Aktuell
Home | Lokales | Aktion auf Lüneburger Marktplatz: Ein Herz für Toleranz
Aus Pappkartons haben die Mädchen und Jungen ein Herz geformt und sich selbst drumherum postiert. Foto: fru

Aktion auf Lüneburger Marktplatz: Ein Herz für Toleranz

Lüneburg. Bedächtig setzt ein Kind nach dem anderen seinen bunten Karton auf dem Marktplatz ab. Nach und nach entsteht so ein Herz, das immer größer wird. Rund 350 Schüler und Kindergartenkinder aus hiesigen Schulen und Kitas haben für die „Lüneburger Wochen gegen Rassismus“ Pappkartons mit Bildern und Sprüchen gestaltet, auf denen sie für Toleranz werben.

Besonderer Wert auf Gemeinschaft und Zusammenhalt gelegt

Die Kinder und Jugendlichen haben sich zuvor mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt, das Riesenherz vor dem Rathaus aus Kartons ist das sichtbare Ergebnis. Aufgrund der unterschiedlichen Altersgruppen sind sie auf verschiedene Art und Weise vorgegangen: „Wir haben besonderen Wert auf die Betonung der Gemeinschaft und des Zusammenhalts gelegt“, erzählt Ronja Vollert, Erzieherin der Kinderkrippe der Kita WigWam. „Die Krippenkinder sind zwei, drei Jahre alt. Wörter wie Toleranz und Rassismus kennen die noch nicht, Freundschaft schon.“ Die bunten Kartons der Kita St. Marien betonen die Vielfalt: „Bei uns haben die Kinder ihre Kisten mit Händen von sich selbst und von anderen bedruckt“, erklärt Pädagogin Lisa Deimel.

Künstlerisch ging die Rudolf Steiner Schule an das Projekt heran. Im Unterricht der 12. Klasse haben sich die Mädchen und Jungen drei Doppelstunden lang Zeit genommen, um über Toleranz und Rassismus zu sprechen, die Gestaltung der Kisten zu planen und umzusetzen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Design ihrer Beschriftungen, zudem sind neben Standpunkten wie „We don‘t grow older, we grow riper“ (Wir werden nicht älter, wir werden reifer) auch Schachteln mit arabischen und chinesischen Zeichen bemalt. An den Berufsbildenden Schulen wurden auch Flüchtlingsklassen in das Projekt miteinbezogen. Forderungen wie „Frieden für alle Völker“ und „ein gutes Leben für alle“ sind das Ergebnis von zwei bis sechs Unterrichtsstunden, in denen über das Zusammenleben in der Gesellschaft diskutiert wurde.

Herz besser als Pyramide

Bei Pascale Björn von der Rudolf Steiner Schule ist das Projekt gut angekommen: „Mir gefällt, dass hier so viele Leute aus verschiedenen Schulen eine Gemeinschaft bilden“.
Initiator Matthias Skorning, Leiter der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, freut sich über die insgesamt fröhliche Stimmung unter den Teilnehmern, auch wenn nicht – wie ursprünglich mal geplant – eine „Pyramide der Toleranz“ gebaut wurde: Denn bei derart vielen Teilnehmern wäre eine aus Kisten gestapelte Pyramide zu instabil und damit gefährlich geworden. Doch das Herz drückt Skornings Absicht hinter der Aktion besonders gut aus: „Mir ist es wichtig, dass Lüneburg sein Herz öffnet für Menschen mit anderer Hautfarbe, Herkunft und Sprache.“

Von Franziska Ruf