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Mächtig schräg gewachsen sind einige Buchen über die Jahrzehnte. Jetzt drohen sie zu einer Gefahr zu werden und müssen deshalb gefällt werden. Foto: t&w

Scharnebeck: Buchen und Eichen müssen weg

Scharnebeck. Es sind gewaltige Bäume – „zum Teil 150 bis 160 Jahre alt“, sagt Revierförster Oliver Christmann und lässt seinen Blick ehrfurchtsvoll in die Kronen der alten Buchen und Eichen schweifen. Doch so beeindruckend die Laubbäume auch sind – rund 80 von ihnen müssen jetzt gefällt werden. Denn von den Bäumen im Bereich des Waldgebietes „Dröge Holz“ in Scharnebeck geht eine erhebliche Gefahr für die angrenzende Wohnbebauung aus. Am Sonnabend, 25. März, wird ein qualifizierter Forstunternehmer im Auftrag des Forstamtes Sellhorn mit den Arbeiten beginnen.

Nur wenige Spechtbäume betroffen

„Die Maßnahme ist mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abgestimmt“, sagt Christmann und sein Kollege Reiner Baumgart, regionaler Pressesprecher der Landesforsten, ergänzt: „Besondere Sorgfalt wurde bei den Vorbereitungen auf die Kontrolle von sogenannten Höhlenbäumen gelegt.“ Denn die bieten einer Vielzahl gefährdeter Tierarten wichtige Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Doch Baumgart kann beruhigen: „Es sind nur einige wenige ‚Spechtbäume‘ betroffen, also Buchen und Eichen, in die Spechte ihre Löcher gemeißelt haben.“

So gerne die Förster die Bäume erhalten hätten – „aber die Sicherheit geht vor!“, sagt Christmann. Bereits im November war eine mächtige Buche auf ein angrenzendes Grundstück gestürzt. Glück im Unglück. Verletzt wurde niemand, lediglich ein Pferdestall in Mitleidenschaft gezogen. Doch für Christmann war das Anlass genug, die Bäume im nordöstlichen Bereich des „Dröge Holz“ genauer zu begutachten.

Bäume hängen in Richtung Wohnbebauung

Und das, was der Förster vorfand, gibt Anlass zur Sorge: „Entlang des Waldrandes hängen etliche Bäume stark in Richtung der Wohnbebauung“, sagt Christmann und fährt fort: „Einige haben bereits gefährliche Gabelungen und Risse!“ Es ist aus Sicht des Experten nur eine Frage der Zeit, bis die nächsten Bäume brechen oder umstürzen. „Verkehrssicherung ist für uns eine sehr wichtige Aufgabe. Bäume, die gesund, stabil und landschaftlich bereichernd sind, bleiben stehen“, erläutert der Revierförster, „die anderen aber, von denen eine Gefahr ausgehen könnte, werden jetzt gefällt.“

Wer sich die Bäume in Scharnebeck anschaut weiß – einfach wird das nicht, die mit roter Farbe markierten Bäume zu fällen. Auf der einen Seite befindet sich Privatgrund, auf der anderen befindet sich der Hochseilgarten. Diese Forstarbeiten sind auch für Christmann und seine Kollegen alles andere als Routine. Um die Bäume zu legen, werden neben speziellen Forstmaschinen auch Baumkletterer zum Einsatz kommen.

Anwohner müssen Haus verlassen

Ein Teil des Holzes soll im Wald verbleiben und den Anteil des ökologisch wertvollen Totholzes erhöhen. Etwa eine Woche, schätzt Christmann, werden die Arbeiten dauern. Ende März soll seinen Worten zufolge die Aktion abgeschlossen sein. Insgesamt werden in der kommenden Woche im „Dröge Holz“ durch diese Sicherungsmaßnahme rund 300 Festmeter Holz anfallen. Die Stämme sollen nach Möglichkeit an Sägewerke verkauft, dickere Äste und Kronen als Brennholz veräußert werden.

„Wir werden die Anwohner der angrenzenden Grundstücke schriftlich über Sinn und Zweck der Maßnahme informieren“, sagt Christmann. Darin bitten die Landesforsten auch um Verständnis dafür, dass die Anwohner für einen kurzen Zeitraum der Fällarbeiten ihr Haus verlassen müssen, um jegliche Gefährdung auszuschließen.

Von Klaus Reschke