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Zehn Mitglieder zählt derzeit die Jugendfeuerwehr Ochtmissen. Die Jungs treffen sich jeden Montag um 18 Uhr zum Dienst am Feuerwehrhaus. Foto: t&w

Jugendfeuerwehren: Hartes Ringen um den Nachwuchs

Lüneburg. Der Kampf um den Nachwuchs ist hart. Wer ihn nicht annimmt, bleibt auf der Strecke. Das ist auch den Lüneburger Vereinen und Verbänden bewusst. Und so schießen Kleinkindgruppen mit so geistvollen Namen wie Bambinis, Minis, Flöhe oder Hüpfer aus dem Boden, buhlen schon um die Jüngsten – wer sie früh erwischt, wird meist belohnt. Und das weiß auch die Feuerwehr.

Seit 2001 gibt es Kinderfeuerwehren im Landkreis Lüneburg, neun Jahre später wurde in Häcklingen der Start in der Stadt gewagt. „Aufgrund der starken Mitgliederzahlen in den Jugendfeuerwehren bestand hier lange Zeit keine wirkliche Notwendigkeit, noch Jüngere zu werben“, erklärt Daniel Römer, Pressesprecher der Feuerwehr, die zeitliche Lücke. Das hat sich mittlerweile geändert: „Heute legen sich die Kinder deutlich früher fest, sodass es sinnvoll ist, schon im Alter von sechs Jahren Mitglieder zu gewinnen“, sagt Römer – und das tut Not.

Ziel: Mitglieder von Beginn an binden

43 Kinderfeuerwehren gibt es in Stadt und Kreis derzeit, rund 590 Jungen und Mädchen sind dort aktiv, bilden die „Mitglieder-Quelle“ für die Jugendfeuerwehr, wie Kreisjugendfeuerwehrwart Stefan Schulz erklärt. Verlassen können sich die Brandschützer auf diesen Jungbrunnen jedoch nicht mehr: „Leider ist die Fluktuation häufig sehr hoch“, sagt Schulz. „Deshalb muss es unser Ziel sein, unsere Mitglieder von Beginn an so gut und so fest wie möglich an die Jugendfeuerwehren zu binden.“ Das hat sich auch Marcel Trennert auf die Fahne geschrieben.

Vor gut eineinhalb Jahren hat der heute 29-Jährige die Leitung der Jugendfeuerwehr in Ochtmissen übernommen, sie ist eine der fünf städtischen Nachwuchsorganisationen und kämpft – wie ihre Schwestern in Häcklingen, Mitte, Oedeme und Rettmer auch – gegen den Mitgliederschwund: Insgesamt 23 Jugendliche sind 2016 aus dem Dienst der fünf Jugendwehren ausgetreten, im gesamten Kreis sogar 212, der höchste Wert seit Jahren. „Immer mehr Hausaufgaben, höhere Anforderungen in der Berufsausbildung, keine Energie, aber natürlich auch die Auswirkungen des digitalen Zeitalters sind die Ursachen“, sagt Trennert.

Kinder lernen Erste Hilfe und Fahrzeugtechnik

Zehn Heranwachsende zählt er derzeit zu seinem Team, das er mit Engagement, Ideen und Aktionen bei der Stange hält. So nehmen die Jugendlichen an Orientierungsmärschen teil, fahren zum Zeltlager und messen sich mit den Gleichaltrigen im Wettkampf. Zudem kommen sie jeden Montag zu ihrem Dienst ins Feuerwehrhaus, lernen die Grundlagen der Fahrzeugtechnik und Erste Hilfe oder üben den Umgang mit Schläuchen.

„Wir müssen am Ball bleiben, in jeder Ortschaft aktiv Werbung machen. Wir müssen uns zeigen, einfach da sein!“
Stefan Schulz, Kreisjugendfeuerwehrwart

„Vornehmliches Ziel der Arbeit ist es, die Gruppe zu stärken und eine eingeschweißte Truppe zu formen“, erklärt Trennert. Und das gelingt ihm offensichtlich gut: „Mir gefällt am besten der Zusammenhalt“, sagt Florian (12), und Felix (14) ergänzt: „Ich wollte in meiner Freizeit immer etwas machen, was mit Teamgeist zusammenhängt. Deshalb bin ich damals in die Kinderfeuerwehr eingetreten.“ So wie Matthias (12), dessen Bruder Fabian (10), Lennart (13) und Luk (12).

Werbeaktionen auch im Kino

Doch nicht jeder, der im Grundschulalter bei den Brandschützern landet, wechselt auch in die Jugendwehr: „Die Kleinen treffen sich einmal im Monat“, erklärt Daniel Müller, Stadtkinderfeuerwehrwart und Leiter der Gruppe Stadtmitte, „wenn dann der Übergang zu den Älteren und damit zu wöchentlichen Diensten kommt, wird das einigen zu viel.“ Das Problem: Mitglieder müssen nicht nur gehalten, sondern stetig neue dazugewonnen werden. Trennert erklärt: „Deshalb müssen wir auch oft präsent sein.“ Stadtteilfeste oder Müllsammelaktionen, Schützenfeste und natürlich das traditionelle Osterfeuer – in Uniform und möglichst vollzählig sind die Jugendlichen immer dabei.

Hinzu kommen spezielle Aktionen wie jüngst im Filmpalast Lüneburg: Den Start des Streifens „Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische“ nahmen die Brandschützer zum Anlass, mit verschiedensten Aktivitäten auf sich aufmerksam zu machen. „Mit Erfolg“, wie Kreisjugendwart Schulz resümiert – aber auch weiß: „Das ist und kann nur der Anfang einer intensiven Werbekampagne aller Jugendfeuerwehren gewesen sein. Wir müssen am Ball bleiben, in jeder Ortschaft aktiv Werbung machen. Wir müssen uns zeigen, einfach da sein!“

Ohne Nachwuchs stirbt die Freiwillige Feuerwehr aus

Doch Werben allein reicht nicht, der Nachwuchs will begleitet sein. „Wir dürfen die Kinder bei ihrem Übertritt in die Jugendfeuerwehr und die Jugendlichen bei ihrem Übertritt in den aktiven Dienst nicht alleine lassen“, sagt Schulz, „Modelle wie Patenschaften und Eingewöhnungsphasen müssen mit Leben gefüllt werden.“ Damit der Nachwuchs überhaupt soweit komme, sagen Trennert und Müller, „brauchen wir die Unterstützung der Eltern.“ Allen sollte klar sein: Ohne Nachwuchs stirbt die Freiwillige Feuerwehr aus – und drückt man dann den Knopf für Feueralarm, kommt keiner mehr.

Weitere Infos im Internet auf www.kjf-lueneburg.de oder bei Kreisjugendfeuerwehrwart Stefan Schulz unter (04136) 1488.

Von Ute Lühr