Mittwoch , 26. September 2018
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Seit Jahren beteiligt sich Eckhard Panz an den Besatzaktionen an der Elbe. Diesmal hat er 120 000 Tiere in den Fluss gesetzt. Foto: plu

Hohnstorf: 42 Kilo junge Aale für die Elbe

Hohnstorf. Zwölf große, mit Sauerstoff befüllte Styroporkisten lädt Eckhard Panz am Ufer bei Lauenburg auf sein Motorboot, bevor er mit der kostbaren Fracht an Bord verschiedene Uferstellen entlang der Elbe ansteuert. Dort zerschneidet der Elbfischer mit einem Messer das Klebeband, das die Kisten fest versiegelt, damit der Sauerstoff nicht entweichen kann. Er legt den Deckel beiseite, hebt den Inhalt vorsichtig heraus: Gestapelte Plastikschalen, in denen sich jeweils 3,5 Kilogramm graue schleimige Masse windet. Diese Masse gibt der Elbfischer aus Hohnstorf nach und nach behutsam ins Wasser – und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft von vielen.

Die Rede ist von kleinen, dünnen Glasaalen – zwei bis drei Jahre alt, einige Stunden zuvor gefangen an der französischen Atlantikküste. Um etwa 120 000 Tiere ist die Elbe nun reicher. Der Bestand der Aale ist in europäischen Gewässern drastisch zurückgegangen. So auch in der Elbe. Gründe dafür gibt es viele. Unter anderem Klimaveränderungen, Wasserkraftwerke, Fischerei, Parasitenbefall oder Umweltverschmutzung. Um dem Rückgang entgegenzuwirken, gibt es verschiedene länderübergreifende Projekte.

Ob Aalbestand wirklich zunimmt, ist noch unklar

Auch am niedersächsischen Elbeufer gibt es seit zwölf Jahren Besatzaktionen: So wie Panz zu Wochenbeginn im Bereich des schleswig-holsteinischen Lauenburg, haben rund 50 ehrenamtliche Helfer am Freitag am Fähranleger Bleckede 165 000 junge Aale in die Elbe gesetzt. Das Projekt wird koordiniert von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen und umgesetzt von der Gemeinschaftsinitiative Elbfischerei. Die Kosten übernehmen zu 60 Prozent EU und Land, den Rest zahlt die Gemeinschaftsinitiative Elbfischerei – das heißt von Vertretern der Landesfischereiverbände und Elbfischern aus Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Konkrete Zahlen darüber, ob der Aalbestand der Elbe durch den Besatz wieder zugenommen hat, gibt es noch nicht. „Es handelt sich um ein langfristig angelegtes Naturschutzprojekt. Die Evaluation ist sehr aufwendig, Aussagen wird man deshalb erst in ein paar Jahren treffen können“, erklärt Wolfgang Ehrecke, Pressereferent der LWK.

Ein Kilo Glasaale kostet 290 Euro

Auch Panz beteiligt sich seit Jahren an den Aktionen. Für ihn als Elbfischer ist der Besatz besonders wichtig. Erst neulich hat er 1000 kleine Lachse in die Elbe gesetzt, die er aus Schweden erhalten hatte. Die Styroporkisten mit den Glasaalen haben ihm Fischzüchter Torsten Uhthoff aus Neubrandenburg und Fischereiberater Martin Purps vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein (LSFV) überbracht. Uhthoff hatte die Tiere in der Nacht an der deutsch-französischen Grenze entgegengenommen, und an den LSFV verkauft. 290 Euro kostet ein Kilogramm Glasaale dieses Jahr. 1000 Euro waren es noch vor zehn Jahren, erinnert sich der Fischzüchter. „Ohne den Besatz wäre der Aal heute verschwunden“, das steht für Martin Purps fest.

Insgesamt 42 Kilogramm der dünnen, durchsichtigen Jungfische hat Panz in der Elbe verteilt. „Das ist schon ein besonderes Gefühl“, sagt der 51-Jährige. Für ihn ist der Aal die Haupteinnahmequelle. „Ohne funktioniert es nicht“, sagt er. Auch deshalb löst das Aussetzen der jungen Aale ein Gefühl von Hoffnung in ihm aus: „Das ist viel Arbeit und eine wichtige Sache. Auch für die späteren Generationen, die noch vom Fluss leben wollen.“ Rund zehn Jahre werden die etwa zwei bis drei Jahre alten Tiere nun in der Elbe leben, bevor sie geschlechtsreif werden und zum Laichen in ihr Ursprungsgewässer, dem Atlantik, zurückkehren. Bis es so weit ist, leisten die Hoffnungsträger für die Elbe jetzt aber erst einmal ihren Beitrag zur Erhaltung des Bestands in der Elbe.

Von Patricia Luft