Aktuell
Home | Lokales | Ilmenau | Deutsch Evern: Das Zittern kann wieder beginnen
Pressevertreter mussten beim „Runden Tisch“ in der Deutsch Everner Grundschule vor der Tür warten. Immerhin war der Eingangsbereich von der Bürgerinitiative gegen das dritte Gleis dekoriert.

Deutsch Evern: Das Zittern kann wieder beginnen

Deutsch Evern. Wer weniger als nichts erwartet hatte, wurde beim Runden Tisch in Deutsch Evern zum Schienenausbau positiv überrascht. So Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt. Vor der Veranstaltung zeigte er sich überzeugt: „Die Bahn wird mauern und genauso wie bei der Infoveranstaltung im Januar gar nichts sagen. Und wenn das so ist, dann gehe ich hier ganz schnell wieder raus.“ Er blieb, wie die meisten der rund 40 Vertreter von Kommunen, Verbänden und Bürgerinitiativen, rund vier Stunden in der Aula der Grundschule Deutsch Evern.

„Besser als gedacht“, lautete schließlich sein Fazit, man habe der Bahn einige Informationen entlocken können über die mögliche Umsetzung des Bestandsstrecken-Ausbaus Lüneburg-Uelzen und alternativer Ortsumfahrungen. Andere Teilnehmer hingegen zeigten sich irritiert bis enttäuscht. In jedem Fall dürfte jetzt das Zittern wieder von vorne beginnen, welche Gemeinde eine neue Bahntrasse vor die Haustür bekommt.

Bereits nach der ersten Informationsveranstaltung im Januar sorgte eine wurstförmige Markierung auf einer Info-Grafik der DB Netz AG für Verunsicherung. Sie sollte andeuten, wo mögliche Ortsumfahrungen auf dem Schienenweg für Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen untersucht werden sollen. Nach dem Runden Tisch am Donnerstag ist aus der Wurst ein Ei geworden, berichten Teilnehmer, das ebenfalls noch Überraschungen bergen mag.

Am Freitag kursierte in den Reihen der Kommunalvertreter im Kreis Lüneburg eine E-Mail, in der im Nachgang über den möglichen Ei-förmigen Suchraum für eine Ortsumfahrung spekuliert wurde. Genannt werden die Bereiche der Gemeinden Bardowick, Radbruch, Mechtersen, Vögelsen, Reppenstedt, Kirchgellersen, Südergellersen, Embsen, Melbeck, Deutsch Evern und Adendorf. Das deckt sich in großen Teilen mit dem Eindruck von Bürgermeister Rowohlt, der kurz nach der Sitzung von einer möglichen Westumfahrung Lüneburgs sprach, die er aus den Ausführungen der Bahnvertreter herausgehört haben wollte.

„Der Anspruch, was wir wissen sollten, ist höher als das, was wir bereits wissen.“
Matthias Hudaff, DB Netz AG

Matthias Hudaff, Leiter Projekt Hamburg/Bremen-Hannover bei der DB Netz, bestätigte das auf Nachfrage nicht: „Das sind alles Interpretationen.“ Das „Ei“ war auf einer bei der Veranstaltung gezeigten Karte zu sehen, die eigentlich nur den Teilnehmerkreis des Runden Tisches nach Orten umreißen sollte. Und demnach gehören auch solche östlich von Lüneburg dazu.

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer nahm unter anderem als Botschaft mit: „Es kam sehr wohl der Hinweis, dass eine Ortsumgehung auch zweigleisig ausgestaltet werden könnte.“ Dabei würde auch der Zeitvorteil im Personenfernverkehr auf der Strecke Hamburg-Hannover von elf Minuten erreicht. Krumböhmer machte deutlich, dass Kreis wie Stadt weiterhin ein Raumordnungsverfahren fordern. Der Untersuchungsraum müsse wesentlich größer gefasst werden und nicht nur im Landkreis Lüneburg stattfinden.

Ähnlich sieht das Radbruchs Bürgermeister Rolf Semrock. Der aber wiederum glaubt nicht an eine Westumfahrung, da in dem Bereich aus naturschutzrechtlichen Gründen viele ursprünglich geplante Windkraft-Vorrangflächen gescheitert waren und genauso Hindernis für eine Bahntrasse seien. Gellersens Verwaltungschef Josef Röttgers sagte: „Es bleibt eine Eierei!“
Hudaff von DB Netz sagte angesichts der Erwartungen der Vertreter aus der Region: „Ich kann verstehen, dass einige Bürgermeister eine Linie auf der Karte gezeichnet sehen wollen, aber mit dem Sachverstand, den wir heute haben, kann ich eine solche Aussage nicht treffen. Der Anspruch, was wir wissen sollten, ist höher als das, was wir bereits wissen.“

Von Dennis Thomas