw der Bundeswehr am West­ufer standen und nicht in das Amt Neuhaus fahren durften, obwohl dort dringend Sandsäcke benötigt wurden. „Hier haben wir gut 36 Stunden verloren, bevor aus Mecklenburg-Vorpommern Soldaten in das Amt Neuhaus geschickt wurden.“

Die besondere Lage des Kreises hat man in Hannover erkannt – und das KVK Lüneburg um das Verbindungskommando Amt Neuhaus/Ludwigslust-Parchim aufgestockt. Damit im Katastrophenfall auch die Kommunikation über die Elbe hinweg klappt. Mit dieser personellen Aufstockung wird das KVK Lüneburg vermutlich das größte Kreisverbindungskommando in der Bundesrepublik, auf alle Fälle aber in Niedersachsen.

Von Klaus Reschke

Aufgabe des KVK

Allein in Niedersachsen gibt es 50 Kreisverbindungskommandos. Ihre Aufgabe ist es, die zivilen Katastrophenschutzstäbe über die Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung durch die Bundeswehr zu beraten, Lagebilder zu erstellen und im Katastrophenfall Verbindung zu den eingesetzten Truppenteilen zu halten.

Die KVK sind ausschließlich mit Reserveoffizieren und -unteroffizieren besetzt. Der Einsatz der Bundeswehr erfolgt auf Anforderung ziviler Behörden – also erst dann, wenn eigene Möglichkeiten der Gefahrenabwehr nicht vorhanden, ausgeschöpft oder nicht geeignet sind. kre