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Der Lärm an der Ost­um­ge­hung ist für An­woh­ner ein Dau­er­the­ma. Sie kön­nen sich nun in ei­nem Ver­fah­ren für bes­se­ren Schutz er­neut be­tei­li­gen, Un­ter­la­gen wer­den in Kür­ze aus­ge­legt. Fo­to: t&w

Ostumgehung: Lärmschutz – aber nicht für alle

Lüneburg. In Lüne und im Moorfeld warten die Anwohner seit Jahren auf einen besseren Schutz vor dem Krach der Ostumgehung. Und sie werden sich weiter gedulden müssen. Wer hingegen im Hanseviertel wohnt, dürfte bald eine Entlastung spüren: Die Stadt will dort eine Lärmschutzwand bauen lassen. Die Ausschreibung läuft. Aus dem Rathaus heißt es: „Der Baubeginn ist für den 12. Juni vorgesehen, Ende August soll die Wand stehen.“ Hier sei die Rechtslage anders: Im Bebauungsplan für das Hanseviertel war ein entsprechender Schutz festgeschrieben worden. Die Finanzierung übernähmen die Erschließungs- und Bauträger und damit ihre Kunden.

Aber auch die „alten Anwohner“, von denen sich viele in der Bürgerinitiative Lüne-Moorfeld zusammengeschlossen haben, fordern Verbesserungen. Sie wollen nicht warten, bis die umstrittene A39 weitergebaut wird. Sie haben auch einen Anspruch auf zusätzlichen Schutz. Das ergibt sich daraus, dass die ursprünglichen Prognosen der Behörden längst Makulatur sind. In den 80er-Jahren ging man davon aus, dass täglich 15 000 Fahrzeuge über den Asphalt rollen, heute sind es weit mehr als 40 000 – Tendenz steigend.

Gutachten von 2016 belegt gestiegenen Lärmpegel

Eigentlich hätte die Straßenbaubehörde handeln müssen. Denn weil die Verwaltung weitergehende Maßnahmen gegen den Krach mit Hinweis auf Kosten und Autobahnausbau auf die lange Bank schob, war zwischenzeitlich nach Bürgerprotesten das alte Planfeststellungsverfahren wieder für Ergänzungen eröffnet worden. Kernsatz: Wenn bis Juni 2015 kein Autobahnbau beginne, müsse die Straßenbauverwaltung mit Lärmschutzmaßnahmen starten.

„Dieses Datum ist jetzt bald zwei Jahre verstrichen“, sagt Jens-Peter Fiedler von der Bürgerinitiative und fragt, warum die Straßenbaubehörde nicht handelt. Deren Lüneburger Chef verweist auf den Landkreis, der sei Planfeststellungsbehörde. Dort verweist Sprecherin Katrin Holzmann auf ein aktualisiertes Lärmgutachten vom Februar 2016. Das belege einen gestiegenen Lärmpegel und beziehe weitere Gebiete mit ein.

Infoveranstaltung für Bürger im Sommer

Dem Eindruck von Anliegern, es habe sich recht wenig in Sachen Lärmschutz getan, widerspricht Kreisrätin Sigrid Vossers in einer Stellungnahme: „Bereits 2011 haben wir einen Planfeststellungsbeschluss zum nachträglichen Lärmschutz erlassen. Wir haben angeordnet, dass sogenannter Flüsterasphalt aufgetragen wird und der Einbau von Schallschutzfenstern für Wohnhäuser als ‚passiver Lärmschutz‘ vom Bund gefördert wird. Der Landkreis hat sich damals weitere Auflagen offen gehalten für den Fall, dass der Bau der A 39 nicht bis Mitte 2015 gestartet ist. Deshalb suchen wir nun erneut nach einer sinnvollen Lösung.“

Kreis, Stadt und Straßenbauverwaltung des Landes seien im Gespräch. Im Mai kommen Vertreter der Behörden zusammen, im Sommer soll es eine Informationsveranstaltung für Bürger geben. Vielleicht bringen Anwohner die Diskussion auf den großporigen Flüsterasphalt. Denn der ist nach Meinung von Fachleuten nach acht Jahren abgefahren. Das wäre in etwa zwei Jahren der Fall.

Von Carlo Eggeling

Das Tempo muss runter

Dr. Frank Kracht engagiert sich seit langem in der Bürgerinitiative Lüne-Moorfeld, er und seine Mitstreiter fühlen sich in der Warteschleife. Es dauere alles sehr lange, obwohl seit zwei Jahren klar ist, dass Betroffene in Lüne-Moorfeld ein Anrecht auf Lärmschutz haben. Selbst mit dem vom Kreis angeführten Flüsterasphalt würden Lärmgrenzwerte nicht eingehalten.

Der angebotene passive Lärmschutz komme nicht allen Anliegern zugute, bringe wenig: „Im Garten ist es trotzdem laut. Wer sich andere Fenster einbauen lässt, hat vielleicht ein Problem mit Feuchtigkeit in seinen Räumen. Das kann man nicht isoliert betrachten.“

Kracht fordert erneut ein Tempolimit, statt 100 sollten 80 km/h gelten. Das minimiere den Krach, reduziere zudem den Schadstoffausstoß. Das Verkehrsministerium hatte das einst abgelehnt. ca